Madonna macht uns einen halben Beyoncé! Nachdem Demos ihrer neuen Songs illegal im Netz aufgetaucht waren, hat die Queen of Pop nun überraschend sechs Songs offiziell veröffentlicht. Ihr 13. Studioalbum heißt „Rebel Heart“ und wurde für März 2015 angekündigt. Madonna spricht von einem verfrühten Weihnachtsgeschenk. Leider lassen die sechs Songs nichts Gutes erahnen – was bei Kollaborateuren wie Avicii auch nicht anders zu erwarten war.

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Die Vorgeschichte

Zwei Jahre nach ihrem farblosen Dance-Album „MDNA“ machte Ende November ein neues Madonna-Stück namens „Rebel Heart“ im World Wide Web die Runde. Die Queen of Pop war nicht amused. Wenige Wochen später tauchten dann ganze 13 neue Madonna-Tracks im Netz auf, Songtitel inklusive. Die erzürnte Pop-Diva fand drastische Worte. Via Instagram sprach die alte Drama-Queen von „künstlerischer Vergewaltigung“ und einer „Form von Terrorismus“. Für diese Ausdrucksweise gab es zu Recht Schelte. Mittlerweile sind die Posts gelöscht und Madonna appelliert an ihre Fans, den geleakten Songs keine Beachtung zu schenken: “Thank you for not listening! Thank you for your loyalty!“, so die 56-Jährige auf Twitter. Die Stücke seien unfertige, frühe Demo-Versionen, die vor langer Zeit geklaut wurden.

Damit nicht genug: Seit 20. Dezember sind sechs neue Madonna-Tracks legal verfügbar. Die Madonna-Maschinerie läuft wieder. Zuvor waren weder der Titel des neuen Albums noch ein Release-Datum bekannt gewesen. Ursprünglich sollte die Single „Living For Love“ am Valentinstag erscheinen, lässt Madonna über ihre Homepage verlauten. „Ich ziehe es vor, dass meine Fans die fertigen Versionen der neuen Songs hören, anstatt unfertiger Tracks, die im Netz kursieren.“ Die sechs nun offiziell veröffentlichten Songs sieht Madonna als ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk für ihre Fans.

Mit dem plötzlichen Release tritt der Superstar in die Fußstapfen von Beyoncé. Die R’n’B-Sängerin hatte im Dezember 2013 ihr selbstbetiteltes fünftes Studioalbum ohne vorherige Ankündigung oder Promotion-Kampagne digital veröffentlicht. Zusätzlich hatte sie zu jedem Song einen Videoclip produziert. Madonna hat uns also quasi einen „halben Beyoncé“ gemacht. Immer mehr Stars setzen auf den Überraschungseffekt und veröffentlichen ihre Alben quasi aus dem Nichts – dazu gehören etwa auch U2, David Bowie und D’Angelo. Der Blog Popjustice hat genaue Definitionsmerkmale aufgestellt.

Am 9. Februar werden weitere Madonna-Songs veröffentlicht. Das komplette Album soll hierzulande dann am 10. März über das Universal-Music-Label Interscope Records erscheinen. Insgesamt enthält das neue Madonna-Album „Rebel Heart“ 19 Songs, sechs davon sind ab sofort bei iTunes erhältlich und können bei Spotify und Co. gestreamt werden.

Die Songs

Aufgenommen wurde das Material von „Rebel Heart“ in New York, Los Angeles und London. Wie immer scharte Madonna eine illustre Produzenten-Schar um sich. Mit von der Partie sind u.a. Diplo, Kanye West und der Kanadier Billboard, der zuvor mit Kesha gearbeitet hat. Außerdem sollen Avicii und Ariel Pink sowie Songwriter wie Ariel Rechtshaid, Natalia Kills und Ryan Tedder neue Hits für Madonna gebastelt haben. Wir haben mal in das neue Material reingehört.

„Living For Love“, ursprünglich als erste offizielle Single geplant, macht durchaus Hoffnung: Ein an frühe Gay-House-Hymnen erinnernder Club-Track mit Gospel-Backgroundchor. Klingt ein bisschen nach „Like A Prayer“ anno 2014. Madonna und ihr Kreativteam haben ihre Hausaufgaben gemacht und setzen auf das derzeitige House-Revival. Fast könnte man meinen, Madonna finde zu ihren Wurzeln zurück.

Der zweite Song „Devil Pray“ klingt dann aber schon wieder nach austauschbarem Dance-Gedöns. Ein knarzender Bass, ein bisschen Dubstep und eine an „Don’t Tell Me“ erinnernde Akustik-Gitarre – Avicii hatte unüberhörbar seine Finger im Spiel. „Ghosttown“ ist ein seltsamer, schnell vergessener Popsong, während Madonna in „Unapologetic Bitch“ mit einem Dancehall-Beat um die Ecke kommt – ganz klar Diplos Handschrift.

Im düsteren Hip-Hop-Elektro-Fetzen „Illuminati“, produziert von Kanye West, hat Madonna eine recht bizarre gesellschaftskritische Botschaft parat, um dann in „Bitch I’m Madonna“ gemeinsam mit Nicki Minaj ihren Booty zu Dubestep-Beats zu bouncen.

Die Zeiten, in denen Madonna popkulturelle Akzente setzte, sind längst vorbei. Stattdessen biedert sie sich dem Zeitgeist an und hinkt aktuellen Trends hinterher. Aus der Vorreiterin ist eine Vorturnerin geworden. Gutes Stichwort: Manche der neuen Songs dürften sich hervorragend als Anpeitscher in Madonnas Fitness-Studios machen.

Madonna „Rebel Heart“ Tracklist – so far:
1. Living For Love
2. Devil Pray
3. Ghosttown
4. Unapologetic Bitch
5. Illuminati
6. Bitch I’m Madonna

Foto: www.madonna.com