Dieser Herbst gehört den Foo Fighters. Mit ihrem achten Album und einer zugehörigen Musikdoku lassen sie dann die geballte Ladung Rockmusik meets Musikgeschichte auf die Menschheit los. Ehrlicherweise gehört ihnen ja auch schon dieser Sommer, denn seit Wochen dominieren sie mit Meldungen zu neuen Infoschnipseln und mit ihren immer wilder werdenden Marketingspirenzchen die Musikpresse. „Sonic Highways“ werden sowohl die neue Platte als auch die Serie heißen und beide haben inzwischen einen Releasetermin. Doch damit noch nicht genug der Teaserei.

sonic highwaysAm 10. November darf ein fettes Kreuz im Kalender gemacht werden. Dann ist es endlich da, das achte Album der Foo Fighters. Es wird eine Hommage an die US-amerikanische Musikgeschichte und die Aufnahmen – jeder Song wurde im Studio einer anderen relevanten Stadt eingespielt – wurden filmisch dokumentiert und sind bereits gut drei Wochen vorher, ab 17.10., auf dem US-Bezahlsender HBO zu sehen. Meister Grohl, der ja letztes Jahr bereits mit „Sound City: Real to Reel“, einer Doku über die legendären Sound City Studios in Los Angeles, seine ersten Schritte als Filmemacher absolviert hat, legt als Zweitwerk also direkt einen Mehrteiler vor. Der Typ meint es wirklich ernst. Wann und wo die Serie bei uns in Europa ausgestrahlt wird, ist noch nicht bekannt.

Neben dem Album-Cover – Wahrzeichen der acht gefeaturten Städte wurden zu einer Hybrid-Metropole, einer Collage der ultimativen Über-Rock-City verschmolzen – wurde inzwischen auch die Tracklist verraten:

01. „Something From Nothing“
02. „The Feast And The Famine“
03. „Congregation“
04. „What Did I Do?/God As My Witness“
05. „Outside“
06. „In The Clear“
07. „Subterranean“
08. „I Am A River“

Die Acht ist das große Symbol dieser neuen Platte. Das achte Album mit seinen acht Songs (nur acht….) wurde entsprechend in acht Städten (Chicago, Austin, Nashville, Los Angeles, Seattle, New Orleans, Washington D.C. und New York) aufgenommen. Um es noch weiter zu treiben, wird dieser achte Monat des Jahres zum Promo-Höhepunkt für immer neue Teaser. Unter anderem eine kryptische Koordinaten-Schnitzeljagd, die findige Fans zu Punkten führte, an denen sie auf Einzelteile des Albumcovers stießen und der klimatische Höhepunkt bisher: der erste Acht-Sekunden-Sound-Schnipsel. Das kennen wir schon vom Vorgänger „Wasting Light“, dem auch ein Auszug des Openers „Bridge Burning“ („These are my famous last words….“) vorausgeschickt wurde. Wenn er uns diesmal auf dem ultrakurzen Audiofile also ein durch Mark und Bein gehendes „All Rise!“ entgegenbrüllt, meint Grohl das wahrscheinlich wörtlich. Ladies und Gentlemen, erheben Sie sich, die finale Phase der Vorfreude ist offiziell eingeläutet!

Dass diese programmatische 8 um 90 Grad gedreht dann auch noch das Zeichen für unendlich ergibt, passt insofern gut ins Bild, dass Dave Grohl das Werk jetzt schonmal selbst als „epic“ bezeichnet. Kleine Brötchen bäckt er schon lange nicht mehr, stattdessen wird der Mund aus Prinzip ordentlich voll genommen (und er hat einen wirklich großen Mund!). Bisher hat er sich aber noch nie daran verschluckt. Die Promo-Schlacht zu „Wasting Light“ war schon eine krasse Nummer. Das Album, das am Ende kam, wurde dem aber auch absolut gerecht. Eine Spitzen-Scheibe, die auch jetzt noch regelmäßig läuft, und neben meinem All Time Favorite „The Colour And The Shape“ und dem Debütalbum zu meinen Liebsten gehört. Die Masche ist schon irgendwie auch so uncool nicht. Denn wenn einer auf dicke Hose machen darf, dann er. Deswegen hat er sich das Unendlichkeits-Symbol auch schonmal vorsorglich auf den Arm stechen lassen.

Ich freu mich als Die-Hard-Foo Fighters-Fan wirklich sehr und bin erst neulich wieder mit der Live in Wembley DVD sechs Jahre zurück gereist, zu diesem wahnsinnigen Konzert-Spektakel (Gott sei Dank gibt es diese DVD. Live vor Ort stand ich nämlich echt ein bisschen neben mir.). Trotzdem komm ich nicht ganz umhin ein bischen zu grübeln, wie ich diesen ganzen Bohai finde.

Mir scheint, wenn man eine Platte veröffentlichen will, gibts inzwischen nur noch zwei Extreme. A) Der Beyoncé Weg. Die Platte taucht eines Tages ohne Vorankündigung einfach unversehens auf und alle Welt dreht durch. B) Der Foo Fighters-Weg. Die Leute werden schon über ein Jahr vor Erscheinen des neuen Werks dezent angefixt, um dann endlos lange am Info-Tropf zu hängen und bis zum Tag X nach einer Erhöhung von Frequenz und Dosis zu lechzen und wenn der Tag dann da ist, dann dreht auch alle Welt durch.
So oder so, ob durch seine Verweigerung oder perfekte Instrumentalisierung: Marketing is King!

Ich persönlich mag das nicht ultimativ super und auch nicht besonders Rock’n’Roll finden, aber das ist im Grunde egal, weil es heute für die großen Bands gar nicht mehr ohne eine wahre Marketing-Olympiade durch alle Dispziplinen zu gehen scheint. Gewöhnen wir uns also besser mal dran. Wer da am Ende wieviel entscheidet, sei mal dahingestellt. Aber ich gehe schwer davon aus, dass Dave Grohl, inzwischen einer der einflussreichsten Musiker des Planeten schon ein Wörtchen mitzureden hat, wie das neue Werk seiner Band den Anhängern da draußen schmackhaft gemacht werden soll. Er war mit unzähligen Größen im Studio, hat sich Led Zeppelin für die Wembley Shows eingeladen, war Key Note Speaker beim letztjährigen SXSW, Paul McCartney ist sein Buddy und neulich hat er Obama im Weißen Haus besucht. Der hat seine Finger inzwischen überall drin! Und Kleckern liegt irgendwie nicht in seiner Natur. Zu Recht? Naja, schauen wir doch bloß mal, wo diese Band im 20. Jahr ihrer Geschichte steht. Natürlich sind sie musikalisch einfach extrem gut – der unumstrittene Gitarrengott von den Dreien (seit der letzten Platte ist ja auch Ur-Mitglied Pat Smear wieder offiziell an Bord) ist und bleibt Chris Shiflett, das muss hier auch mal gesagt werden! – aber das allein macht noch keinen Weltruhm. Es braucht dazu einen Mastermind und einen Great Entertainer. Beides ist Dave Grohl. Und live macht ihm um seinen Männern so schnell keiner was vor. Im September sind sie u.a. Headliner (eines bis auf Kollege Ryan Adams zugegeben eher bizarren Line-Ups) des Closing Concerts der alljährlichen Invictus Games in London unter der Schirmherrschaft des britischen Thronfolgers höchstselbst sowie seiner Kate und Partylöwe Harry. Hopefully, the Queen will be amused!

Promo-Wahnsinn hin oder her – ehrlicherweise setzt bei mir ohnehin der gesunde Menschenverstand aus, wenn es um diese Kombo geht, also sei’s drum. Dave, tob dich aus! Am Ende wirst du’s eh wieder allen zeigen. Dass die Foo Fighters als eine der wichtigsten und erfolgreichsten Rock-Bands in die Musikgeschichte eingehen werden, dürfte inzwischen klar sein. Bleibt abzuwarten, welche Rolle „Sonic Highways“ auf diesem Weg spielen wird. Im Herbst werden wir der Antwort ein Stückchen näher sein.

 

Foto: PR