Auf Nimmerwiedersehen 2014. Hallo 2015. Letztes Jahr steckt uns noch in den Knochen und ehrlicherweise ist man gerade noch mehr damit beschäftigt das Vergangene Revue passieren zu lassen, als bedingungslos vorfreudig aufs Kommende zu schauen. Erstmal also Danke, lieber Januar, dass du uns noch etwas Zeit lässt, bis wir uns wieder enthusiastisch wie eh und je in Live-Action stürzen und dass du es generell ruhiger angehen lässt. Ein sanfter Einstieg also. Wirklich nicht verkehrt. Aber ganz ohne Vielversprechendes kommt auch der Jahresanfang nicht aus. Es gibt durchaus die ein oder andere Möglichkeit, Omas Weihnachtskohle zu investieren.

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10. + 13. Januar DIE FANTASTISCHEN VIER
Muss man die Vier Stuttgarter noch sehen? Diverse Male haben wir das sicher alle schon und irgendwie wars auch immer eine Party – die alten Lieder sind schon Instanzen – aber diesmal wieder? Schwierig. Die einen Turnen bei The Voice rum, der andere bringt wahrscheinlich seine Kommune auf Vordermann und der Vierte, naja der wird seine Zeit auch irgendwie rumkriegen. Zuletzt gabs ein Gastspiel beim Wetten-Dass Begräbnis und im Januar zieht man wieder als Hauptattraktion durch die größten Hallen des Landes. In der Olympiahalle schaut man gleich zweimal vorbei. Ist ja schließlich das 25jährige Bandjubiläum. Tut sicher nicht weh, aber Verpassen schmerzt wohl auch nicht allzusehr.

16. Januar ROYAL BLOOD
Warum der Hype um das Duo aus Brighton nicht so ganz zu uns rübergeschwappt ist – ich frage mich immer noch. Auf der Insel haben die zwei einen Raketenstart hingelegt, ihre Clubtour verkaufte in Minuten aus, mehr Termine und größere Venues folgten. Lars Ulrich (uff!) zog mit den Burschen um die Häuser und Dave Grohl outete sich als Fan. Folgerichtig lud er sie gleichmal als Support für die Wembley Gigs seiner Foo Fighters im Juni 2015 ein. 2014 war für Royal Blood der pure Erfolg aber auch irre anstrengend. Die Gesundheit machte nicht immer mit. Diverse Shows mussten abgesagt werden. Kartenbesitzer der inzwischen ausverkauften München Show können sich also glücklich schätzen. Erstens wird man sie in diesem kleinen Rahmen eher nicht mehr sehen, und zweitens darf man schwer gespannt sein, wie ihr Ohrwurmalbum und diese komprimierte Wucht aus Bass und Schlagzeug live wirken. Vermutlich darf getanzt und geflippt werden.

16. Januar PIANOS BECOME THE TEETH
Als Alternative zu Rock aus UK gibts am gleichen Abend Post-Hardcore aus Baltimore. Ehrlicherweise gar keine so leichte Entscheidung, wenn man dem Genre auch nur halbwegs zugetan ist. Die ersten zwei Alben der Formation waren ganz schöne Bretter, und auch wenn man sich mit dem Drittwerk namens „Keep You“ in etwas ruhige Gefilde begibt, packend und emotional bleibt es. Wenn also live die Brachialgewalt der früheren Nummern auf die etwas reduzierteren, atmosphärischeren Neulinge trifft, könnte das ziemlich gut werden. Oh Mann, was tun am 16. Januar? (fragt sich Kerstin)

14. Januar CURSE
Curse war schon immer ein wenig anders als seine Rapper-Kollegen im deutschsprachigen Raum: Er war oft politischer und ernster (ohne Ernst gibts Curse ja eigentlich gar nicht) und dann hat er auch weitaus früher als andere angefangen, seine Shows live mit Instrumentalisten zu spielen. Ab 2009 wurde es aber ruhiger um den Mindender – bis letzten Oktober. Da erschien nämlich sein neues Album „Uns“, das sich schön in den Top-Ten-Albumcharts einnistete. Curse hat es also immer noch drauf! Diesen Januar darf man sich also freuen: Er bespielt nicht nur die Bühne im Ampere, sondern hat neben seinen inzwischen üblichen Musikern gleich zwei Schlagzeuger dabei. Bäm. Bämbäm.

21. Januar DIE ANTWOORD
Die irren Südafrikaner kommen. Der Erfolg dieses ziemlich spookigen Duos ist kaum zu fassen. Ihre Musik, mehr aber wahrscheinlich noch ihr Konzept haben wohl einen Nerv getroffen. Diese Gestalten, dieser Style, diese Videos?! Hardcore. Live wird auch ordentlich rumgefreakt. Von Tattoo-MC-Riese Ninja und Voodoo-Knirps Yo-Landi auf der Bühne ebenso wie vom scheinbar ekstatisch dem Wahnsinn anheim gefallenen Publikum. Southside 2013 nachmittags im Zelt – eine surreale Erfahrung der speziellen Art. Die beiden abgedrehten Musiker/ Performer sind jetzt auch unter die Kinostars gegangen und spielen in Neil Blomkamps („District 9“) neuestem Werk „Chappie“ um einen intelligenten Roboter, der anscheinend außer Kontrolle gerät, sich selbst. Im Zenith heißts dann aber erstmal mit markerschütternder Fiepsstimme und Brutalo-Beats „I Fink You Freaky“ du kleiner „Ugly Boy“. Warm anziehen, Leute!

27. Januar ZOOT WOMAN
Well, hello Eighties! Wenn Zoot Woman im Strom aufspielen, kann man sich schonmal mitten in die Ära von Knight Rider und MacGyver versetzt fühlen. Seit inzwischen fast 20 Jahren gelten Zoot Woman als Ikonen des Electroclashs – auch wenn sie gerade für ihr letztes Album „Star Climbing“ vom August 2014 einige Kritik einstecken mussten. Es „clashe“ nicht mehr so wie früher, kommentierte Die Zeit. Es wäre ein brillantes Meisterwerk, schlussfolgerte dagegen Die Welt. Wer sich ein eigenes Bild machen will, sollte auf jeden Fall zum Konzert gehen, denn unbestritten ist der Ruf von Zoot Woman auf der Bühne: Das Trio ist eine exzellente Live-Band.

28. Januar GET WELL SOON
Schwabenalarm! Get Well Soon, das Musikprojekt von Konstantin Gropper aus Biberach, kommt! Letztes Jahr hat er drei EPs veröffentlicht, eine mit Cover-Songs von u.a. George Michael und Elton John (wir erinnern uns sehr gern an „Careless Whisper“ beim Tanztee). Wenn der Multi-Instrumentalist über seine Alben sinniert, klingt das manchmal etwas verkopft – von Konzeptalben über Stoizismus ist da manchmal gleich die Rede. Live kann man gespannt sein, ob Konstantin Gropper auf der Bühne des Freiheiz Cello, Klavier, Gitarre und Schlagzeug gleichzeitig spielt.

28. Januar COLD SPECKS
Al Spx, wie die in Montréal residierende Cold Spex eigentlich heißt, sorgt mit ihrem leicht düsteren Soulfunk für Furore. Im August 2014 erschien ihre zweite Platte „Neuroplasticity“ und mit genau der kommt sie jetzt auf Tour nach Europa. In München wird sie damit das Ampere mit ihrer Mischung aus Blues, Pop, Jazz, Soul und Elektro-Gefrickel zum Wabern bringen. Und über allem wogt ganz angenehm ihre dunkle Soulstimme. Eine Augenweide sollen auch stets ihre Bühnenoutfits sein: In der Vergangenheit wurden da allerlei Masken und wallende Kostüme aus den Koffern geholt. Es wird also spannend!

29. Januar INSTRUMENT
„Read Books“ forderte uns das Trio aus München dieses Jahr mit seinem aktuellen Album auf. Eine richtig gute Scheibe haben die Herren da fabriziert, und nicht nur der schmissig, vertrackte Titelsong sitzt immer noch ziemlich fest zwischen den Hirnwindungen. Nach einem hervorragenden Konzert im Atomic Café im Mai letzten Jahres, bespielen sie nun die Milla. Intelligent und eingängig, mal ausufernd, mal knackig aber immer mit großen Melodien. Und auf der Bühne bekommt dann alles erst den Raum, den es braucht. Instrument, liebe Leute, sind eine absolute Live Empfehlung!

29. Januar HOZIER
Beim letztjährigen Reeperbahn-Festival platze die Show des jungen Iren mit markanten Singer-Songwriter-Talent aus allen Nähten, kurz vor Weihnachten machte ein Video, in dem ihn bei seiner Show in Paris spontan ein ganzer Chor begleitet die virtuelle Runde. Zeit also, dass Hozier, bürgerlich Andrew Hozier-Byrne, auch bei uns in der Theaterfabrik vorbeischaut. Er macht eher Pop als Folk und ja, Mädels, lasst euch nur von der Stimme des langhaarigen, gitarrespielenden Iren verzaubern. Wer Zweifel haben sollte: Allein sein politisch brisantes Video zu „Take Me To Church“ verdient nichts anderes als reinen Respekt.

31. Januar 15 JAHRE CLUBZWEI
Aus dem ehemaligen Undergroundclub am Haidenauplatz ist über die Jahre eine Veranstalter-Institution geworden. Die Herren Frank, Vucelic und Sporrer bereicherten die Münchner Konzert- und Kulturszene seit jeher mit Event-Perlen von Live-Gig bis Lesung. Dabei bewiesen sie stets ein Händchen für Zeitgeist und einen sehr guten Geschmack. Ob Konzerte von The Notwist, Die Sterne, Tocotronic, Lambchop und Fraktus oder Lesungen von Wolf Haas und Heinz Strunk, präsentiert wird diese „Qualitätsware“ immer von Clubzwei. Nun feiert die Agentur 15. Geburtstag und lädt dazu eine feine Auswahl heimischer und auswärtiger Bands. Der Ösi-Hype der Stunde und die Nummer 1 der FM4 Jahrescharts Wanda sind am Start. Gesellschaft bekommen sie von ihren Landsmännern Ja, Panik sowie von Lali Puna mit Notwists Markus Acher. Dazu erwarten euch Live-Sets von G-Rag Y Los Hermanos Patchekos, Joasihno, Chuckamuck, u.v.m. DJs gibts noch obendrauf. Gefeiert wird All Areas im Muffatwerk.

Soweit so gut. Der Januar ist übersichtlich, aber langweilig wirds sicher trotzdem nicht. Auf die ein oder andere Show freuen wir uns natürlich auch schon wieder, ganz ohne geht schließlich gar nicht. Euch viel Spaß, bei den Konzerten eurer Wahl, und von uns hört ihr an der Stelle wieder in ein paar Wochen, mit einem Überblick über wertvolle Live-Spektakel im Februar.

Foto: Nathalie Gouzée via Unsplash