Jungle lieferten mit ihren warmen Grooves bereits meinen persönlichen Sommer-Soundtrack in GoldAm 24. November stellten sie die Songs ihres großartigen selbstbetitelten Debüts live in München vor. Das Publikum ließ sich von den basslastigen Grooves des siebenköpfigen Kollektivs aus London mitreißen. Für kurze Zeit verwandelte die Band die Muffathalle in eine groovy Elektro-Funk-Disco.

jungle_kleinDas UFO landete gegen halb zehn. Unter lautem Getöse und grellem Lichterflimmern tauchten die sieben Musiker und Sänger von Jungle auf der Bühne auf. Für die kommenden knapp 45 Minuten verwandelten Jungle die Münchner Muffathalle in eine groovy Elektro-Funk-Disco. Mit ihren elektronisch angehauchten und sehr relaxten Soul-Songs, darunter „Platoon“, „Julia“ und „Drops“, begeisterte die britische Band die nicht sehr volle – und im hinteren Bereich sogar durch einen Vorhang verkleinerte – Location.

Es ist nicht leicht, den eklektischen Stil von Jungle zu beschreiben. Die Genius-Funktion auf dem iPod – also eine Art „Was dir auch gefallen könnte“ mit Songs, die laut Apple zusammenpassen – spuckt bei Jungle Titel von so unterschiedlichen Künstlern wie alt-J, Royal Blood, Warpaint, Arcade Fire, Junip, Rhye, Broken Bells und Haim aus.

Live kommen die Stücke des Jungle-Albums sehr funky daher. Ein paar Synthie-Tupfer und ordentlich Bass. Genau wie auf der Platte. Nur dass die Elektro-Spielereien beim Live-Set in den Hintergrund treten. Stattdessen erzeugt die Band einen angenehm souligen Retro-Sound. Percussion, Bass und Drums geben den Rhythmus vor, Handclaps und Fingerschnippen setzen verspielte Akzente. Die schlürfenden, basslastigen Beats von Jungle passen perfekt zu den Münchner Neo-Disco-Sounds von Labels wie Gomma und Compost Records. Hier wird eher geschunkelt als wild abgezappelt. Und so schwoft das bunt gemischte Publikum, bestehend aus Hipstern und älteren Soul-Liebhabern, gelassen und lässig zu den Songs von Jungle. Die Musiker beschränken sich auf ein Minimum an Interaktion, stattdessen wird gefunkt. Schließlich soll hier nicht geplaudert, sondern gedanced werden.

Die Lichtshow ist sehr schlicht, aber wirkungsvoll: Im Hintergrund erstrahlen die Buchstaben des Bandnamens mal in rot, mal in grün. Und natürlich: in Gold. Ein bisschen fühlt man sich in die Siebziger zurückversetzt. Alles strahlt, funkelt und glänzt. Disco-Glamour an der Isar.

Die Frise & The Gang

Die Band, von deren Mitgliedern während des Gigs meist nur die Silhouetten zu erkennen sind, tritt als Einheit auf. Eine ziemlich coole Gang. Nur die Frisur des Keyboarders – halblange, nach hinten gegelte Haare, darüber ein Gummiband – passt nicht ganz ins Konzept. 

Gegen Ende gibt es den Stomper „Busy Earnin'“, zur Zugabe geben Jungle dann noch „Time“ zum Besten. „Time and time again“, singen sie da. Ja, wir könnten auch noch viel viel länger. Aber: Das Konzert ist schon zu Ende. Wen wunderts, schließlich ist das Debütalbum von Jungle gerade mal 40 Minuten lang. „You’re fuckin‘ awesome“, bescheinigt uns die Frise – welche der sieben Musiker auf der Bühne nun die beiden ominösen Jungle-Kreativköpfe sind, wissen wir übrigens bis zum Schluss nicht so genau.

Es war ein kurzer Besuch. Wir freuen uns auf den nächsten Gig. Im März 2015 spielen Jungle beim m4music in Zürich. Wir werden dabei sein.

Fotos: themusicminutes