In Sachen Extravaganz und Mode kann er locker mit Style-Gurus wie Pharrell Williams oder Kanye West mithalten. Was seine Musik anbelangt, ist der Rapper und Sänger bislang eher in Szenekreisen bekannt. Ob er mit seinem zweiten Album „Vibes“ den Durchbruch schaffen wird? Verdient hätte er es jedenfalls. Mit seinem eklektischen Mix aus Hip-Hop, Elektro und Pop setzt er frische Akzente. Und keine Sorge, Harfen dienen ihm lediglich als Stütze.

Theophilus_London

Ob im ausgefallenen Hipster-Outfit mit Hut oder im lässigen Rapper-Look mit Baseball-Cap, Theophilus London macht immer eine gute Figur. Seine vielseitige kreative Ader spiegelt sich nicht nur in seinem Äußeren, sondern auch in seiner Musik. Der Chefstyler aus Brooklyn mischt Hip-Hop mit Elektro, 80sNew-Wave, Pop, Funk und Soul. Ein eklektischer Mix, den er selbst als „soulig-progressiven Cold Wave“ bezeichnet. „Es ist smarte, sexy Clubmusik mit Post Punk- und Insel-Einflüssen“, präzisiert Theophilus London.

Tatsächlich finden sich auch Calypso-Sounds in seinen vielschichtigen Tracks. Die Einflüsse stammen aus der Kindheit des Künstlers. Denn Theophilus London wuchs in Trinidad auf, wo er u.a. auch in einer Steelband spielte. Mittlerweile ist der heute 27-Jährige in der kreativen Hipster-Hauptzentrale Brooklyn zu Hause, wo er die verschiedenensten Eindrücke aufsaugt.

In den vergangenen Jahren hat sich das umtriebige Jungtalent ein breites Netzwerk aufgebaut. So konnte Theophilus London für sein 2011 veröffentlichtes Debütalbum „Timez Are Weird These Days“ u.a. Dave Sitek von TV On the Radio und Hit-Produzent Ariel Reichstadt (u.a. Haim). Mit Singer/Songwriterin Holly Miranda nahm er den Pop-Stampfer „Love Is Real“ auf, mit Sara Quin von Tegan & Sara entstand die cheesy Neo-80s-Popnummer „Why Even Try“.

Von Kanye bis Karl

Für sein zweites Album „Vibes“ legte Theophilus London in Sachen Professional-Promi-Props nun noch eine Schippe drauf: Als Executive Producer stand ihm seine Majestät, der selbsternannte Rap-König, Kanye West, höchstpersönlich zur Seite. Darüber hinaus arbeitete der junge Künstler mit dem britischen Indie-Produzenten Devonté Hynes alias Blood Orange (u.a. Florence + The Machine, Solange, MKS) sowie Leon Ware zusammen. Letzterer hat zuvor bereits für Größen wie Marvin Gaye, Tina Turner, Michael Jackson und Diana Ross die richtigen Knöpfchen gedreht.

Auch fürs Artwork von „Vibes“ engagierte Theophilus London einen Meister seines Fach: Karl Lagerfeld setzte den Shootingstar in Szene. Vor zwei Jahren fotografierte der Modedesigner den US-Musiker für das Buch „The Little Black Jacket: Chanel’s Classic Revisited“. Man verstand sich blendend und so kam es zu einer erneuten kreativen Zusammenarbeit – eine weiße Harfe inklusive. Dabei ist Klassik wohl eines der wenigen Genres, das auf „Vibes“ nicht in irgendeiner Weise verwurschtelt wurde.

Theophilus London jongliert mit allerlei Elementen aus unterschiedlichen Genres. Das Resultat ist ein zwar recht abwechslungsreicher, manchmal aber auch anstrengender Stilmix. Viele, sehr viele Synthesizer kamen bei den Aufnahmen zum Einsatz. Herausgekommen sind Songs wie der der ätherische Schmachtfetzen „Water Me“ und das 80s-lastige „Neu Law“. „Heartbreaker“ ist eine funky Elektro-Nummer, die aber auch nicht richtig zünden will – vielleicht kann das ein Remix richten?

Von wegen Rosenkavalier

Theophilus_London_New_PRess_Pic„Do Girls“ ist ein düsterer Hip-Hop-Track mit Gitarrenriff und inhaltlich – zumindest für meinen Geschmack – ein ziemlicher Fauxpas. Theophilus London prahlt damit, ein Mädchen verführt zu haben, das eigentlich auf Frauen steht. „She told me that she only do girls/But since she met a player like me/Man, I feel like I’m on top of the world.“ Ist klar. Rosenkavalier geht anders. Von Kanye West würde man solche Chauvi-Sprüche erwarten, aber seinem jungen Protegé nimmt man diese Macker-Fantasien nicht ab.

Eines der wenigen musikalischen Highlights ist „Can’t Stop“, für das Kanye West selbst einen Rap besteuert. Ein frischer, ruhiger Hip-Hop-Track, der im Gegensatz zu den anderen meist überfrachteten Stücken auf „Vibes“ ohne viel Schnickschnack daher kommt und sich durch den eingängigen Refrain rasch festsetzt. Textlich gibt das Stück allerdings wieder wenig her, eine Liebeserklärung in Bling Bling. Die Single-Auskopplung „Tribe„, ein dreckiger Club-Track, wird von einem pulsierenden Beat vorangetrieben und macht Bock auf mehr. Leider bleibt es ein leeres Versprechen.

Peter Fox durfte auch mal ran

Aufgenommen wurden die Songs übrigens in den vergangenen zwei Jahren in New York, Paris – und Berlin. Deutschland scheint es Theophilus London angetan zu haben. Bereits vor einigen Jahren vertraute er dem Berliner DJ-Duo andhim seinen Song „Wine & Chocolates“ an. Der Remix avancierte zu einem Club-Hit. Nun arbeitete Theophilus London in der deutschen Hauptstadt mit Peter Fox zusammen. Der US-Künstler begleitete dessen Band Seeed vor ein paar Jahren auf Deutschland-Tour. Das Resultat der Zusammenarbeit ist „Smoke Dancehall“. Der unaufgeregte und wenig aufregende, genau, Dancehall-Track klingt denn auch unweigerlich nach Seeed. Unnötig. Selbst von der Kollaboration mit Devonte Hynes alias Blood Orange, der sich in den vergangenen Jahren als geschmackssicherer Produzent und Solo-Künstler profilierte, hätte man mehr erwartet. „Figure It Out“ ist eine seichte, stark 80s geprägte R’n’B-Nummer, die an Prince erinnert.

Damit dürfte es für Theophilus London schwierig werden, sich endlich in der ersten Liga der Hip-Hop-Prominenz zu etablieren. Es spricht absolut nicht dagegen, mit verschiedenen Genres zu experimentieren – und in der heutigen Zeit, in der ein brachialer Dubstep-Kracher und ein sanftes R’n’B-Ballädchen nur einen Klick weit voneinander entfernt sind, gehört das ja ohnehin längst dazu. Dennoch: Theophilus London hat sich etwas verzettelt. Dem Chefstyler ist der persönliche Stil vor lauter Styles leider etwas abhanden gekommen.

https://soundcloud.com/theophilusl/sets/theophilus-london-vibes-album-stream

Fotos: Warner Music, Karl Lagerfeld, Tracy Bailey