Musikalisches Genie, Songwriter Ikone, Lieder-Maschine und Katzenfreund. Ryan Adams hat sein 14tes Studioalbum veröffentlicht. Die nie versiegende Kreativquelle ging schon durch harte Zeiten und zechte sich mit seiner Band Whiskeytown programmatisch durch den Jahrtausendwechsel bevor er auf Solopfaden weitertobte. Erst kurz vorm vierzigsten Geburtstag und im Hafen der Ehe angekommen, findet er musikalisch halbwegs zur Ruhe und liefert mit seinem selbstbetitelten Neuling das wahrscheinlich beste Solo-Album seit seinem Debüt „Heartbreaker“ ab.
Warnhinweis: Herrn Adams und mich verbindet eine ganz besondere Liebe (also eher einseitig), deswegen möchte ich mich bereits vorab für 
hemmungslose Schwärmerei und eine gewisse Nerdigkeit entschuldigen.

Ryan_Adams_01Wann hat das alles angefangen? Vor knapp 12 Jahren im November 2002 war Ryan Adams im Zirkus Krone zu Gast. Wenn ich mich richtig erinnere, hatten wir echt Glück, ist er doch kurz vorher oder nachher bei einer Show von der Bühne gefallen und es mussten ein paar Termine umdisponiert werden (Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein. Die 2004er Europatour musste nach einem Bühnenunfall unter Whiskey-Einfluss und einem folglich gebrochenen Handgelenk gänzlich ausfallen). Ich hatte mich mit der Zeit vertan, setzte mich als eine der letzten und fragte meine Begleiter nach einem Blick auf die Bühne, wer denn der Vogel sei und wann dieser Ryan Adams kommt. Die Antwort war, das wäre bereits Ryan Adams. Ich hab mich kurz ein bisschen geschämt und mir vorgenommen dem Konzert extra aufmerksam zu folgen. War gar nicht nötig. Nach 2-3 Songs war’s passiert. Du meine Güte.

Wenn ich zurück denke, gehören die paar wenigen Ryan Adams Shows, die ich bisher sehen konnte (er wirft jetzt nicht grade mit Shows um sich, schon gar nicht in Europa, und in Deutschland erst recht nicht), zu den besten auf denen ich bisher war. Er ist einer von denen, die live sogar noch besser sind als auf Platte. Den Anfang machte das Gastspiel im Zirkus, es folgte ein denkwürdiges Konzert mit den Cardinals in der Tonhalle Jahre später und gipfelte in der überragenden Show im La Cigale in Paris 2012. Ryan Adams solo, wie er über zwei Stunden ein Best Of Set runterreißt, dabei zwischen unzähligen Instrumenten wechselt und nebenbei kuriose Katzengeschichten zum Besten gibt. Das Publikum fläzt dabei ungläubig-ehrfürchtig in den schweren roten Samtsesseln dieses kleinen, alten Theaters. Der güldene Stuck glitzert, das Kronenburg schmeckt aus dem Labberplastikbecher besser denn je und vorne links quietscht mit regelmäßiger Erbarmungslosigkeit die Tür zum Klo. Wenn ich unter Androhung von Schmerzen aus den unzähligen Shows, auf denen ich war, die beste wählen müsste (ein höchst realistisches Szenario…), dann wäre es diese.

Wenn ich dazu gezwungen wäre mich für einen Künstler zu entscheiden, den ich ab jetzt ausschließlich hören dürfte, wäre es wohl auch Ryan Adams. Nicht nur weil mich seine Stimme einfach fertig macht und er bei mir regelmäßig Knöpfe drückt, die nur ganz wenige andere Künstler kennen (Hallo, John K. Samson!), sondern auch weil er einer der vielseitigsten, kreativsten und produktivsten Künstler unserer Zeit ist. Und der beste Songwriter seiner Generation.

Whiskeytown, die Solo-Anfänge und Sideprojekt-Ausflüge

Sein Gesamtwerk ist inzwischen so umfangreich und springt zwischen so vielen Stilen hin und her, dass man schonmal den Überblick verlieren kann.
Den Anfang machte er mit seiner Band Whiskeytown. Ewige Dankbarkeit gilt Guido von den Donots für die Empfehlung! Der 20jährige Adams formiert eine Country-Band, die von Album zu Album mal weniger, mal mehr Alternative ist. Er verstärkt sich unter anderem mit Caitlyn Cary an der Geige und Zweitstimme. Ein Dreamteam, das auch nach dem Ende von Whiskeytown wiederbelebt wird.
Die Band bringt es auf vier Alben, plus ein unveröffentlichtes. Darunter die Country-Perle „Strangers Almanac“ (1997), ihr erfolgreichstes, und „Pneumonia“ (2001), ihr letztes, und für mich das Hit-Album. Mit seinem Opener „The Ballad Of  Carol Lynn“, dem unverwüstlichen „Jacksonville Skyline“, den wunderbaren „Reasons To Lie“ und „Don’t Be Sad“ oder dem Beatles-Einschlag von „Mirror, Mirror“. Dieses Album kann man nicht tothören.

Sein Solo-Debüt kommt 2000 und heißt „Heartbreaker“. Nicht weniger tut dieses Album. „Gib Ryan Adams 5 Minuten und eine Gitarre und er findet einen Weg dir das Herz zu brechen“, schrieb ein US-Journalist kürzlich. „Immer und immer wieder“, möchte ich hinzufügen. Ich liebe dieses Album, wahrscheinlich mehr als alle anderen von ihm, aber manchmal überleg ich es mir zweimal. Diese Platte ist ganz schön mächtig. Nicht nur in eher unstabilen Zeiten gehen hierzu kommandomäßig die Schleusen auf. Bei „My Winding Wheel“ und „Come Pick Me Up“ bekomme ich allein vom Tippen der Songtitel Gänsehaut und „My Sweet Carolina“ mit Emmylou Harris reißt mir jedesmal das Herz raus. Das kann ich nicht in der Öffentlichkeit hören.

Erholung kommt mit dem Nachfolger „Gold“ (2001). Klingt optimistischer, hat mehr Tempo. Auch das kann er. Die Platte ist auch kommerziell recht erfolgreich und fährt dazu mehrere Grammy-Nominierungen ein. Skandalöserweise hat er bis heute keinen auf dem Kamin stehen. Der nächste Wurf ist schon ein Jahr später „Demolition“ (2002). Dieses dritte Album bündelt Songs von drei unveröffentlichten Adams-Alben („Suicide Handbook“, „The Pinkheart Sessions“ und „48 Hours“).
Wo wir schon beim Thema wären. Nicht dass 14 Alben in 13 Jahren nicht genug wären, darüber hinaus produziert die Song-Maschine non-stop weiteres Material und hortet fertige Alben. Hin und wieder finden die viel später – ganz oder in Teilen – doch noch ihren Weg an die Öffentlichkeit oder der ausgefuchste Fan kann sie als Bootleg ausgraben. In dieses sagenumwobene Universum aus Unveröffentlichtem kann man gut und gerne ein paar Tage abtauchen. Gerade hat er wieder eine Welle gestartet und jubelt gefühlt wöchentlich ein neues/ verschollenes Werk unters Volk. Wobei angesichts der strengen Limitierung dieser Pressungen eher nicht von Jubeln die Rede sein kann. Der ein oder andere Anhänger wird da schon mal grantig, wenn er 5 Minuten nach dem Facebook-Post den Shop checkt und nur noch das fiese „Sold Out“-Bapperl zu sehen bekommt. Dieser Tage heißt es also gewissenhaft alle Kanäle im Auge behalten, um wenigstens das ein oder andere Kleinod zu ergattern. Ich verarbeite immer noch, dass das 15 LP Vinyl-Set „Live After Deaf“ (Komplettaufnahmen der „Ashes & Fire“ Tour) nicht den Weg in meinen Besitz gefunden hat. Bei einem Ausverkauf innerhalb von 8 Minuten und Ebay Preisen jenseits der 1.000-Dollar-Marke muss man auch mal realistisch bleiben. Die aktuellen Errungenschaften trösten aber ein wenig darüber hinweg. Grade haut er uns eine 7″ Reihe – losgelöst vom neuen Album – um die Ohren. Da ist dann auch mal eine 10 Song Hardcore 7″ namens „1984“ dabei. Er pflügt also auch weiterhin hemmungslos durch die Genres. Wie schon 2010, als er mit „Orion“ eine Sci-Fi Metal Platte fabriziert hat oder sein Side-Projekt „The Shit“, das uns 2007 mit „Hits The Fan“ ein völlig kurioses Krach-Album beschert hat. Auf Kassette. Sein Dank im Inlay gilt „mushrooms and cats“. So hört sich das Ganze auch an. Zu Songtiteln wie „Drunk Santa“, „Internet Is A Robot“ oder „Punk As Fuck“ muss auch nicht mehr gesagt werden. Und erst letztes Jahr hat er unter dem Namen „Pornography“ als 3-Mann-Punk-Rock-Kombo (ok, 2 Mann, 1 Frau) das Werk „7 Minutes In Heaven“ auf seinem Label veröffentlicht.

Ich hab ehrlicherweise den Überblick über seine Side-Projekte und Decknamen verloren. Neben The Shit treibt er wohl noch als DJ Reggie, WereWolph oder Sad Dracula sein Unwesen. Aber ich schweife ab….

Die Cardinals Phase

Nach „Demolition“ bringt er 2003 mit „Rock N Roll“ und „Love Is Hell Vol. 1 + 2“ noch zwei Soloalben raus. Bei ersterem gibt’s schwerpunktmäßig Adams im Rolling Stones-Modus. Erstmal ungewohnt. Heavy Rotation-Kandidaten sind aber auch diesmal dabei. „This Is It“, „1974“ oder „So Alive“ zum Beispiel. Das Titelstück ist ironischerweise eine reduzierte Ballade. Zweiteres beheimatet mit Oasis‘ „Wonderwall“ den ewigen Anführer der Cover-Best-Of-Liste und ist im Ganzen ein Album, bzw. zwei, die man problemlos von vorne bis hinten durchhören kann.
Ab 2005 wird dann erstmal zweigleisig gefahren. In dem Jahr erscheinen sowohl sein Solowerk „29“, als auch das Doppelalbum „Cold Roses“ mit den Cardinals, sowie dessen direkter Nachfolger „Jacksonville City Nights“. Fanden nicht alle so cool, seine neue Phase. Ich find „How Do You Keep Love Alive“ und „Let It Ride“ vom Erstling gehen immer noch ziemlich gut, genauso wie „Silver Bullets“ oder „Dear John“, ein Duett mit Norah Jones, von Nummer Zwei. Ist halt jetzt wieder alles viel mehr Country. Und manchmal, ich geb’s zu, ist der Pedal-Steel-Guitar-Overkill nah.

Wild zwischen den Styles gehüpft wird dann auf „Easy Tiger“ (2007). „Tears Of Gold“ ist mir immer noch zu Hardcore aber „Everybody Knows“, oder das freakige Gitarrensolo in „Halloween Head“, immer her damit! Der Genre-Mix geht weiter auf „Cardinology“. „Magick“ fällt etwas aus der Reihe und hätte auch auf die „Rock n Roll“ gepasst, Songs wie „Go Easy“ oder „Fix It“ schlagen dafür gut die Brücke zwischen Country-Hardlinertum und gemäßigtem Alternative-Rock. Tendenziell ist hier aber gemächliches Tempo angesagt. Mit „Cardinology III + IV“ (2010) geht die Cardinals-Phase dann vergleichsweise rockig zu Ende. Das wars. Bisher keine Reaktivierung der Formation und auch keine in Sicht. Ich schätze mal Mr. Adams wird auch so nicht langweilig.

Von „Ashes & Fire“ zu „Ryan Adams“

Ryan_Adams_Album_CoverMit „Ashes & Fire“, wieder einem Solo-Album, ist der Vorgänger zum aktuellen Album nun drei Jahre alt. Eine leise Platte, unaufgeregt. Adams war damals relativ frisch mit Sängerin und Schauspielerin Mandy Moore verheiratet, seine wilden Zeiten mit Alkohol- und Drogenexzessen hatte er hinter sich gelassen. Vielleicht ein bisschen die „Honeymoon-Platte“. Ein schönes Stück Songwriting, klingt alles recht intim.

Man war durchaus gespannt, was der Neuling bringen würde. Zurück zum wilden Stilmix oder doch ein gemäßigtes, leises Stück Songwriter-Gold? Heute ist Ryan Adams fünf Jahre verheiratet und steht kurz vor seinem vierzigsten Geburtstag. 14 Alben hat es gedauert bis endlich eines seinen eigenen Namen trägt. Das ist ja immer eine Ansage, zumindest wird es von der Öffentlichkeit so verstanden. Dem NME verriet Adams, dass er eigentlich schon eine andere Platte fertig gehabt hätte. Die Platte inklusive der gut 100.000 Dollar Produktionskosten hat er dann in die Tonne gehauen. Es hat einfach nicht gepasst, wäre halt „slow adult shit“ gewesen. Klingt nach einer logischen Anknüpfung an den Vorgänger. Warum er das nicht wollte? Muss man ihn bei Gelegenheit mal fragen. So oder so, er hat sich für etwas ganz anderes entschieden und ich beschwere mich nicht (Die Chancen stehen ja nicht schlecht, dass diese weitere verworfene Platte irgendwann auch wieder ausgegraben wird).

Dem Namen zum Trotz ist „Ryan Adams“ eine Band-Platte. Unterstützt wird der Meister, der für alle Gitarren und den Gesang verantwortlich ist, von Jeremy Stacey (Drums), Benmont Tench, seit ’76 Mitglied bei Tom Pettys Heartbreakers (Organ and Piano weirdness), Tal Wilkenfeld (Bass), Marshall Vore (Drums, percussion) und Co-Produzent Mike Viola (All sorts of stuff). Bei einzelnen Songs holt er sich dann noch Teilzeit-Pirat und Vollblut-Musiker Johnny Depp und die nicht nur bezaubernde sondern gesanglich auch durchaus begabte Gattin Mandy Moore in sein Pax-Am Studio in Hollywood.
Den Opener „Gimme Something Good“ hat er ja schon vor Monaten vorausgeschickt, und was soll ich sagen? Dieses Lied hat alles. Das Gitarrenriff fräst sich beim ersten Mal Hören ins Hirn und geht nie wieder, Benmonts Orgel-Passagen geben den Tom Petty-Anstrich und der Text die Marschrichtung fürs Album vor: all my life been shaken / wanting something / holding everything I had like it was broken / gimme something good. Mannomann, was musste ich schon alles mitmachen, Trendwende, wo bist du?

Neben diesem Hit, den man sich auch gut im Stadion vorstellen und den ich einfach nicht oft genug hören kann, hat dieses Album aber auch ganz reduzierte Stücke. Da ist er wieder, der Ryan, fast allein mit seiner Gitarre und mit glasklarer Stimme haut er seine ebenso klaren, geschliffenen Texte raus. Da ist kein Wort zuviel, da werden nicht unnötig Metaphern geschrubbt. Er sagt es, wie es ist, und das ist gut so. Die erste Hälfte mit dem starken Opener, gefolgt vom leicht fragilen, aber eingängigen, „Kim“ strotzt nur so vor guten Hooklines. Bei „Trouble“ lässt sich der Einfluss von Tom Petty und Bruce Springsteen beim besten Willen nicht mehr leugnen und das wie eine langsame Version von Blurs „Coffee & TV“ startende „Am I Safe“ lässt an die guten alten Whiskeytown-Zeiten mit Caitlin Cary denken. „My Wrecking Ball“, das es auch schon seit einigen Wochen gibt, ist dann wieder der alte Solo Ryan Adams in Reinstform. Seit die Scheibe hier rauf und runter läuft, frag ich mich, woran mich „Stay With Me“ erinnert. Ich komm nicht drauf! Aber es ist ein weiterer Ohrwurm. Genauso wie „Feels Like Fire“: Da kommt der neuere Boss durch, während man bei „I Just Might“ an Springsteen zu „Nebraska“- Zeiten denken muss.
Mit Zeilen wie There’s a year and a day for every line / on my face / like a map of my sins / and all the trouble I’m in. („Trouble“) oder The lens is broke / there ain’t no one inside / staring through the screen / looking back at my fucking life. („Feels Like Fire“) schaut er zurück, beschwört nochmal ein bisschen die bösen alten Geister seiner Vergangenheit, wirft aber auch schon vorsichtige Blicke nach vorne („Gimme Something Good“, „Am I Safe“). Die Melodien zeigen schon deutlich bergauf, die Texte zieren sich noch ein bisschen.
Es ist ein wirklich gutes Album. Es hat berührende kleine Schmuckstücke, die mit jedem Mal Hören wachsen und dankbare Feel-Good-Nummern, die es einem einfacher machen, beim ersten Durchlauf zünden und man irgendwann auf halbem Weg merkt, dass der Fuß schon wippt oder der Kopf dezent mitnickt.

Nach dem ersten und zweiten Mal hören, hab ich mich kurz gefragt, ob ich enttäuscht bin, dass es jetzt doch nicht der „slow adult shit“ geworden ist, zu dem ich mich mit Regler auf zu weit rechts und schwerem Rotwein im Glas in alter „Heartbreaker“-Manier gepflegt selbst therapieren kann. Nein, mir kommt dieses Stück 80ies/90ies Rock-Reminiszenz in seiner ganz eigenen Handschrift grad recht. Genau die richtige Dosis Schwermut und Leichtigkeit, leiser Momente und catchy Refrains. Das Duo „Heartbreaker“ und „Ryan Adams“ wird für mich das ultimative Aronal & Elmex des Plattenregals. Die eine, wenn die Sonne scheint, die andere wenn’s dunkel aussieht. Danke dafür!

Der Unverwüstliche

Man mag ihn oder man mag ihn nicht, vielleicht liebt man ihn sogar oder kann absolut nichts mit ihm anfangen. Das hat für mich nichts mit verstehen oder nicht verstehen zu tun. Musikgeschmack ist immer subjektiv. Wenn mich aber etwas nervt, dann ist es, ihm andauernd vorzuwerfen, er würde einfach zu viele Alben produzieren, zu wenig nach Qualität filtern und sich so stetig den einen großen Wurf, das lang ersehnte Meisterwerk verbauen. Für mich ist sein Meisterwerk nicht eine einzelne Platte, sondern sein bisheriges Schaffen als Ganzes. Warum muss es denn immer diese eine Platte für die Ewigkeit sein? Klar, ist bequemer und kompakter, aber vielleicht auch nicht ganz so ergiebig. Für mich ist Ryan Adams ein absolutes Phänomen. Dieser Mann ist unverwüstlich. Er hat Talent für drei, macht damit was er will, geht unterwegs fast im Drogen- und Alkoholsumpf unter, fällt von Bühnen, riskiert mehrmals seine Karriere, das Wunderkind kriegt den Stempel Enfant Terrible aufgedrückt und wird von Kritikern regelmäßig mit Wonne kaputt geschrieben (Seine Alben enttäuschen quasi immer erstmal bevor sie Jahre später doch zu Glanzstücken werden). Dazu kämpft er mit einer Erkrankung des Innenohrs, Morbus Menière, die unvorhersehbare Attacken von Drehschwindel, einseitigem Hörverlust und Tinnitus verursacht. Nicht die besten Voraussetzungen für einen Musiker. Und doch kommt er immer wieder zurück mit einem neuen Päckchen glorreicher Musik im Schlepptau. Wieviele Künstler seiner Generation gibt es, die mit dieser Schlagzahl diese Qualität bringen und sich dabei nicht immer wiederholen und nur auf Altbewährtes verlassen? Ja, überlegen wir mal….

Bis uns jemand einfällt, können wir ja Ryan Adams Platten hören. Alle, die sich bei den alten Herren von Bruce Springsteen über Bob Dylan bis Tom Petty gut aufgehoben fühlen, oder auch Neuzugängen, wie den fantastischen The War On Drugs nicht abgeneigt sind, werden ihn schätzen. Also, sucht euch ein Album aus und legt los! Es gibt genug Material für mindestens zwei Wochen einsame Insel.

 

„Ryan Adams“ von Ryan Adams erscheint am 05.09.2014 bei Sony Music/ Columbia

 

Fotos: PR