Wanda ist eine Wiener Band. Ihre Spezialität? Deutschsprachiger Pop aus Österreich, der sowohl beim Wiener Lied als auch beim klassischen Austro-Pop und bei Indie-Schrammelbands ausleiht. Ein Gespräch mit der Band über Austro-Pop, die Liebe und den Tod. 

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Freitagnachmittag, 16.30 Uhr. Im Zimmer 218 eines Münchner Hotels warten Marco Michael Wanda, Manuel Christoph Poppe, Christian Humme, Ray Weber und Lukas Hasitschka alias Wanda auf uns. Wanda sind der neue Stern am Himmel der Popmusik aus Österreich. FM4 hat einen Narren an der Band gefressen, hat sie vor zwei Monaten noch als heimischen Soundpark-Act des Monats vorgestellt, dieser Tage sind sie auf der Spitzenplatzierung in den hauseigenen Charts zu finden.

Wanda liegen recht entspannt auf dem Bett, alle tragen Pyjamahosen, Sänger und Mastermind Marco Michael sogar mit Gürtel. In liebevoller Kleinarbeit haben sie das Wort „Amore“, den Titel ihrer aktuellen Platte, mit echten Rosenblättern auf ein Plakat geklebt und über das Bett gehängt. Erste Frage, die ein Kollege ausspricht: „Es gibt also echt noch Raucherzimmer in Hotels?“ Die Frage kommt nicht von ungefähr: Die fünf Österreicher rauchen Kette. Und das 45 Minuten lang.

Wanda werden oft mit Österreichs immer noch bekanntestem Pop-Export Falco verglichen. Wie finden sie das denn? Marco Michael Wanda antwortet im Namen der Gruppe: „Falco hatte immer seine Amerikanismen, wir haben die Italienismen. ‚Amore‘ versteht dann zum Glück ja doch jeder. Ich denke, es gibt Schlimmeres, als mit Falco verglichen zu werden – Andreas Gabalier zum Beispiel wäre schlimmer. Falco ist immer für uns da, er ist uns immer nah. Wenn Falco einem Wiener Musiker nicht nah wäre, dann wäre der auch kein guter Musiker.“

Auf die Italienismen geht er noch näher ein, heißt doch die Single, die im Moment bei FM4 in Heavy Rotation läuft, „Bologna“ und handelt von „Amore“: Italien, einstiges Herrschaftsgebiet der Habsburger, liege den Österreichern schon allein wegen der gemeinsamen Geschichte sehr nah am Herzen. Außerdem wäre ein Vorfahre des Sängers Wanda, Santino Ceccarelli, rund um Bologna harmonikaspielend und schnapssaufend durch die Lande gefahren – daher also der Titel.

cover_wandaEin Spezl von mir wollte wissen, welcher Mensch denn für besonders viel Amore stehe. Die Antwort ist dann doch tiefgründiger als gedacht: Begonnen habe das bei einem indisch-stämmigen Menschen, Mahatma Gandhi, in Wandas Augen „die zentrale Figur in der Hippie-Bewegung“. John Lennon wäre schon auch noch so einer ebenso wie die Geschwister Scholl. Es geht Wanda offensichtlich um die universelle Liebe und nicht um Romanzen. Und wofür stehen Wanda? „Wir wollen das Publikum unterhalten, weil sie das verdient haben und weil es, zumindest in Österreich, eine lange Flaute gab, was gute Rockmusik betrifft.“ Na, schüchtern sind sie nicht, die Schlafanzughosenträger von Wanda.

Wanda kritisiert seine Musiker-Kollegen im eigenen Land: Sie würden in schlechtem Englisch singen, das weder sie selbst noch Amerikaner verstehen würden. Ihre eigene Musik zeichnet sich durch den Wiener Dialekt aus, das Raunzen mancher Wörter, das alles sofort nach Wiener Lied und dem einen Achterl zu viel klingen lässt. Begleitet werden die Songs von Klavier und Gitarre – das aber eher in Indie-Manier als gediegen. Eine gute Mischung!

Wanda werden oft als Austro-Pop bezeichnet. Man muss aber unterscheiden: Zwischen dem Austro-Pop, der nach Après Ski und zu viel Schnaps stinkt, und dem, der Indie mit Wiener Zungenschlag und auf FM4 die Nummer eins ist. Wanda ist sich durchaus bewusst, dass die Band hier ein großes Erbe antritt – es gab guten und es gab schlechten Austro-Pop. Hansi Lang oder auch Falco zählt Marco Michael zu den Sternstunden des Genres. Anfangs war Wanda froh, dass die Band dank der Gattung „Austro-Pop“ von der Presse so gefeiert wurde, allerdings sind diese Zeiten vorbei: Diese Schublade passt einfach nicht wirklich zur Band. Das einzige, was sie für Austro-Pop qualifizieren würde, wären die Wörter des Wiener Dialekts, die sich in ihren Songs finden. Und heutige österreichische Musik? Bilderbuch und den Nino aus Wien finden sie gut. Sonst nicht so viel.

Liebe und Tod sind die großen Themen, auf denen Wandas Lieder basieren. Was gäbe es auch noch anderes mehr? Das Leben, klar. Aber das Leben hat sich verändert:  Jeder könne in der ganzen Welt leben, aber zum Sterben geht man nach Wien, wie es in ihrem Song „Schickt mir die Post“ heißt. An den Themen und den Songs wird sich hoffentlich in Zukunft auch nichts ändern: Album Nummer zwei ist so gut wie fertig und Lieder für eine dritte Platte gibt es ebenfalls schon. Sie sind fleißig, die Buben von Wanda. Bei ihren Konzerten haben sie spätestens nach dem dritten Song das Publikum auf ihrer Seite, erzählt Marco Michael – egal ob zuhause in Wien oder andernorts.

Marco Michael Wanda schreibt die meisten Lieder, ist der Sänger und auch Sprecher der Band Wanda. Er erzählt vom relativ gediegenen Lebenswandel der Band, von den ausverkauften Konzerten, bei denen alle durchdrehen, und davon, dass er sich mit seiner Band nicht so gern in eine Schublade stecken lassen möchte. Dazwischen wirft Marco Michael mit Zitaten von Bukowski, Ginsberg, Schopenhauer und Hemingway um sich und philosophiert über das Leben, den Tod und die Kunst. Ab und zu lässt er Wandas Erfolg ein wenig zu sehr heraushängen und man möchte ihm manchmal „Red halt nicht ganz so arg geschwollen daher!“ entgegen schreien, aber dann stellt man fest, dass genau das diese Band ausmacht: das Raunzen, das Schlau-Daherreden, die Ironie. Und letztendlich resümiert Marco Michael Wanda dann auch ganz selbstreflektorisch: „Mich? Mich braucht keiner. Aber Amore? Amore brauchen alle!“ Absolut.

Das Album „Amore“ von Wanda ist am 17. Oktober in Deutschland bei Problembär erschienen.

Foto: the music minutes