Seit Anfang des Jahres warte ich auf dieses Album. Die ersten Singles klangen vielversprechend. Hypes von der Pop-Insel sind ja nicht immer zu trauen. In diesem Fall hat sich das Warten gelohnt. Und das Timing ist perfekt: Jungle legen mit ihrem selbstbetitelten Debüt eine exzellente Sommer-Platte vor.

Jungle_DanWilton

„Right on time, back by the beach. Still going, bring the heat!“ Press Play und er ist da, der Sommer. Es ist, als würde man den Sommer durchs Fenster hereinlassen. „The Heat“ durchströmt den Raum, durchflutet ihn mit Sonnenlicht. Klingt zwar kitschig, aber das selbstbetitelte Album von Jungle ist das perfekte Sommeralbum. „Accelerate“, so der Titel des zweiten Songs auf dem Album, bleibt – zum Glück – ein leeres Versprechen. Von Beschleunigung kann hier keine Rede sein. Jungle setzen auf relaxte, schwerelos und gemächlich vor sich hinplätschernde, schlürfende Beats. Ein paar Synthie-Tupfer und ordentlich Bass.

Erst bei „Time“ wird das Tempo ein wenig angezogen. Eine leicht vor sich hin schnurrende, funky Disco-Nummer, die dank des mehrstimmigen Falsett-Gesangs immer mal wieder die Bee Gees ins Gedächtnis ruft. Das chillige Tempo des Interludes „Smoking Pixels“, das mit seiner Pfeifmelodie an einen modernen Western im Tarantino-Style erinnert, wird auch auf dem zweiten Teil der Platte beibehalten.

Jungle kombinieren Old-School-Soul, 70s-Rock und Disco mit dezentem Elektroschnickschnak, herausgekommen sind zwölf groovende Midtempo-Songs. Aufgenommen wurden die Songs im Band-eigenen Studio in Sheperd’s Bush sowie im Label-Studio von XL Recordings.

Inhaltlich geben die Songs des Londoner Kollektivs zwar nicht allzuviel her. Titel wie „Lemonade Lake“ versprechen keine existenziellen Themen. Ein paar Plattitüden, ein bisschen Liebesgesäusel, fertig. Macht aber nichts, am Strand, am Pool, an der Isar wollen wir keine tiefschürfenden, hochphilosophischen Fragestellungen reflektieren.

Die Band war lange Zeit ein Mysterium. Je nach Pressefoto besteht das Kollektiv aus unterschiedlich vielen Bandmitgliedern. Den Kern bildet das Duo J & T, die ihre Identität nicht preisgeben wollen. Inzwischen ist klar: Hinter Jungle stecken die beiden kreativen Köpfe Josh Lloyd-Watson und Tom McFarland, zwei Freunde aus West-London. Live stehen Jungle dann zu siebt auf der Bühne.

Auch in den sehenswerten Videos gibt sich das Kollektiv nicht zu erkennen, schickt stattdessen immer wieder neue Tänzer vor. In „The Heat“ gibt es eine geschmeidige Old-School-Roller-Disco im Street-Style, in „Platoon“ gibt das erst sechsjährige, arschcoole Breakdancer-B-Girl Terra seine Moves zum Besten und in „Busy Earnin‚“ schwebt dann gleich eine ganze Fly-Girl- und B-Boy-Posse übers Parkett.

Auch das Album-Artwork von „Jungle“ verrät nicht mehr. „Produced by Jungle“, heißt es da schlicht. Das Jewelcase ist komplett in schwarz gehalten, die CD: komplett vergoldet. Den Sommer in Gold in einer Hand also. Im Booklet gibt’s die Texte sowie ein Foto einer Statue von Hermes im Jungle-Jacket. Laut griechischer Mythologie u.a. der Schutzgott der Reisenden. Ein gutes Stichwort.

Die Songs von Jungle werden mich garantiert durch die Sommerwochen im Süden begleiten. Jungle und ich, das wird eine innige Sommer-Liaison. Ob es ein flüchtiger Flirt wird oder doch für mehr reicht, weiß ich noch nicht. Ist jetzt aber auch egal. Einfach genießen. Im November kommen Jungle übrigens auf Deutschland-Tour. Am 24. November sind sie in der Münchner Muffathalle zu Gast. Mal sehen, ob ich bis dahin immer noch ein kleines bisschen verknallt bin.

„Jungle“ ist über XL Recordings/Beggars erschienen.

Fotos: Dan Wilton/Beggars