Sie sind einer der schönsten Exporte aus Schweden: JUNIP. In St. Gallen hatten sie unfassbarerweise für uns Zeit und plauderten aus dem Nähkästchen. Wir empfehlen allen, sich dringend noch ein Konzert der Band anzuschauen – die drei diesen August werden für lange Zeit die letzten sein.

Kurz vor 14.30 Uhr, eben beenden Bilderbuch ihre Show. Ich werde angerufen und mir wird ein neuer Pass ausgehändigt: Ab geht’s in den Backstage-Bereich des OpenAir St. Gallen. Am Biertisch neben mir sitzt Tom Odell, ich warte  kurz und treffe dann Tobias Winterkorn und José González, die zwei Masterminds hinter einer meiner allerliebsten Bands: JUNIP.

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Vorab hatte ich gelesen, dass JUNIP der mir bis dato unbekannten Richtung des „Dark Folk Pop“ zugeordnet werden. Folk Pop ja, aber dark? Ich weiß ja nicht. Vor allem ihre letztes, selbstbetiteltes Album klingt eigentlich gar nicht so düster – „Walking Lightly“ und „Your Life, Your Call“ allen voran. José González, der ursprünglich aus der Hardcore-Szene kommt, meint dazu: „Es kommt immer darauf an, womit man verglichen wird. Wenn wir produzieren, dann überlege ich oft, was einen Song düsterer machen könnte. Aber selbst dann ist es immer noch viel leichter als zum Beispiel Black Metal.“ Wir lachen. González‘ Art zu singen wäre nicht trübe oder düster, aber die Synthesizer könnten diesen Effekt bewirken. „Unsere Harmonien könnten düster klingen, aber insgesamt eigentlich doch auch wieder leicht“, siniert Winterkorn. „Wahrscheinlich trifft es ‚melancholisch‘ besser als ‚dark‘ „, so der Mann hinter Orgel und Synthie weiter. Klingt gut, darauf einigen wir uns. „Es kommt immer auf den jeweiligen Song an“, fügt González noch hinzu. Während „Walking Lightly“ wirklich leicht klingt, wäre „Beginnings“ der düsterste Song, den sie je produziert hätten. Es sei aber auch kein Wunder, immerhin handle der Track ja auch vom Tod. Aber wieso wollen JUNIP jetzt so düster klingen? „Es ist ein Balance-Act. Manche Songs klängen sonst kitschig.“ Schon klar, das will ja auch keiner.

JUNIP wirkten am Soundtrack zu „The Secret Life of Walter Mitty“ mit – nach wie vor tolle Platte. Wie war für José González die Arbeit mit Ryan Adams und Ben Stiller? „Das war eher so eine Cyber-Sache, ich habe ihn [Ryan Adams] nie getroffen. Ryan Adams arbeitete sehr eng mit Theodore Shaprio [Komponist des Scores]. Es war schönes Arbeiten: Er ist schnell, er schrieb die Lyrics und ich war eigentlich mehr oder weniger ein Instrument. Sie schickten mir den Song und ich veränderte nur kleine, minimale Details.“ Hätte ich jetzt so auch nicht erwartet, aber gut – hört man jedenfalls nicht. Und Ben Stiller, Regisseur und Walter Mitty im Film? „Ben Stiller lud mich in sein Haus ein, um die erste Rohfassung des Films anzuschauen. Das war schön.“ Es gibt da ja dieses Video zum Titelsong, in dem José González quasi Walter Mitty spielt (An dieser Stelle sei allen, die den Film noch nicht gesehen haben, ebendieser nochmals wärmstens empfohlen.). War der Dreh lustig? „Ja, das war witzig. Emmet Malloy war der Regisseur von ‚Stay Alive‘. Seine Idee war, dass ich mit den gleichen Klamotten wie Mitty im Film herumlaufe. Es ist seltsam, denn eigentlich mag ich schauspielern nicht und bin eher kamerascheu.“ Sind Sondtracks denn so ein Projekt, das JUNIP als Band gern öfter umsetzen würde? „Ja, auf jeden Fall. Wir haben als Band auch Demos für den Film aufgenommen, aber dann war die Zeit einfach zu knapp“, so González. Ihren brasilianischen Song „Oba, La vem ela“ widmeten sie allerdings schon dem Film“Die vierte Macht“ mit Moritz Bleibtreu.

José González spielte mit dem Göteborg String Theory einige Solo-Shows. Wäre das neben den Soundtracks auch was für JUNIP? Darüber hätten sie noch gar nicht gesprochen, aber das würde bei manchen Songs sicher super gehen, sind sich Winterkorn und González einig. Tobias Winterkorn sprach sogar lose schon mit dem Dirigenten PC Nackt. Da können wir nur gespannt warten und hoffen.

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JUNIP spielen lieber Solo-Shows als Festivals. Der Zeitdruck und die bunt gemischte Crowd mache es einem Künstler nicht immer so leicht wie echte Fans, die nur wegen ihnen zu Shows kommen, bekennt Winterkorn. „Ich bin sehr abhängig vom Publikum, weil ich nicht extrovertiert bin. Da sind Festivals manchmal einfach schwierig“, sagt González. Eine Show, die kürzlich besonders hängenblieb, ist die in ihrer Heimatstadt Göteborg: Vor etwa 59.000 Menschen haben sie für eine schwedische Band den Opener gegeben. Leider verrieten sie nicht, welche Band das war – es könnte sich aber um die skandinavischen Rocker Kent und deren #KENTFEST vom Juni 2014 handeln. 59.000 Menschen und JUNIPs Idee von einem „euphoric moment“ gehen da nicht miteinander einher: Es wäre alles zuviel, die Kommunikation zwischen Band und Publikum wäre so gut wie nicht möglich. Und dabei ist es genau der Austausch zwischen Zuschauern und Künstlern, den JUNIP eben so sehr schätzt. Tobias Winterkorn mag auch die kleinen Shows lieber, aber egal ob 59.000 oder 200 Zuschauer, er gehe immer „all in“ bei den Live-Auftritten.

Nach dieser Tour wird es erstmal stiller um JUNIP werden, denn Winterkorn und González widmen sich wieder ihren eigenen Projekten. Vorher könnt ihr die Schweden aber noch live anschauen. Geht hin, es werden unter Garantie wahnsinnig tolle Konzerte! Hier die Daten:

20. August   Berlin, Heimathafen
21. August    Jena, Kulturarena
22. August   Kassel, Kulturzelt

Fotos: themusicminutes