Drei Gigs in drei Tagen, einmal quer durch Deutschland – von Curry- bis Weißwurst. Nachdem Me, Valentin & You  bereits in der Haldern Pop Bar und in Berlin gespielt hatten, stattete die Schweizer Band zum Abschluss ihrer Mini-Tour am 11. Oktober München einen Besuch ab. Mit einer intimen Show und ihren mal zerbrechlich-zarten, mal wuchtigen Indie-Rock-Songs begeisterten Me, Valentin & You  das Publikum im Milla.

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James Blake, Pixies, aber auch Radiohead und, ähm, Limp Bizkit – die Dame und die Herren von Me Valentin & You mussten sich schon ziemlich viele Vergleiche anhören. Von dem brachialen Sound von Fred Durst und seinen Mannen ist die Schweizer Band, deren Mitglieder aus Bern, Biel und Chur stammen, allerdings weit entfernt. Da muss jemand zu tief ins Glas geschaut haben, als er aus den meist filigranen, berührenden Songs von Me, Valentin & You Ansätze von Nu Metal herausgehört hat. Klar, zwischendurch schrammeln die vier Musiker in bester Grunge-Manier drauf los, aber die intimen, ruhigen Momente dominieren.

Ihre zerbrechlichen, melancholischen Indie-Pop-Songs unterlegen Valentin Kugler (Vocals/Gitarre), Raphael Nussbaum (Gitarre), Martina Berther (Bass) und Hannes Prisi (Drums) mal mit zurückhaltenden Elektro-Spielereien, mal mit wuchtigen Gitarrenwänden. In einem Interview sagte Frontmann und Sänger Valentin Kugler, er würde gerne mal auf Island spielen, inmitten einer grünen Landschaft, umgeben von Pferden. Und tatsächlich kann man sich Me, Valentin & You mit ihren abwechslungsreichen Sound-Collagen bestens in der atemberaubenden, ungestümen isländischen Natur vorstellen.

Aber zurück nach Bayern. Die Münchner Zuschauer im für eine noch relativ unbekannte Schweizer Band okay gefüllten Milla zeigt sich überraschend offen. Zwischen Band und Publikum hat es gefunkt. (Die Nachfrage nach signierten CDs am Merch-Stand nach dem Konzert ist groß). Bei dem über einstündigen Set präsentieren Me, Valentin & You die Songs ihres Debütalbums „If“. Live gewinnen die Stücke, die auf dem Album teilweise zu ausproduziert daher kommen, an Intensität. Berührende Balladen wie „All Of You“ wechseln sich mit massiven, krachenden Gitarrenbrettern wie „My Mind“ ab. Aber stets ist es ein warmer Sound, getragen von Valentins gefühlvoller Stimme.

Ein Vergleich muss erlaubt sein: Immer wieder sehe ich The xx vor mir, insbesondere bei der Single-Auskopplung „Heading Home„. Zerbrechliche Melodien, zurückhaltende Electronica, zarter dreistimmiger Gesang, wobei die eindringliche Stimme von Sänger Valentin Kugler heraussticht. Spielt man ein bisschen „The Voice“ und schließt die Augen, sieht man einen gestandenen Kerl im Wollpulli vor sich, vielleicht aus Edinburgh, vielleicht aus Reykjavik. Ausgestattet mit einer kräftigen, gefühlvollen, fast souligen Röhre – ich würde sofort auf den Buzzer hämmern.

Dem Sänger ist es wichtig, die Band als Einheit zu sehen. Basis-Demokratie und so. Deshalb auch der Bandname: Aus dem ursprünglichen Valentin & Band wurde Me, Valentin & You. Darin finden sich alle vier Musiker wieder. Dieses Wir-Gefühl macht sich auf der Bühne bemerkbar. Obwohl Valentin Kugler mit seinem roten Bart und der markanten Brille deutlich im Mittelpunkt steht, ist das Quartett ein eingespieltes Team. Drums und Bass liefern ein solides Fundament für die breiten Gitarrenwände.

Dabei macht die Band erst seit zwei Jahren zusammen Musik. Den Frontmann gabelten die anderen Musiker quasi von der Straße auf. Valentin Kugler trat in verschiedenen Schweizer Städten als Straßenmusiker auf. Nach ersten Jam-Sessions war schnell klar, dass man künftig gemeinsame Wege gehen würde. Bereits ein Jahr später traten Me, Valentin & You beim „Gurtenfestval“ in Bern auf – damals noch ohne Veröffentlichung. Im Bern entstand schließlich zusammen mit Produzent Dave Muther das Erstlingswerk, das Me, Valentin & You u.a. über eine Crowdfunding-Aktion finanzierten. Wer die Band unterstützte, konnte je nach Höhe des Beitrags an einem Band-internen Ping-Pong-Turnier teilnehmen, einen Horrorfilm-Abend im Bandraum verbringen oder Bass- oder Gesangsunterricht bei einem der Band-Mitglieder nehmen. So kamen über 10.000 Schweizer Franken zusammen. Der Aufwand hat sich gelohnt.

Jetzt geht es für die Band erst einmal zurück in die Schweiz, wo weitere Live-Auftritte anstehen. Auch Ideen für neue Songs gibt es bereits. Außerdem ist eine Split-Single mit der britischen Indie-Rockband Breton geplant. Beide Bands nehmen jeweils einen Titel der anderen auf. Damit rückt der Traum von Island vielleicht ein kleines bisschen näher.

Übrigens: Während „If“ in der Schweiz bereits seit Frühjahr erhältlich ist, ist das Debütalbum von Me, Valentin & You gerade in Deutschland erschienen und kann z.B. hier heruntergeladen werden.

Foto: PR