We Were Promised Jetpacks kommen aus Edinburgh und haben sich quasi allein durch ihre Herkunft in mein Blickfeld gespielt. Mit ihrem inzwischen dritten Album namens „Unravelling“ liefern sie im wahrsten Sinne des Wortes eine coole Platte ab und zeigen einmal mehr, es gibt ein Leben nach ihrem Über-Hit „Quiet Little Voices“.

wwpj3Woher meine mittelschwere Obsession mit Schottland herrührt, kann ich nicht mehr so genau nachvollziehen. Eine Rolle spielen aber sicherlich mein geheimer Peinlichkeits-Lieblingsfilm Braveheart, eine denkwürdige Rucksacktour nach dem Abi und der wunderbar abgefahrene Akzent dieses Völkchens, vorzugsweise vorgetragen von diversen schnittigen Scotsmen von Ewan McGregor über James McAvoy bis Simon Neil. Aber auch sehr gerne von diesen Burschen hier.

wwpj5Schon seit Anfang diesen Monats ist „Unravelling“ draußen, aber ein bisschen untergegangen in den wachsenden Plattenstapeln, die sich hier grade auftürmen. Der Herbst zieht ja gewohntermaßen immer gut an an der Releasefront und man kommt kaum hinterher den ganzen eintrudelnden Werken dann auch direkt die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Jetzt hat die neue Platte aber ein paar Durchläufe hinter sich gebracht und gefällt mir ausgesprochen gut. Deswegen hier ein paar Worte zu Longplayer Nummer 3.

Wenn man es einordnen will, machen die Schotten Indie-Rock vermischt mit Post-Rock. Ihr Sound ist dabei schon immer etwas unterkühlt, und was die Dynamik angeht, lassen sie sich auch gerne mal bitten. Aber dieses, nennen wir es Launische, hat etwas. Die Songs haben auch diesmal allesamt eine gewisse Schwere, den Happy Button will hier eher keiner drücken. Ich muss unweigerlich an The Walking Dead denken, in den Highlands. Oder an Les Revenants (aka The Returned). Hätten Mogwai (schon wieder Schotten!) nicht den Soundtrack zu diesem französischen Serien-Highlight geschrieben, das hier hätte auch gut gepasst. Dabei ist das Ganze niemals übertrieben schwermütig und die Stücke halten immer eine ganz eigene Art von Spannung. Die zweite Single, „I Keep It Composed“, ist so ein klassischer Kandidat und wirklich hervorragend. Da ist der Name Programm. Das ist intensiv und gleichzeitig beruhigend. Man hat das Gefühl, neben Sänger Adam Thompson könnten Häuser einstürzen und sich Erdspalten auftun, er würde immer noch genauso weitersingen. Wo die beiden Vorgänger noch etwas ungestümer waren, ist das neue Werk ausgeglichen.

Das wird wahrscheinlich nicht allen gefallen. Im Vergleich zu seinen Vorgängern These Four Walls (2009) und In The Pit Of The Stomach (2011) klingt das neue Werk weniger roh und impulsiv. Sicher hat Neuzugang Stuart McGachan an Gitarre, Keyboards und Backing Vocals etwas mit dem aktuellen Style zu tun. Das Keyboard/ Piano spielt neben den Gitarren eine tragende Rolle auf dieser Platte und bringt die richtige Dosis Leichtigkeit und Optimismus ins Spiel. Ich finde ihre alten Sachen immer noch super, aber mir gefällt auch diese Entwicklung. Denn die Energie ist den Songs nicht verloren gegangen und zu poliert klingt hier noch lang nichts. Das ist auch immer wieder Thompsons Gesang zu verdanken, der sich hier und da charmant zum nächsthöheren oder -tieferen Ton hangelt anstatt ihn immer punktgenau zu treffen. Ich mag das. Das Album hat einen ganz eigenen Groove und ist dazu astrein produziert. Gleich der Opener „Safety In Numbers“ und das folgende „Peaks And Throughs“ sind stark und schaffen einen wohlwollenden Einstieg, bevor es im Verlauf der 11 Songs in knapp 50 Minuten auch noch düsterer zugeht. Bei „Night Terror“ zum Beispiel (durchaus fett!) oder dem finalem „Ricochet“ (eine gute Portion Piano-Melancholie zum Schluss).

Schön auch „A Part Of It“. Da wird sich mit ordentlich Energie durch 3 Minuten 40 gepeitscht, da ist musikalisch so einiges los. Und bei „Peace Of Mind“ lassen Mogwai besonders lieb grüßen. Ein herrlich ausuferndes Instrumental rettet einen vor der hin und wieder drohenden Unterkühlung. Wow! Dieses Stück ist ein Hammer und eine Wohltat gegen Ende. Bitte einmal ganz laut über Kopfhörer einwirken lassen. Ich muss sofort nach Schottland, nur um mit diesem Song im Ohr majestätisch durch die Highlands zu stapfen und mir dabei gepflegt den Arsch abzufrieren.

Album Nummer 3 haben sie sehr gut hingekriegt und es wird sich hier noch weiterer regelmäßiger Rotation erfreuen. Aber auch auf einer Bühne  macht sich „Unravelling“ sicher gut neben seinen zwei wilderen Geschwistern. Im Sommer waren die inzwischen fünf jungen Herren mit dem sperrigen Bandnamen auf ein paar Live-Dates der Sportfreunde Stiller dabei. Mir wurde aus verlässlicher Quelle berichtet, dass das mehr als ordentlich war. Aktuell sind sie in Übersee unterwegs. Von mir aus dürfen sie sich gern mal wieder als Hauptattraktion des Abends in hiesigen Gefilden sehen lassen. Ihre Show im 59:1 vor fast drei Jahren war eine feine Sache, ist aber langsam wirklich ein bisschen lang her. Bitte, bitte kommen Sie wieder!

 

„Unravelling“ von We Were Promised Jetpacks ist am 03.10.2014 bei Fatcat Records (Alive) erschienen.

 

Fotos: PR