Wahrscheinlich ist Weezer mit „Everything Will Be Alright In the End“ das Überraschungsalbum dieses Jahres gelungen. Es kommt eigentlich ein Jahr zu früh, ist nicht gelb, und obwohl es kein unifarbenes Cover hat ist es, nun ja, richtig gut! Was ist da los? 

Weezer 2014 - CMS Source„Everything will be okay in the end. If it’s not okay, it’s not the end.“ Ob Oscar Wilde mit seinen Worten Pate für den Albumtitel gestanden hat, weiß man nicht. Aber was wir hier hören, beschert auf jeden Fall großes Vergnügen und zumindest für die gut 40 Minuten Spieldauer ist alles mehr als in Ordnung. So fluffig klangen Weezer lange nicht mehr. Ja, die Texte sind manchmal schon sehr cheesy, aber soundmäßig macht das hier richtig Spaß. Es wird hemmungslos auf der (eigenen) Retrowelle gesurft, Oldschool College Rock meets Power-Pop mit fetten Riffs und diversen Queen-mäßigen Gitarrensoli, dazu ein Haufen starke Melodien und Killer-Refrains. Sehr solides Ohrwurmmaterial. Direkt Song 2 macht auch schon die Marschrichtung klar. „Back To The Shack“ ist die Ode an die Anfänge. Rein in die Proberaum/Live-Klapperbutze, die gute Fender mit dem Blitz-Gurt umgeschnallt, Attacke! „Take me back, back to the shack / Back to the strat with the lightning strap / Kick in the door, more hardcore /Rockin out like it’s ’94“.

1994 war das Jahr des Blauen Albums. Boom, der Weezer-Urknall. Eine damals wie heute grandiose und prägende Scheibe. „Undone – The Sweater Song“, „Buddy Holly“, „Surf Wax America“, „My Name Is Jonas“, „Say It Ain’t So“, und erst „Noone Else“, eigentlich braucht man hier nicht anzufangen Titel aufzuzählen, hier gab’s nur Hits. Und die gehen heute immer noch gut. Danach kamen im 7-Jahresrhytmus die einfarbigen Nachfolger. 2001 Grün. „Island in the Sun“ war Weezers „Feel Good Hit Of The Summer“. (Das „Original“ gabs ein Jahr zuvor von den Queens Of The Stone Age) und das zugehörige Tierbabyvideo hat sicher nicht nur Mädchenherzen erweicht. Dazu gabs das wummernde „Hash Pipe“, „Don’t Let Go“ und die If-you’re-happy-and-you-know-it-clap-your-hands-Nummer „Photograph“. 2008 war dann Rot dran. An die kann ich mich nur schemenhaft erinnern. Auf dem Cover Rivers Cuomo mit Schnauzer und Cowboyhut, das hat wohl die Songs im Gedächtnis überschattet.

WZR_EWBAITE_COVER_61142015 ist also eigentlich das Jahr von Gelb. Aber während alle auf die Vollendung des Farbquartetts nächstes Jahr warten, erwischen sie uns kalt mit einem mehrfarbigen Vorboten.
Diese „mehrfarbigen“ Alben bieten immer etwas Anlass zur Sorge. Bis auf das verschroben-geniale Pinkerton, das erste dieser Gattung und direkter Nachfolger des Debuts, das viele für ihr bestes Album halten. Aber z.B. „Make Believe“ (2005)? Schwierig. Bei „Beverly Hills“ schüttelts mich immer noch ein bisschen und auch der Rest war eher nix. Und das Beste an „Hurley“ (2010) war auch eindeutig das Cover.

Das aktuelle Album durchbricht also irgendwie den Fluch und wartet neben der starken ersten Single „Back To The Shack“ mit viel Hitpotential und Arbeit für den Repeattastenfinger auf. Fünf Sekunden vom Opener und schon ist klar, dass man diese Band wirklich vermisst hat. „Ain’t Got Nobody“ packt Depri-Lyrics in feinste „Ich will JETZT auf ein Konzert“-Weezer-Ware, fröhliche Klatschsequenz und abschließender Düpdüpdüdüpdüp-Singsang inklusive.
„Eulogy For A Rockband“ erinnert im Refrain zwar einen Tick an ein entschleunigtes Mr. Brightside, aber das passt schon (auch wenn die Killers inzwischen den Verstand verloren haben) und gegen Ende will man die Lautstärke unbedingt nochmal 10 Punkte höher drehen, „Da Vinci“ macht mit einem weiteren guten Refrain wett, dass die Strophen ein bisschen schwächeln und „Go Away“ ist ein wirklich putziges Duett mit Bethany Cosentino (Best Coast). Zu „The British Are Coming“ möchte man abwechselnd das Feuerzeug hochhalten und Luftgitarre spielen um dann bei „Cleopatra“ den Lautstärkeregler nochmal ein bisschen weiter nach rechts zu drehen. Und die Song-Trilogie zum Schluss ist auch ganz schön cool gemacht. Eigentlich ein zusammenhängender Übersong, rahmen zwei fette Instrumentals einen finalen Song mit Cuomos Gesang. Da wird sich zum Schluss nochmal nach allen Regeln der Kunst einer abgegniedelt. Saustark!

„Everything Will Be Alright In the End“ ist eine super Platte, mit der sich die Band auf alte Stärken besinnt. Vielleicht ein Future-Weezer-Classic. Aktuell ist sie erstmal astreines Party-Material (Notiz an mich: Anlass (er)finden, Leute einladen.)
Fazit: Weezer sind schon immer noch ziemlich coole Socken, die sich mit diesem Album wieder voll auf die Bildfläche gespielt haben und die man auch gern wieder mal live sehen würde. Und seis nur um Drummer Patrick Wilson beim Konzert eine Frisbee zuzuwerfen. (Keine Ahnung wovon ich spreche? Dann bitte zum Schluss noch dieses Video anschauen.)

 

„Everything Will Be Alright In the End“ von Weezer ist am 03.10.2014 bei Republic (Universal Music) erschienen.

Fotos: PR