Schon eine Woche ist es her, dass wir auf dem Iceland Airwaves Festival getanzt haben, ausgeflippt sind und vor Freude Gänsehaut am ganzen Körper hatten. Doch noch immer haben wir die salzige Luft des Nordatlantiks in der Nase, den Geschmack des köstlichsten White Ales im Mund und den Sound der besten isländischen Bands im Ohr. Reykjavík, wir vermissen dich jetzt schon.
Hier kommt Teil 1 einer großartigen Reise ins nördlichste Musikwunderland von unserer reizenden Gastautorin Lisa.

DCIM100GOPROGOPR5409.Bereits im Mai zog es uns zum ersten Mal für drei Wochen ins vermutlich schönste Land der Welt. Denn neben atemberaubender Natur und den freundlichsten Menschen überhaupt hat Island vor allem eins zu bieten: Musik vom Feinsten. Klar, jeder kennt Björk und Sigur Rós, doch die Musikszene der Hauptstadt Reykjavík, in der mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung Islands wohnt, wartet auch mit so einigen kleinen, feinen Musikperlen auf. Schon im Mai verbrachten wir neben unserem Rundtrip um die Insel eine ganze Woche in Reykjavík, tranken Unmengen an bestem isländischen Bier, deckten uns in den coolsten Plattenläden ein und tanzten in DEM neuen IN-Club zu DER neuesten angesagten Band (haben wir uns von so einigen Isländern sagen lassen) – und das bei freiem Eintritt. Für uns war klar: Hier müssen wir so schnell wie möglich wieder hin. Dass es dann doch so schnell geht, hätten wir selbst nicht geglaubt. Doch eine Woche nach meinem anfangs eher scherzhaft gemeinten „Bitte fliegen wir zum Iceland Airwaves Festival!“, war Anfang September auch schon das Icelandair-Package gebucht. Flug (ab München) und Festivalticket für rund 500 Euro. Die Vorfreude auf einen Urlaub war noch nie so groß!

Iceland Airwaves, das bedeutet 5 Tage ganz besondere Musik in der nördlichsten Hauptstadt der Welt. Das Festival findet seit 1999 statt und ist in erster Linie ein Showcase-Festival, das einheimischen Bands die Möglichkeit geben soll, ihre Musik vor Publikum zu präsentieren und bekannt zu werden. Doch natürlich sind auch bereits anerkannte isländische Bands fester Bestandteil des Line-Ups und auch internationale Acts kommen nach Reykjavík. Bereits um die Mittagszeit starten die Off-Venue-Gigs in rund 40 Locations (Sorry, aber der Versuch alle dieser Bars, Cafés, Plattenläden, Kinos, Hotels & Co. aufzuzählen ist uferlos – es sind einfach zu viele). In der ganzen Stadt verteilt liefern die Acts also schon nachmittags 20-30 minütige Shows, die von jedem Musikliebhaber – auch ohne Festivalticket – besucht werden können. Abends beginnt dann das offizielle Programm, für das man das Wristband benötigt, in bis zu 13 verschiedenen Locations. Beim Airwaves 14 heißt das in Zahlen: 219 Bands, mehr als 1.000 Konzerte (fast alle Bands treten mindestens zweimal auf, viele sogar fünf bis zehn Mal und einer brachte es sogar auf 16 Shows!!!) in über 50 Locations mit rund 8.000 Besuchern (mit Festivalband).

Vom Süden des Landes bis zum Norden der Welt (in Tomtes Worten)

IMG_7025Doch bevor man sich in den einwöchigen Musikwahnsinn stürzt, steht man vor dem ein oder anderen „ernsthaften“ Problem: Welche Klamotten mitnehmen auf ein Festival, bei dem die Außentemperatur um die Null Grad beträgt, in den Clubs jedoch teilweise Sauna-Temperaturen herrschen? (Ja, die Isländer wissen, wie man feiert.) Und welche Kamera packe ich ein? Die digitale Spiegelreflex oder doch die Analoge? GoPro auf jeden Fall. Doch vielleicht auch noch eine Einwegkamera? Oder reicht die Handykamera aus? Mit vollbepackter Tasche – denn im Zweifel nimmt man dann ja sowieso zu viel mit – ging’s also zum Flughafen. Die ganz schön lange Schlange im Duty-Free-Shop an der Alkoholkasse war größtenteils den eindeutig erkennbaren Mit-zum-Festival-Fliegern zu verdanken. (Alkohol ist in Island – neben allem anderen – ziemlich teuer, am besten man deckt sich also noch vor Abflug oder am Flughafen Keflavik ein). Wer da also noch nicht in Festival-Stimmung geriet, der tat dies spätestens mit Genuss des ausgezeichneten Bordprogramms von Icelandair. Denn nicht nur isländische Filme (Metalhead!), Serien und Dokus stehen zur Verfügung, auch die Bandbreite an isländischer Musik begeistert uns und zu der Playlist „Iceland Airwaves 2014“ legen wir ein kleines Nachmittagstänzchen in unseren Sitzen hin. (Wir, das sind übrigens Mike und ich und in Reykjavík dann auch noch Linda, eine Freundin, die dort studiert und hin und wieder auch noch andere nette Menschen).

Dienstagabend, der Abend vor offiziellem Festivalbeginn, treffen wir im Kex Hostel ein. Schon im Mai wohnten wir hier und auch diesmal können wir sagen: Die wunderbarste Unterkunft südlich des Polarkreises. Warum? Das selbst betitelte „Social Hostel in Downtown Reykjavík“ ist mehr als ein Hostel. Es liefert einen unschlagbaren Ausblick über die Küste der Hauptstadt und die Einrichtung der ehemaligen Keksfabrik (daher auch „Kex“) könnte man als eine Mischung aus vintage, urban, industriell, gemütlich und ziemlich abgefahren beschreiben. An der hauseigenen Bar, bzw. im Restaurant gibt es nicht nur das beste Bier überhaupt (White Ale!!), sondern dort trifft man neben den Hostelgästen auch die hippen Reykjavíker selbst. Zudem hatten wir in unserer 6-Bett-Stube die allerallerbesten Zimmerkollegen, die man sich vorstellen kann und was das Ganze einfach unschlagbar macht: Bereits ab Tag 0 finden hier unzählige Off-Venue-Gigs statt. So wie an diesem Abend Mr. Silla. Entgegen dem Namen ist das die Solo-Show von Sigurlaug Gísladóttir, die man bereits von Múm oder Snorri Helgason kennt. Überhaupt in Island keine Seltenheit, in mehr als einer Band zu spielen. So ziemlich alle Künstler sieht man beim Airwaves mindestens mit zwei Bands auf der Bühne stehen. Man darf sich also nicht wundern, wenn das ein oder andere Mitglied einer Band zu spät zum eigenen Auftritt kommt, hat er oder sie doch zehn Minuten vorher noch im Café am anderen Ende der Stadt mit einer seiner/ihrer fünf anderen Bands performt. Jedenfalls haut uns Mr. Silla schon an Tag 0 aus den Socken. Mit Gänsehaut fallen wir ins Bett, berauscht von der Musik und überglücklich, wieder hier zu sein.

Tag 1. Von Kiasmos bis Ásgeir – Isländische Musik vom Feinsten.

IMG_7068Der Tag beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück im Kex Hostel, einem anschließenden Spaziergang durch Downtown Reykjavík und einem Abstecher in der Harpa. Das 2011 eröffnete Konzerthaus gilt nicht nur als neues Wahrzeichen der Stadt und architektonische Attraktion, sondern beherbergt auch das „Media Center“ des Iceland Airwaves, sprich: Wir stellen uns hier für unser Festivalbändchen an. Und auch an fast allen folgenden Abenden werden wir im Harpa anzutreffen sein, da sich hier gleich drei Locations des offiziellen Programms befinden. Doch erstmal erfüllt Kiasmos, das neue Projekt um Komponist und Islands Liebling Ólafur Arnalds, das Kex um 14 Uhr mit elektronischen Minimal-Klängen und wird als erster Gig live auf kexp.org übertragen, sowie im Programm des Radiosenders ausgestrahlt. Was das Airwaves mit einem Radiosender aus Seattle zu tun hat? Bereits seit einigen Jahren kollaborieren das Kex und KEXP, die Konzerte im Hostel live auf ihrer Seite streamen, später auf ihrem YouTube-Channel veröffentlichen und damit Klicks bis in die Millionen erreichen. Die haben das Potenzial isländischer Musik eben frühzeitig erkannt! Und auch wenn das vielleicht nicht nachvollziehbar klingt, aber die Atmosphäre die diese Situation des Live-Streams verursacht, macht das Konzerterlebnis besonders und ganz schön cool (Guten Morgen Mama, guck mal auf kexp.org – Ich bin die im Publikum mit dem großen Bier in der Hand. Liebe Grüße aus Island, Lisa).

Nahtlos geht es weiter mit der wunderbaren Sóley, die ich schon bei Seabear ganz großartig fand und die dem zahlreich erschienen Publikum im Kex vier neue Songs präsentiert. Klingt vielversprechend! Bei Uni Stefson ist verhältnismäßig wenig los. Schon dessen Hauptband Retro Stefson nervte mich mit Songs wie „Glow“ und „Kimba“ ehrlich gesagt und auch, als ich im Vorfeld in das Solo-Projekt des Sängers reinhörte, war ich alles andere als begeistert. Doch da wir das gemütliche Kex erstmal ungern verlassen wollten und das nächste White Ale sowieso noch nicht leer war, guckten wir eben den Uni. Die richtige Entscheidung, denn live überraschte er mich mit Band ziemlich positiv. Außerdem singt der Gute solo nicht etwa auf englisch, sondern auf isländisch (diese Sprache klingt einfach immer wunderschön). Also bereits am ersten Tag die erste Lektion gelernt: Einfach mal überraschen lassen. Denn oftmals hat es wirklich mehr Sinn gemacht, für einige Bands in der selben Location zu bleiben, anstatt sich durch die halbe Stadt zu hetzen, um in den gewünschten Laden dann sowieso nicht reinzukommen. Denn wenn ein Ezra Furman um vier Uhr nachmittags in einem klitzekleinen Underground-Club spielt, kommt man eben um 15:45 nicht mehr rein. Selbiges befolgen wir direkt am ersten Abend.

IMG_7081Ab 20:00 sind wir in der Harpa Silfurberg, in der zu späterer Stunde Ásgeir gefolgt von Sin Fang spielt. Zwei meiner absoluten „Must-Sees“ auf dem Airwaves-Timetable. Für uns ein rein isländischer Tag, wie uns spätestens in der Harpa auffällt. Nach den poppigen 1860 folgt erneut Mr. Silla, die uns auch aufs Neue begeistert, gefolgt von den ziemlich abgefahrenen Elektro-Avantgarde-Jazz-Pionieren Kippi Kaninus. Bis dahin alles entspannt und schön. Doch sobald Ásgeir Trausti die Bühne betritt, wird nicht nur das Gedränge im Publikum immer dichter, sondern auch die Fotografen im Foto-Graben rennen sich fast über den Haufen. Jeder will ihn sehen, den 22-Jährigen Superstar, der nicht nur Island mit seinem Debütalbum „Dyrd í daudathogn“ (das bestverkaufte Debütalbum Islands!) im Sturm erobert hat, sondern mit der englischen Version dieser Platte („In the silence“) mittlerweile durch die ganze Welt tourt. Und ja, auch ich will ihn unbedingt sehen, höre ich das Album seit dem letzten Islandbesuch doch rauf und runter und kann sogar mitsingen, obwohl ich noch nichtmal was verstehe. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen, die jedoch leider nicht so ganz erfüllt werden können. Zu einstudiert wirkt die Performance, fast zu professionell. Ja, man merkt, er ist nervös und nach dem vielen Touren um die halbe Welt wohl auch einfach müde. Doch selbst, dass dem Isländer ein halbes Orchester im Nacken sitzt, mag die Magie, die ich so oft beim Plattenhören, ob am heimischen Plattenspieler oder auf dem Ipod in der U-Bahn gespürt habe, nicht rüberkommen. Womöglich liegt das nichtmal an ihm selbst, ist der Druck wahrscheinlich nicht gerade klein, „The next big thing from Iceland“ zu sein. Immerhin das verzaubert an seiner Performance: er singt ganz auf isländisch. Vielleicht sollte ich auch nicht so kritisch sein, ich ging wohl einfach mit zu großen Erwartungen an diese Performance.

Doch Sin Fang begeistert mich im Anschluss sehr. Der Sänger der erfolgreichen Band Seabear fuhrwerkt am Laptop, während jeweils ein Schlagzeuger zu seiner linken und rechten Seite trommelt. Bereits sein erstes Stück „Look at the light“ gehört zu meinen All-Time-Favourites und von mir aus könnten die ganzen 40 Minuten seines Auftritts nur aus diesem Lied bestehen. Doch der gute Sindri Sigfússon gibt das Beste, vor allem seiner letzten beiden Alben „Summer Echoes“ und „Flowers“, zu hören. Und das ist auch gut so. Abgeschlossen wir der Abend von Moses Hightower, die das Publikum im nur noch zur Hälfte gefüllten Silfurberg mit ihrem feinsten Pop-Soul in den verdienten „Feierabend“ schicken.


Live-Impressionen vom Tag 0, 1 und 2 zum Durchklicken. U.a. mit Mr. Silla, Kiasmos, Sóley, Uni Stefson, 1860, Kippi Kaninus, Ásgeir, Sin Fang, Kaleo, FM Belfast, Horse Thief, dem zauberhaften Kex Hostel sowie der Harpa, der atemberaubenden Blauen Lagune und natürlich dem Hauptact – lovely Reykjavík.

Tag 2. Entspannen in der Blauen Lagune und Ausflippen mit FM Belfast.

Endlich, endlich, endlich! Wie sehr haben wir uns doch auf genau diesen Donnerstag gefreut. Der Tag beginnt nämlich nicht mit einer Band und einem Bier in einer von Reykjavíks Bars (was natürlich auch super ist), sondern mit einer Band, einem Cocktail und feinsten Häppchen in der Blauen Lagune. Nach ca. einer Stunde Fahrt erreicht man den wohl magischten Ort der Reykjanes-Halbinsel. Das himmelblaue Badewasser des Thermalbads entstand als Abfallprodukt eines nahe gelegenen Geothermalkraftwerks. Mitten im Nichts und umringt von Lavagestein kann man sich also in ca. 38°C warmem Wasser treiben lassen, die heilende Kraft dieses Wassers, das Mineralsalze, Kieselerde und Algen enthält, auf der Haut spüren und dazu einen kühlen Drink genießen. Zwar eine vermeintlich überteuerte Touristenattraktion, aber ein absolutes Muss und wirklich ein kleines Träumchen. Hingefahren wären wir auch dieses Mal wieder so oder so, noch besser, dass wir bereits im Vorhinein den „Blue Lagoon Chill“ entdeckten. Im Rahmen des Iceland Airwaves spielte dort an drei Tagen jeweils eine der Festivalbands im fancy Lava-Restaurant mit Essen und einem Drink inklusive und anschließendem Chill in der Lagune selbst. An besagtem Donnerstag war das die Indie-Folk-Band Kaleo für die Festivalbesucher, die mit gut fünf Bussen aus Reykjavík angekarrt wurden. Zwar kein Hammer, aber genau richtig für diesen entspannten Nachmittag. Denn es gibt wohl kaum etwas Schöneres, als nach einem feinen Konzert bei 3 Grad Außentemperatur im heißen Wasser zu treiben, die Sonne (ja, sie war wirklich da!) zu genießen, ein kaltes Gull zu trinken und einfach nur die Seele baumeln zu lassen.

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Fast zu entspannt kamen wir abends wieder in Reykjavík an, doch FM Belfast bringen uns im Kex wieder sowas von in Party-Stimmung. Bereits vier Mal habe ich die mal 3-, mal 8-köpfige (je nachdem, wer erscheinen kann) Elektro-/Pop-Gruppe live gesehen und es war immer wieder ein Fest. Für mich auch ein kleines Phänomen, denn sobald die crazy Kombo die Bühne betritt, rasten alle, sowohl Band als auch Publikum, förmlich aus. Ein „Fluuuugzeug“ reicht aus, um alle Anwesenden zum Mitsingen und vor allem Springen zu bringen. Da lassen wir es uns natürlich nicht entgehen, diese Party im Heimatland von FM Belfast mitzuerleben. Und siehe da: Der erste Synthie-Ton erklingt und sofort macht sich ein Lächeln auf den Gesichtern breit und in den nächsten 30 Minuten tanzen wir uns die Müdigkeit aus den Knochen. Nie hätte ich gedacht, das gesamte Kex mal springen zu sehen. Ihr könnt es einfach, ihr guten FM Belfast!

Feiern macht hungrig. Doch es ist gar nicht so einfach auf dem Airwaves „ausgewogen“ zu essen. Grundsätzlich legt man auf einem Festival eher wenig Wert auf das leibliche Wohl, doch hier wird das ehrlich gesagt zu einer kleinen Herausforderung. In Sachen Frühstück kein Problem, da haben wir uns die Bäuche immer reichlich vollgegessen, entweder im Kex Hostel selbst, in der besten Bäckerei Sandholt oder in einem der fancy Cafés, die es in 101 zur Genüge gibt. Doch wann ein Mittagessen, geschweige denn ein Abendessen einlegen, wenn ab 14 Uhr Konzert-Alarm angesagt ist? Sobald man sich Zeit nimmt und in ein Restaurant geht, was dann locker mal eine Stunde in Anspruch nimmt, rutscht man nervös auf seinem Stuhl hin und her, schaut ständig auf die Uhr und rechnet im Kopf: Okay, in 10 Minuten müssen wir hier fertig sein, damit wir noch XY sehen können. „Can we get the bill, please?“ Deshalb musste einige Male der direkt neben dem Kex angesiedelte Pizza-Lieferdienst Dominos herhalten. Ganz schön fettig diese Pizzen, doch gleichzeitig eine gute Unterlage für den anstehenden Abend. Oder man ergreift die Möglichkeit beim Schopf und bestellt sich nachmittags gleich mal einen Veggie-Burger im Laundromat Café, während fünf Meter entfernt Mammút spielen.

Und da kommen wir zur – natürlich – größten Herausforderung des Festivals: Welche Bands wann und wo gucken? Auch diese Frage beschäftigt einen vor, bzw. während eines jeden Festival, doch beim Airwaves wird das wirklich zur (gefühlten) Lebensaufgabe. Alleine das Off-Venue-Programm ließ uns beim ersten Blick darauf aus den Latschen kippen. Gefühlt 1.000 Gigs in 100 Venues pro Tag. Jedenfalls bedarf es im Vorfeld einiger Zeit und Muse in die Bands reinzuhören und die Pläne auszuarbeiten, schließlich ist die Gefahr viel zu groß, den neuen heißen Scheiß auf dem isländischen Musikmarkt zu übersehen. Und auch vor Ort muss man sich manchmal ein bisschen zwingen, etwas lockerer zu sein. Denn sobald man sich für eine Band oder eine Venue entscheidet, hat man immer im Hinterkopf: Mist, wir verpassen dafür gerade diese megagute andere Band. Doch man merkt auch bald: Viel Stress machen bringt sowieso nichts. Deshalb einfach mal den ganzen Nachmittag in einer Location bleiben, ein paar Bierchen trinken und gen Abend weiterziehen. Und während man die Venues wechselt, kommt man unterwegs sowieso an 20 anderen Locations vorbei, in die man einfach spontan mal reinschauen kann.

An diesem Abend entschieden wir uns jedenfalls wieder für die Harpa. Hier hat man auf jeden Fall den Vorteil, drei Locations an einem Ort zu haben und aufgrund des großen Fassungsvermögens auch eine sehr gute Chance reinzukommen. Denn bei den offiziellen Venues in Downtown, wie etwa dem Gamla Bio, dem Reykjavik Art Museum und dem Gaukurinn, steht man gerne in einer endlos erscheinenden Schlange, wenn man nicht rechtzeitig aufschlägt. Doch dazu in Teil 2 mehr. In der Harpa sehen wir die amerikanischen Folk-Rocker Horse Thief und die Girl-Punk-Rock-Gruppe PINS aus Großbritannien und damit unsere ersten beiden internationalen Acts. Im Anschluss geben wir uns noch etwa zehn Minuten der isländischen Dísa, doch Blaue Lagune sei Dank, wir wollen eigentlich nur ins Bett, denn morgen geht’s erst richtig los!

Oder besser gesagt, am Mittwoch. Dann haben wir hier den zweiten Teil von Lisas musikalischem Island-Abenteuer für Euch.

IMGP8206Lisa studiert Kulturwissenschaft und arbeitet als Videoredakteurin. Sie mag Musik und Island. Und isländische Musik ganz besonders, zählt z.B. Sigur Rós zu ihren absoluten Lieblingsbands und das Iceland Airwaves neuerdings zu ihren Lieblingsfestivals.

 

 

 

 

 

 

Fotos: Lisa Lindhuber, Michael Hartl