Keinen Bock auf Sternsinger und „Last Christmas“? Keine Panik, in den Wochen vor den Feiertagen gibt es einige Möglichkeiten, dem vorweihnachtlichen Wahnsinn zumindest für einen Abend zu entfliehen. Hier unsere Konzert-Highlights für den Dezember.

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1. Dezember CLUESO
Auf seinem sechsten Studioalbum „Stadtrandlichter“ kombiniert der Erfurter Singer/Songwriter erneut clevere deutsche Texte mit Folk-Melodien und dezentem Elektro-Krimskrams. Live ist Clueso immer eine Wucht, gemeinsam mit seiner Band will er „das Piratenschiff komplett ausfahren, alle Segel setzen und richtig zeigen, was Sache ist“, so Clueso im Interview. „Damit meine ich aber keine Pyrotechnik oder eine Konfetti-Party, sondern visuelle Geschichten und Kunstsachen. Es wird auf jeden Fall knallen!“ Diesen Enthusiasmus kann selbst das Zenith nicht bremsen. Hoffen wir.

1. Dezmeber OWEN PALLETT
Als dritter im Bunde an diesem Monatsersten ist der geigende und singende Kanadier Owen Pallett im Feierwerk (Hansa 39) zu Gast. Als (Wieder-)Bandmitglied von Arcade Fire durfte er u.a. bei deren furioser Show in der Jungen Garde Dresden diesen Sommer das Vorprogramm bestreiten und faszinierte als eigenwilliges, aber begnadetes Violinen-Genie ohne Schuhe, dafür mit Rambo-Stirnband.

2. Dezember Y’AKOTO
Die Hamburger Sängerin mit ghanaischen Wurzeln trat bereits als Support von Erykah Badu und Nneka auf. Inzwischen hat die junge Sängerin zwei Alben veröffentlicht und geht auf ihre zweite Headliner-Tour. In München präsentiert Y’akoto ihre ebenso gefühlvolle wie mitreißende Mischung aus Soul, Folk und Pop in der Muffathalle.

2. Dezember NORTHCOTE
Im Sommer war Northcote noch Vorband von Chuck Ragan, diesmal ist der Kanadier allein unterwegs. Man darf sich freuen: Northcote aka Matt Goud ist ein überaus sympathischer Kerl, der mit seinem Folk-Sound sicher alle Herzen erwärmen wird. Vielleicht fühlt er sich in der Milla auch sehr wohl, denn er ist die kleineren Clubs in Saskatchewan gewöhnt – und mit viel Glück erzählt er vielleicht auch eine Geschichte aus seiner langen und spannenden Musikerkarriere.

2. Dezember JOEY BADA$$
Im Sommer 2013 in Portland gesehen und für gut befunden. Leider hat das neueste Hip-Hop-Wunderkind aus Brooklyn auf seiner Deutschland-Tour seinen  damaligen Opener „Antwon“ nicht dabei, der würde dem ganzen die Krone aufsetzen. Jetzt heißt es: Kopfnicker-Modus und Brooklyn-Sound im Feierwerk an, es gibt feinsten Hip-Hop!

3. Dezember GREGORY PORTER
Ein Stimme wie Honig, Karamell und darunter noch eine Schicht Butter. Kurz: Zum Dahinschmelzen. Mit seinem letzten Album „Liquid Spirit“ avancierte der US-Jazzsänger zum Mainstream-Star. Wer keinen Kamin zu Hause macht, sollte es sich in der Muffathalle gemütlich machen. Gregory Porter sorgt garantiert für einen lauschigen Abend.

3. Dezember THE DEAD BROTHERS
Und schon wieder eine Spitzenshow in der Milla: The Dead Brothers aus Genf spielen eine wirklich sehr ungewöhnliche und wilde Mischung aus Country, Walzer, Blues,Punk und Balkan-Beats, die man sich keinesfalls entgehen lassen darf. Ihre Gigs sind für ihre Theatralik bekannt, es könnte also gut sein, dass am 3. Dezember weder ein Auge trocken noch ein Tanzbein still sein wird.

4. Dezember STROMAE
Stromae sei die Verkörperung eines smarten, zeitgenössischen, zunehmend heterogenen und stylischen Europas, schreibt die „New York Times. Auch die SZ berichtet mittlerweile im Feuilleton über den Belgier mit ruandischen Wurzeln. Hinter seinen Dance-Beats und Club-Bouncern wie „Alors on danse“ und „Papatoutai“ steckt mehr als leeres Party-Gejohle. Stromae verpackt durchaus sozialkritische Inhalte in seine innovativen Dance-Beats. Leider findet die große Sause im Zenith statt. Dürfte trotzdem ein kleines Spektakel werden.

4. Dezember THE RURAL ALBERTA ADVANTAGE
Als eine der letzten Bands dürfen The Rural Alberta Advantage im Atomic Café spielen. Am 10. Oktober ist „Mended With Gold“, Album Nummer Drei des Trios, erschienen und endlich, endlich darf man sie live auf kleinen Bühnen in Deutschland sehen. Owen Pallett, der ja in der selben Woche zu Gast ist,  hat mitproduziert und wenn neben Akustik-Gitarren Synthesizer, Glockenspiele und Cellos ins Spiel kommen, kann das nur gut werden. Für alle, die sich danach an den Abschiedsfeierlichkeiten im Atomic beteiligen wollen: Am Donnerstag verabschiedet sich die Elektro-Schiene vom Club.

5. Dezember SOHN
Er versorgte Post-R’nB-Stars wie Banks mit seinen Beats. Mit „Tremors“ legte der in Wien lebende Produzent ein vielseitiges, modernes Soul-Album vor, perfekt gegen den Herbst-Blues. Live dürfte Sohn mit seinen knisternden, prickelnden Songs für eine sehr entspannte Atmosphäre sorgen. Leider ist der Gig im Strom inzwischen bereits ausverkauft.

6. Dezember LAMB
Lamb gelten als große Trip-Hop-Pioniere aus Manchester. Wenn sie im Strom auftreten, darf man gespannt sein, ob sie nur die neueren Stücke, die eher in die Pop-Richtung wandern, spielen oder auch die alten Songs, die sich mehr an Drum’n’Bass und Jazz orientieren. „Backspace Unwind“ heißt das Album, das das Duo im Oktober veröffentlichte und davon gibt es ganz sicher den ein oder anderen Track live zu hören.

6. Dezember BOSSE
Schon auf fünf Alben bringt es Singer-Songwriter, Gitarrist und Bandkopf Axel „Aki“ Bosse  inzwischen. Mit ganz viel Charme und großen Entertainerqualitäten geht er auch live ans Werk, egal ob mit Strom, oder in fast intimer Akustik-Manier, wie als Support beim Münchner Olympiahallen-Konzert der Sportfreunde dieses Jahr. Deutschsprachiger Indiepop mit Herz und Verstand. So gehört sich das. Das Konzert in der sehr hübschen Alten Kongresshalle ist leider bereits ausverkauft.

14. Dezember BEATSTEAKS
Die Beatsteaks sind ja schon eine Institution. Über das aktuelle Album „Gentleman Of The Year“ kann man streiten (über das davor ehrlicherweise auch), aber live sind sie wohl nach wie vor ordentlich in Fahrt. Im September haben sie bereits für ein kleineres, aber wohl durchweg begeistertes Publikum das Backstage auseinander genommen. Wenn sie also diesmal im Zenith auflaufen, könnte das durchaus auch was werden (v.a. wenn sie die Setlist wieder schwerpunktmäßig mit früherem Material bestücken…)

16.+17. Dezember TURBOSTAAT
Die Flensburger haben Geburtstag! 15 Jahre, 2 Abende, 65 Lieder. Bäm! Wenn das Mal kein würdiges Konzept für diesen feierlichen Anlass ist. Turbostaat reicht live so schnell keiner das Wasser, und Kartenbesitzer für die Doppelsause dürfen sich auf gleich zwei Abende Abriss in Folge freuen. Im Kombiticket enthalten ist die extra gepresste Jubiläumsplatte, für das Spektakel im Backstage gibt es noch Restkarten auf ihrer Seite zu bestellen. Auf, Auf!

19. Dezember BEASTS FROM SOUTHEAST DJ SET
Kein Live-Event dafür aber ein DJ Set, das wir euch hier ans Herz legen. An den Plattentellern des guten alten Netzer fuhrwerkt an diesem Abend das schnittige Duo DJ El Delgado und DJ Turnstile herum und erfreut uns mit allem, was das gitarrenliebende Herz begehrt. Von The Bronx zu Hot Water Music, von Fugazi zu Royal Blood, von den Weakerthans zu Brody Dalle, von Frank Turner zu Lagwagon, Hauptsache es rummst. Ihr Einstandsabend war fulminant, und auch die Wiederholung wird sich wieder gewaschen haben!

20. Dezember SAMARIS
Das Trio aus Island wandelt, wie nicht wenige ihrer Landsmänner und -frauen auf Björks Pfaden. Gesang, Klarinette und Laptop sind ihr Instrumentenarsenal, sphärischer Elektro-Pop ihr Metier. In ihrer Heimat erfreuen sie sich schon deutlich größerer Bekanntheit und Beliebtheit als hierzulande und durften natürlich auch nicht beim diesjährigen Iceland Airwaves fehlen. Wer sich für einen Abend in das Land von Geysiren, Elfen und Polarlichtern flüchten will, der ist im Milla goldrichtig.

22. Dezember HUNDREDS
Sie gehören zu den angesagtesten Hipster-Bands des Jahres. Das Geschwister-Duo aus Hamburg konnte sich dank englischen Texten und berührendem elektronisch angehauchtem Indie-Folk-Pop international durchsetzen. Kurz vor den Feiertagen sorgen Eva und Philipp Milner alias Hundreds nochmals für ein kleines Konzert-Highlight im Ampere.

In der vermeintlich staden Zeit ist also einiges geboten, und man sollte nicht alle Kröten für Weihnachtsgeschenke und Schädel-Glühwein rausdonnern, sondern sich lieber auch noch ein paar gepflegte Live-Shows genehmigen. Auch diesen Monat wünschen wir wieder ganz viel Vergnügen bei den Konzerten eurer Wahl. Wir melden uns an dieser Stelle wieder mit dem Programm für Januar 2015. Haut rein!

 

Foto: Daniel Ebersole via Unsplash