Überschattet von einer wüsten Schlacht um Mietverträge, Namensrechte, Locations und Termine kristallisieren sich rund um den Festival-Fight zweier deutscher Veranstalter-Schwergewichte nicht mehr nur Pläne um ein neues Festival in München heraus, sondern seit gestern ist die Sache konkret. Ende Mai 2015 findet mit dem Rockavaria zum ersten Mal seit Rock im Park 1995/96 wieder ein Festival im Münchner Olympiapark statt. Und auch die Headliner stehen schon…

Gibt es noch jemanden, der den Affenzirkus rund um die Veranstaltungsstätte Nürburgring und das damit verbundene Festivalurgestein Rock am Ring nicht mitbekommen hat? Wohl eher nicht… Die Gebietshoheiten und Austragungsstätten sowie Termine sind inzwischen geklärt, die Namensrechte noch nicht ganz. Kurioseste Begleiterscheinung dieses Bohais ist wohl die Tatsache, dass München im Zuge dessen wieder ein Festival bekommt. Als Schwesterveranstaltung des 2015 erstmals am Nürburgring stattfindenen „Der Ring – Grüne Hölle Rock“ Festivals (was für ein Name…) zieht parallel das „Rockavaria“ (auch nicht besser…) vom 29. – 31. Mai in den Münchner Olympiapark ein.

rockavariaAlles ging los mit dem Umstand, dass Herrn Lieberbergs Mietvertrag mit dem Betreiber des Nürburgrings nach 2014 nicht verlängert wurde. Ausgerechnet zum 30jährigen Jubiläum 2015 stand der Gigant also ohne Location da. Es ging um Rechte und am Ende wohl wie immer um die liebe Kohle. Also bandelte die Nürburgring Betriebsgesellschaft mit einem konkurrierenden Veranstalter an. Man wurde sich mit der DEAG einig – im Konzertbereich zwar alles andere als ein unbeschriebenes Blatt aber bisher nicht gerade eine Koryphäe im Festivalbusiness – und ein neues Mehrtages-Event an altbekannter Stätte war geboren. Die Grüne Hölle.
Lieberberg fand derweil eine neue Location, in der Vulkaneifel, unweit des alten Austragungsorts und beinah hätten am ersten Juniwochenende nächsten Jahres zwei riesige Rockfestivals zeitgleich im Umkreis von gut 30km stattgefunden. Relativ schnell reagierte die DEAG und verlegte ihr Event um eine Woche vor. Soweit so gut.

Während Lieberberg und Co relativ schnell die ersten Headliner raushauten – Foo Fighters, Slipknot und Die Toten Hosen – wurde bei den „Kollegen“ zwar ausgiebig die Neugier angeheizt, aber erstmal keine Katze aus dem Sack gelassen. Man machte sich durchaus ein paar Sorgen, was das am Ende werden würde (die DEAG veranstaltet u.a. die Böhsen Onkelz). Bevor auch nur die erste Band bekannt gegeben wurde, kam man aber schon mit einer nicht uninteressanten Meldung ums Eck: Es würde nicht bei der Grünen Hölle bleiben, sondern man zieht das ganze gleich als Partnerfestival auf. Hat ja bei Rock im Park/ Rock am Ring oder bei Southside und Hurricane auch wunderbar geklappt und München liegt festivaltechnisch schließlich seit geraumer Zeit brach. Das Line-Up aber, so versicherte man, würde sich deutlich unterscheiden. Terminlich Geschwister, inhaltlich eher entfernte Cousins, oder so ähnlich.

Rome_Olympic_Stadium_HansPeterVanVelthovenWährend Medienpartner Bild-Zeitung (!) vorgestern schon den ersten Headliner für die Grüne Hölle verlauten ließ, war es gestern Nachmittag auch fürs Münchner Rockavaria soweit. Neben KISS werden Metallica und MUSE das Event anführen. Okay! Ist jetzt so unspektakulär nicht, wenn auch Geschmackssache. Muse kurbeln ja schon seit gut einem Jahr die Marketingtrommel für ihr nächstes Jahr erscheinendes Album, das wieder voooollll in Richtung Rock gehen soll (wir werden sehen) und die anderen beiden sind halt was das durchschnittliche Festivalpublikum angeht, sowas wie eine sichere Bank. Aber wie erfrischend wäre es, wenn sich mal jemand trauen würde nicht immer die gleiche Headliner-Leier abzuspulen. Ein sehr schlauer Kommentar von einem Freund gestern Abend: „Was machen die ganzen Festivalveranstalter eigentlich, wenn Metallica mal nicht mehr spielen?“ Eine sehr berechtige Frage, zumal das so lang wohl nicht mehr dauern wird, bis die Metal-Senioren live den Geist aufgeben.
Neben den drei Hauptacts rückte man auch gleich noch mit einem guten Dutzend weiterer Bands raus, u.a. werden Faith No More, Incubus, The Darkness, Turbonegro, Anti Flag und Judas Priest erwartet (und auch Limp Bizkit brauchen wohl wieder Geld). Zumindest bei der Ankündigung, dass es reine Rock-Festivals werden, haben sie erstmal nicht geschwindelt, dafür bei der Tatsache, dass es explizit keine Partnerfestivals werden würden. Das Line-Up ist bisher quasi identisch. Ehrlicherweise wären sie ja auch schön blöd, wenn sie die Synergien nicht nutzen würden, aber ein bisschen affig ist das Getue dann rückblickend schon. Ein Wochenende später ziehen sie dann den gleichen oder zumindest ähnlichen Spaß gleich noch als „Rock in Vienna“ in der österreichischen Landeshauptstadt auf. Da ist dann wohl die Entfernung zu Rock am Ring/ Rock im Park nicht ganz so kritisch.

Was bisher sonst bekannt ist? Gezeltet wird wohl nicht werden im Olympiapark, anscheinend ist ein echtes Stadtfestival angedacht, zu dem auch der geneigte Komasäufer täglich anzureisen hat. Genaueres weiß man bisher nicht. Aber die Early-Bird Tickets, die werden ab heute schonmal verkauft. Für gesalzene 169 € (ohne Camping, wohlgemerkt). Die zukünftigen Besucher legen dazu am besten jetzt schonmal monatlich zwas zur Seite, damit sie sich dann auch die überteuerten Unterkünfte zum Ticket leisten können.

Eigentlich ist ein Festival in München ja eine durchaus feine Geschichte, aber ich bin mir wirklich nicht sicher, was man von der Sache zu halten hat. Zumal dann auch noch Bild und Bayern 3 präsentieren! Kommt wohl ein bisschen auf das komplette Line-Up an und wie sie es am Ende logistisch hinbekommen. Ausgabe Nummer Eins einer solchen Riesenveranstaltung brigt ja immer so ihre Tücken. Zu Begeisterungsstürmen reißt mich die Geschichte also ehrlicherweise noch nicht hin. Irgendwie hat das Ganze durch den andauernden Rechtsstreit und die begleitende Berichterstattung schon einen faden Beigeschmack. Und einmal mehr wird klar, um die Musik gehts hier schon lange nicht mehr…
Schaun wir mal….Denn ein Gutes hätte die Sache zumindest. Im Zweifel kann man als Münchner einfach für den Tag oder Abend seiner Wahl ganz geschmeidig in die U-Bahn steigen. Das heißt, wenn es überhaupt Tagestickets geben wird (und uns dann die pendelnden Komasäufer noch ein Plätzchen in der Bahn frei lassen.)

 

Fotos: PR (1), www.facebook.com/rockavaria (1)