Unsere vorweihnachtliche Zeitreise geht weiter: Vom All beamen wir uns ins Land der Pharaonen, Pyramiden und Cleopatra. Die kommenden Tage geht’s ins Alte Ägypten bzw. in eine Fantasiewelt, die Popstars sich ausgedacht haben. Und versprochen, Weihnachtssongs sind auch dieses Mal garantiert nicht dabei.

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Gewhamt wird bei uns niemand! Wer keinen Bock auf Radio-Dauergedudel von Wham!, Mariah Carey und Melanie Thornton und „Leise rieselt der Schnee“-Berieselung bei der Geschenkeschlacht im Kaufhaus hat, ist hier genau richtig: Wie letztes Jahr haben wir einen Adventskalender der etwas anderen Art gebastelt. Jeden Tag gibt’s ein Türchen zu öffnen, hinter dem sich ein musikalisches Schmankerln versteckt. Von Rock über Hip-Hop bis Pop, Trash und Elektro – Hauptsache, die Songs haben nichts mit dem Festtagsfrohsinn zu tun. Die Adventswochen stehen dabei jeweils unter einem (un-weihnachtlichen) Motto. Also, Eierlikör parat stellen, und weiter geht’s: Von Ursis Outer-Space-Odyssee beamen wir uns in eine mystische Welt mit funkelnden Kajal-Katzenaugen und jeder Menge Prunk. Wie genau wir auf die Welt der Pharaonen gekommen sind, weiß ich nicht mehr so genau. Feststeht: Cleopatra und Co. haben bereits einige Popstars inspiriert. Dass dabei nicht an einseitigen Klischees gespart, ist klar. Aber um akurate historische Darstellungen geht es im Pop ja bekanntlich meist weniger. Die Alten Ägypter wussten eben, wie man prunkvolle und pompöse Partys feiert.

8. Dezember: Michael Jackson, „Remember The Time“
Los geht’s mit einem Klassiker der von Pharaonen inspirierten Pop-Welten: David Bowies Gattin Iman und Eddie Murphy als gelangweiltes, ägyptisches Königspaar werfen ein paar unbegabte Entertainer den Löwen zum Fraß vor – bis schließlich ein in funkelnder Gold-Corsage gekleideter Michael Jackson in Erscheinung tritt und der jungen Pharaonengattin den Kopf verdreht. Vor einem Pyramiden-Panorama kommt es schließlich zum großen Knutschen, bevor Michael Jackson und seine Tänzer mit einer vom Alten Ägypten inspirierten Choreo verblüffen. Das Musikvideo zu „Remember The Time“, der 1992 veröffentlichten zweiten Single vom „Dangerous“-Album, ist mit seinen neuen Minuten ein Mini-Movie geworden und trumpft mit einigen Gast-Auftritten u.a. auch von Basketball-Star Magic Johnson auf. Zum New-Jack-Swing von Teddy Riley bouncen wir in den achten Advent.

9. Dezember: The Bangles, „Walk Like An Egyptian“
Die Bangles, eine der ersten Girlbands mit crazy Frisuren, landeten mit ihrem Song einen Nummer-eins-Hit in Deutschland und in den USA. Im Video tanzen Banker auf der Wall Street, Kellnerinnen, Politessen, Bauarbeiter und Feuerwehrleute in einem den altägyptischen Reliefs nachempfundenen Stil. Durch sehr rudimentäre Special-Effects machten sogar Lady Diana und die Freiheitsstatue mit. Die ursprüngliche Idee dahinter: Der Songwriter hatte Arbeiter auf einer Fähre beobachtet, die versuchten, die Balance zu halten. Trotz der harmlosen (Synthie-)Pfeifmelodie barg der heutige Pop-Klassiker durchaus politischen Zündstoff. Immerhin stürzte 1986, als die Single aus dem Erfolgsalbum „Different Light“ veröffentlicht wurde, der Erste Golfkrieg die Nahost-Region ins Chaos. Sensibilität war angesagt. Die BBC setzte „Walk Like An Egyptian“ auf eine Liste von Titeln, die nicht gespielt werden sollten. Nach dem 11. September 2001 wiederholte sich das Prozedere in den USA. Nichtsdestotrotz kam der Bangles-Song im Arabischen Frühling zum Einsatz. Die Lyrics sind war voll von Vorurteilen („Foreign types with the hookah pipes say/Way oh way oh, way oh way oh“) und auch die visuelle Umsetzung ist nicht ganz politisch (und historisch) korrekt, dennoch: ein fabelhafter Pop-Song. Und wer den „sand dance“ selbst ausprobieren möchte, das geht so: „Slice your feet up the street, bend your back, shift your arm, then you pull it back“. Oh-way-oh!

10. Dezember: FKA Twigs, „Two Weeks“
Post-R’n’B-Shootingstar FKA Twigs inszeniert sich im Video zu „Two Weeks“ als betörend schöne Kleopatra. Mit zarten, minimalistischen Bewegungen preist sich die Sängerin ihrem Liebsten an, während sich im Hintergrund ihre Tänzerinnen verrenken. In dem Song geht es darum, einen Mann von einer sexlosen Beziehung wegzulocken. Nach und nach gibt die Kamera den Blick auf das komplette Szenario frei – und lässt das Ganze in ungewöhnlichen Dimensionen erscheinen. Textlich geht’s ganz schön zur Sache: „My thighs are apart for when you’re ready to breathe in“, säuselt FKA Twigs, während Milch aus ihren Fingern spritzt. Ihr wolltet keine weihnachtlichen Songs – et voilà!

11. Dezember: Pharao, „I Show You Secrets“
Nein, schön ist das nicht. Aber da der Name Programm ist und damit perfekt zu unserem Wochen-Motto passt, konnten wir nicht widerstehen: Das völlig zu recht längst in Vergessenheit geratene Eurodance-Duo Pharao landete mit „I Show You Secrets“ anno 1994 einen Top-10-Hit in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Duo adaptierte das Alte Ägypten für die Zukunft. Das Budget von Michael Jackson stand dem deutschen Projekt natürlich nicht zur Verfügung, dementsprechend billig wirkt der Clip. Gold, Glitzer, Geböller – und eine Schlange ist auch mit von der Partie. Fazit: Vier Minuten können ganz schön lang sein. Übrigens: Die Sängerin stammt angeblich wirklich aus Kairo, unterstützt wird sie von „Rapper“ Deon Blue. Wer noch nicht genug hat, hier gibt’s noch mehr von Pharao. Und es wird noch besser: Auf Facebook kündigt das Münchner Dance-Team „a lot of gerat news“ für 2015 an.

12. Dezember: Weezer, „Cleopatra“
Nach dem gestrigen Eurodance-Trash gibt’s ein bisschen Balsam für die Ohren: Weezer widmeten auf ihrem neuen Album „Everything Will Be Alright In The End“ einer Dame einen Song, die in ihrem Verhalten offensichtlich an die stolze ägyptische Königin erinnerte. Die Verflossene, besungen als „Lady Pharao, die Perle des Nils“, werde Millionen Männern die Köpfe verdrehen, schmachten Weezer. Ein Video mit post-ägyptischen Einflüssen gibt’s leider nicht dazu. Schade, das hätte ziemlich lustig werden können: Cleopatra mit College-Jacke, die den schmachtenden Jungs bei einer Pool-Party über ihre Sonnenbrille hinweg kühle Blicke zuwirft. Hier gibt’s das offizielle Audio-Video.

13. Dezember: Katy Perry, „Dark Horse“
Nein, schön ist das leider wieder nicht: Katy Perry entdeckt Hip-Hop und Trap und spielt ein bisschen damit. Immerhin gibt’s was zu Gucken. Mit ihrem Clip zu „Dark Horse“ hat Katy Perry aka Katy Pätra das Post-Alte-Ägypten-Motto perfekt umgesetzt: viel Pomp, Prunk und krass funkelnde Katzenaugen. Ein bisschen cruisen auf dem Nil lag auch noch im Budget. Die Sneaker ihrer an Camerons Avatare erinnernden blauen Diener gehören zum Konzept: Katy Perry verschmilzt die Kultur des Alten Ägypten mit der Hip-Hop-Szene von Memphis, Tennesssee. Aha. Und hier gibt es noch ein bisschen gute Musik: Egyptian Hip-Hop – die leider lediglich aufgrund ihres Namens zum Wochenmitte passen – mit „Moon Corner“.

14. Dezember: Die Ärzte, „Gehn wie ein Ägypter“
Nach dem Pop-Gedudel gibt’s – wie im Titel angekündigt – zum Abschluss der Pharao-meets-Pop-Woche noch ein wenig Punk. Die Ärzte nahmen sich 1987 die Bangles zur Brust und spielten „Walk Like An Egyptian“ auf Deutsch ein. Auf altägyptische Tanzstile verzichtete die Band (damals noch zu zweit), auch Zungenküsse mit der Sphinx und Orgien mit Kleopatra gibt es im Video nicht zu sehen, dafür treibt eine Mumie ihr Unwesen. Die perfekte Überleitung zur nächsten Woche unseres Anti-Adventskalenders. Ab Montag wird gekloppt. Übrigens: Bela B, der im Video seine weibliche Seite zeigt, wird heute 52! Happy Birthday!