2014. Schön, dass du endlich vorbei bist und noch schöner, dass 2015 mit frischem Wind anfängt. Ursi blickt auf die letzten zwölf Monate zurück und schaut freudig auf die nächsten zwölf: Platten, Konzerte, Populärkultur.

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Die Welt im Jahr 2014 ist irgendwie schlecht, oft aber schon auch okay. Für die Zeiten, in denen alles mehr als okay war, sind auch in diesem Jahr mitunter Soundtracks von guten Abenden an Tresen oder sonnigen Tagen auf dem Balkon oder im Biergarten verantwortlich – einzelne Songs, ganze Alben oder als Krönung sogar ein Konzert.  Vorab: Hip-Hop und Elektro sind manchmal schon auch echt ganz fair. Klingt auch für meine Ohren manchmal noch seltsam, ist aber so. Ab geht’s:

KONZERTE
Ich zählte ja bereits meine Highlights aus dem ersten Halbjahr auf. Da lässt sich nach wie vor wenig dran rütteln: Future Islands, FM Belfast und Scooter fand ich ebenso grande wie die Augustines, Casper, Junip, Moderat und Kavinsky. Einreihen dürfen sich da aber noch George Ezra, Jungle und Kasabian als Solo-Shows. Gerade letztere haben mich ja gut umgeblasen mit ihrem rotzfrechen Briten-Sound an diesem einen Sonntag in München. Als Festival-Experience hält noch das elektronisch gehaltene Utopia Island hinter dem St. Gallener OpenAir mit. Einziger Grund für mich, den kurzen Weg nach Moosburg zurückzulegen, waren 2manyDJs. Die zwei belgischen Anzugträger, ihres Zeichens Remixer vor dem Herrn, bliesen sogar die Regenwolken weg (OK KID und Frittenbude hatten da nicht so viel Talent für). Und auch wegen HVOB hätte sich der Ausflug schon gelohnt. War ich also dieses Jahr nicht nur bei ner Hip-Hop-Show, sondern auch auf einem Elektro-Festival – wer hätte das gedacht?! Einziges Manko, liebes Utopia: Lasst die Leute doch bitte harmlose Äpfel mit aufs Gelände nehmen. Oder habt nächstes Mal wenigstens eine Verkaufsbutze mit Snickers.

PLATTEN
Knaller-Album des Jahres ist für mich ganz klar: alt-J. Ein Album wie ein Märchen, ganz groß. Mein Soundtrack für den Andalusien-Urlaub. Sogar das Flötenstück nervt weniger, als dass es mich jedes Mal auf’s Neue zum Schmunzeln bringt. Frank Turners B-Seiten-Compilation lief auch rauf und runter und die üblichen Verdächtigen, die mein erstes Halbjahr schon versüßt haben: George Ezra, Beck und Future Islands. Royal Blood pusteten mir die Trommelfelle raus und die Foo Fighters definierten den Stadionrock neu für mich. Der Trend zu altem Schönen hat sich aber weiterhin durchgesetzt: Oasis tauchte da plötzlich oft auf, alte Ryan Adams-Scheiben, The Herbaliser, The Chemical Brothers und Deichkind. Und neu neben meiner alten, verheimlichten Liebe zu Hip-Hop fanden sich plötzlich mehr und mehr deutschsprachige Songs in meinen Playlisten: Casper (immer noch). Marteria. Mehr Deichkind. Bilderbuch. Wanda. Wieder Fünf Sterne Deluxe. Kraftklub. Und Matula. Matula aus Hamburg und Kiel, von Kerstin schon ewig empfohlen, von mir im Herbst ins Herz geschlossen. Tolle Texte, große Band, ehrlicher Sound. Kann man nur lieben, was die da machen. Wenn man so will, ist das hoffentlich die Band, die mich noch lange begleiten wird aus diesem etwas seltsamen Jahr. All das und den Misch-Masch, der mich durch die letzten zwölf Monate brachte, findet ihr hier in der liebevoll zusammengebastelten Playlist:

DER REST
Ich verstand den Hype um „Guardians of the Galaxy“ nicht (Worum zur Hölle geht’s in dem Film?) und konnte das Ruhm & Ehre-Gesäusel über das Über-Buch des Jahres, The Circle, nicht im geringsten nachvollziehen. In all den Jahren und den vielen gelesenen Büchern hat mich keine so sehr gelangweilt und genervt wie die Alte vor ihren neun Monitoren. Godzilla war bewusst großes Trash-Kino, Exodus mit  Christian Batman Bale wird das wohl weniger bewusst werden. Und was sollte eigentlich der dritte Teil vom Hobbit? Dass zum Schluss noch Pippin aus dem Herrn der Ringe den Ed Sheeran gibt – COME ON! Bin ich von jemandem wirklich enttäuscht dieses Jahr? Nein, nicht so wirklich. Meine Erwartungen an The  Black Keys waren einfach zu hoch und auch wenn das Album toll ist, Dan Auerbach hat dieses Jahr einfach besser für andere produziert. Im Dezember wurde außerdem noch bekannt gegeben, dass Yvonne Catterfeld jetzt Tatort-Ermittlerin wird. Vielleicht singt sie dann ja auch. Grund genug, eine neue Sonntagabend-Routine zu finden.

FÜR 2015
Es wird neue Festivals geben in Deutschland und damit vielleicht auch die Erkenntnis, dass München einfach doch kein gutes Musikding im großen Rahmen zustande kriegt. Ich freue mich wie eine Schneekönigin auf das Konzert von alt-J im Februar. Die Shows von Royal Blood werden allein schon wegen der Vorband, den Mini Mansions, super. José González veröffentlicht nicht nur sein neues, tolles Album „Vestiges & Claws“, sondern kommt auch noch auf Tour. Der Wu-Tang-Clan kommt angeblich auch komplett für ein paar Festivals, aber ob das noch mal was wird? Eigentlich ist „A Better Tomorrow“ ja eher ein Album von RZA and Friends anstatt von the Wu. Und was  sich Deichkind für ihr Album und die kommenden Shows ausgedacht haben, könnte ich nicht einmal im ärgsten Zuckerrausch erahnen. Ich denke, dass man von der Band Hinds, die bis vor einer Woche noch Deers hieß, viel hören wird. The Minutes, die alten Haudegen aus Irland, kommen vorbei, Muse werden meinen Musikhimmel mit der neuen Platte hoffentlich ordentlich durchmischen und Mark Ronson bringt mich zum Tanzen. Ich habe für diesen September fest das Reeperbahn-Festival eingeplant.

Die Cast für die zweite Staffel True Detective steht fest, aber ich weiß nicht, ob ich mir Taylor Kitsch aka Tim Riggins aus FNL aka der Typ aus schlechten Filmen als Lead-Detective vorstellen möchte. Ich glaube irgendwie schon. Stars Wars und Jurassic World werden sicher total gute Filme – denn manches muss man sich einfach schön reden. Ich will endlich The Wire zu Ende gucken und Siegfried Lenz‘ Deutschstunde zu Ende lesen. Und ich möchte einfach ein bisschen bessere Nachrichten in der Welt im Jahr 2015. Das ist doch wohl nicht zu viel verlangt, oder?

Bock habe ich natürlich auf viele weitere Konzerte, Platten und Verlosungen. Hier. Mit euch. Auf 2015!