Joe Ginsberg – Bass-Spieler, Musik-Enthusiast, netter Kerl. Dass er sich aber nicht nur als Hintergrundmusiker in Bands gut macht, bewies er kürzlich auf seiner ersten Deutschland-Tour. Für uns spielt er einen auf und beantwortet brav all unsere Fragen.

Den meisten dürfte der Kalifornier als Mitglied Camaraderie und musikalischer Leiter der Revival Tour von Chuck Ragan bekannt sein sein. Diesen Sommer war Joe Ginsberg solo auf Tour. Uns stand er vor seinem Auftritt im Münchner Backtstage brav Rede und Antwort, jetzt schätzen wir ihn noch mehr. Ein feiner Mensch! Hier unser Q&A aus dem Grünen.

ginsberg

Du warst in deinem Leben ganz schön viel auf Tour. Bist du denn diesmal überhaupt aufgeregt, bei deiner ersten Solo-Tour durch Deutschland?
Oh ja. Ich freue mich mächtig! Bisher habe ich eine Handvoll Solo-Shows gespielt, aber nie meine eigene Tour oder als Headliner. Ich spiele auf dieser Tour auch noch sieben oder acht Garten-Konzerte: Da baten wir die Menschen auf Facebook, uns ihren Garten für ein Konzert vorzuschlagen. Sieben oder acht gewannen und jetzt spielen wir dort. Heute nachmittag war die erste dieser Garten-Shows und es war ganz großartig: Die Menschen waren nett, brachten Picknick und Bier – toll! Das machte sehr viel Spaß!

Klingt gut! wie sieht es aus mit einer Platte nach deiner EP „You Are Guarded By The Daylight, We Are Losing in the Nighttime“?
Ich habe immer noch kein komplettes Album veröffentlicht, bisher 21012 und 2013 zwei EPs auf Vinyl. Für diese Tour kompilierte ich nun aus diesen beiden EPs eine CD und nahm noch zwei Songs extra dazu auf, als ich im Frühjahr mit Chuck Ragan hier auf Tour war. Ich habe also eine 10-Track-CD mit auf Tour.

Du hast Jazzmusik an der University of Southern California studiert, hast in der Rock-Pop-Band Single File gespielt und schließlich mit deiner Combo Baywood die Folk-Richtung eingeschlagen. Das sind drei recht unterschiedliche Gattungen. Welche davon ist dir am liebsten?
Hm, das wechselt immer und immerzu. Generell ist es so, dass ich von ganz schön viel Musik beeinflusst werde. Im Moment würde ich wohl antworten, dass mein Hauptfokus auf Folk liegt. Aber Pop-Musik lag und liegt mir schon immer am Herzen – viele Folksongs sind aber auch Popsongs. Simon und Garfunkel sind für mich zum Beispiel eine Pop- Band oder eben eine Folk-Band, die Pop-Songs schreibt. Das ist mir der liebste Folk: mit ein bisschen Pop-Musik drin. Das höre, schreibe und spiele ich am liebsten. Aber eigentlich macht viel Verschiedenes am meisten Spaß: Die Musik von Baywood ist anders als die, die ich mit Audra Mae mache und die ist wiederum anders als die, die ich mit Chuck Ragans Band spiele. Sie sind zwar alle ähnlich, aber nie komplett gleich. Und Jazz? Ja, Jazz ist für mich die Basis für alles.

Hörst du denn noch viel Jazz?
Ja. Ich möchte gern anfangen mir alte Jazz-Alben auf Vinyl zu kaufen, aber das ist ganz schön teuer.

Du spielst ja schon in mindestens drei Bands. Woher kam plötzlich dein Solo-Gedanke? Wolltest du das schon immer oder hat sich das im Laufe der Zeit entwickelt?
Ich plante nie eine Solo-Karriere. Ich wollte ja nicht einmal selber singen. Gesang war nichts, was mir so zuflog wie Saiteninstrumente zu spielen. Die haben einfach von Anfang für mich an Sinn gemacht. Ich dachte nie, dass ich jemals in meinem Leben singen würde. Ich fing dann aber an, mit verschiedenen Leuten an Folk-Songs zu werkeln und plötzlich schrieb ich auch ganz viele Texte. Manche Lyrics waren dann zu persönlich um sie andere Leute singen zu lassen. Also komponierte ich ein paar komplette Songs allein und zum Spaß. Das war dann aber irgendwie eine Erlösung für mich. Die Solo-Karriere war also ingsesamt  nicht der Plan, sondern ein Prozess, der mir viel Spaß macht.

Viele kennen dich als Musical Director der Revival Tour. Wie muss man sich die Arbeit hierbei vorstellen? Was schätzt du am meisten an dieser Aufgabe?
Die Revival Tour ist auf kreativer und musikalischer Ebene eine der lohnendsten Aufgaben, die ich je hatte. Es macht so viel Spaß! Viele Dinge machen hier Spaß: Mit den wunderbaren Künstlern, die ich lange oder kurze Zeit schätze, gemeinsam zu spielen. Jeden Tag und innerhalb kürzester Zeit neue Songs zu lernen und all das so zu arrangieren, dass es funktioniert. Denn eine drei Stunden lange Show [der Revival Tour] fordert ihrem Publikum schon auch einiges ab. Die zielführende Frage ist also: Wie machen wir die Show interessant und unterhaltsam? Wie können die Zuschauer so viel von der Show wie wir selbst mitnehmen? Und wie vermeiden wir Langeweile? Für uns ist jedes Mal  eine Riesengaudi und ich glaube, das merkt man und deswegen funktioniert die Show so gut. Ich liebe das.

Du spielst einen Haufen Instrumente: Kontrabass, Bass, Gitarre, Banjo, Mandoline, Keyboards und Percussion. Es gibt also irgendwie kein tragendes Bandinstrument, das du nicht spielen kannst. Stimmt das wirklich?
Naja, ich spiele auch noch Trompete! Ich würde nicht behaupten, dass ich an einem dieser Instrumente herausragend bin. Bass und Gitarre waren immer die wichtigsten für mich. Ich habe Bass studiert und ich spielte immer schon Gitarre. Mandoline, Banjo und Ukelele sind ja alle irgendwie ähnlich, auf denen kann ich prima Folk-Songs spielen. Jedesmal wenn ich ein neues Instrument finde, ist das dann automatisch auch eine Inspirationsquelle für mich.

Wieviele Instrumente besitzt du denn dann komplett?
Ach du meine Güte… Ich schätze, ich habe etwa 20 in meinem Haus und dann noch weitere irgendwo eingelagert oder in Studios bei Freunden.

Hast du ein Lieblingsinstrument?
Puh, ich habe drei… nein, ich habe eine Menge Lieblingsinstrumente. Ich habe einen Kontrabass, den ich mit 18 Jahren bekam und den ich bei allen Plattenaufnahmen gespielt habe. Den nehme ich nie mit auf Tour, weil er mir zu wertvoll ist. Ich mag aber auch meine Taylor-Akustik-Gitarre sehr gern und diese alte Gitarre mit Nylon-Saiten, die mein Vater in Mexiko kaufte und mir vererbte. Jedes Instrument hat auch sein eigenes Lied in sich.

Auf Facebook sagst du von dir, dass du eine „unhealthy obesession with exercise“ hast“. Erklär uns das mal!
Ungesund ist das alles nur, weil ich mich alle zwei Wochen geradzu dazu zwingen muss, einen Tag mit Sport auszusetzen. Mit Sport bekomme ich meinen Kopf frei, das ist Zeit für mich. Ich gehe fast jeden Tag joggen oder ins Fitnessstudio. Ich trinke und esse gern, da ist Sport das gute Konterprogramm. Auf Tour jogge ich jeden Tag.

Du magst Tom Petty ziemlich gern. Dein liebster Song?
Das ist aber schwierig. Es war immer „Into the Great White Open“ und vermutlich ist es das immer noch, aber ich mag so viele gern. Okay, lassen wir es dabei: „Into the Great White Open“ ist mein Lieblingssong von Tom Petty.

Wer Joe Ginsberg nicht live gesehen hat, sollte dringend Augen und Ohren offenhalten. Der ist einer von den Guten! Wir freuen uns auf seinen nächsten Besuch – solo, mit Band, mit Chuck Ragan, mit der Revival Tour oder sonst einer wilden Musiker-Combo, die er bis dahin aufgestellt hat!

Hier die Audiofile aus dem Grünen:

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Foto: themusicminutes