Wie schön, wenn zwei Konzerte und eine EP eines Newcomers nicht täuschen und der Jungspund hält, was er verspricht: „Wanted on Voyage“ von George Ezra ist der Soundtrack für den Roadtrip im Kopf!

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Zugegeben – der Brite hat es mir angetan und das ist auch nicht mein erster Text über George Ezra aus Bristol. 16 Songs sind es für „Wanted on Voyage“ geworden. 16 Mal erzählt der 20-jährige Ezra Geschichten. Geschrieben hat er die meisten auf seinem Roadtrip durch Europa und genau dieses Gefühl will er seinen Zuhörern weitergeben: unterwegs sein, ein bisschen planlos, ein bisschen laufen lassen, mitnehmen, was geht. Ehrlich gesagt sollten wir uns alle genau das sowieso öfter zu Herzen nehmen.

„Budapest“, inzwischen schon lange mit dem Gold-Status der Plattenindustrie veredelt, kennt man nun ja schon lang genug. Und auch der Titelsong der EP „Did You Hear the Rain?“ findet sich auf dem Album wieder. Ansonsten liefert Ezra neben seiner zweiten Single „Cassy O“ nur neues Material ab. Und es ist für jeden und jede Stimmungslage was dabei.

88843032251Für die unbeschwerten Tage in der Sonne und die warmen Sommerabende gleich der Opener „Blame it on Me“ und „Budapest“ (logo). Für „Stand by Your Gun“ stimmt der Brite gar einen Reggae-Beat an. Nicht mein Favorit, aber hey – es ist ja Sommer. Weil er ja aber Brite ist und es bekanntermaßen dort manchmal auch regnet, dürfen die ruhigeren, nachdenklicheren, ja vielleicht sogar melancholischeren Songs auf „Wanted on Voyage“ nicht fehlen: „Barcelona“, „Breakaway“ und „Spectacular Rival“ etwa. Gerade hinter „Spectacular Rival“ würde man weder einen 20-Jährigen noch einen Debütanten erwarten. Ob George Ezra für den Song wohl extra viel Nick Cave gehört hat?

„Song 6“ beginnt mit einer Demo-Aufnahme, bevor der eigentliche Song anfängt. Und mei, was erzählt er da? Vom Sinn des Lebens, vom Suchen und Finden der Liebe – was uns so ganz ehrlich halt doch am meisten im Leben beschäftigt. Und wie schön, dass der „Blind Man in Amsterdam“ auch den Weg auf das Album gefunden: Bei den Konzerten ist das gern der letzte Song der Zugabe und hier passt er so schön an das Ende des Albums, kommt doch die Zeile „When this adventure ends, the next one will begin“ darin vor.

George Ezra hat da wirklich ein sehr, sehr tolles Debüt hingelegt. Die Songs machen durchweg gute Laune und bestätigen den Eindruck, den wir seit letztem Winter von dem jungen Briten haben: Er ist wahnsinnig nett, ein irre guter Geschichtenerzähler und ein außerordentlicher Musiker. Nach dem ersten Durchlauf von „Wanted on Voyage“ findet man die 16 Songs schon ziemlich gut, danach drückt man einfach immer wieder nur auf Play.

Ursis liebster Song? „Leaving it up to You“. Der Track, bei dem Ezra bei den Konzerten immer erzählt, die hohen Töne hätte ein Frauenchor eingesungen. Stimmt gar nicht, war er selber. Er, der über Schlägereien in Bars mit de neuen Freund einer alten Liebe sinniert. Hätte man ihm so gar nicht zugetraut. Jetzt macht euch aber selber ein Klangbild von George Ezra und ich bin mir sicher, ihr versteht nach dem Hören des Albums auch, wieso ihn die BBC schon Ende 2013 in den höchsten Tönen gelobt hat. Mehr solche Newcomer, bitte!

Wer sich von den Live-Qualitäten des Herrn überzeugen will, kann das machen – er kommt nämlich auf Deutschland-Tour.

8. August             Haldern, Haldern Pop Festival
12. September    Baden-Baden, SWR New Pop Festival
13. September    Göttingen, NDR2 Soundcheck Festival
07. November     Leipzig, Täubchenthal
11. November     Berlin, Postbahnhof
13. November     Köln, Kantine
14. November     Hamburg, Docks
15. November     Frankfurt, Batschkapp
17. November     Stuttgart, Longhorn
18. November     München, Theaterfabrik

„Wanted on Voyage“ von George Ezra ist bereits am 26. Juni bei Sony erschienen. (Seitdem läuft es hier in Dauerschleife und erst heute konnte ich meine Begeisterung in Worte fassen.)

Fotos: PR