Lust auf ein bisschen guten, alten neuen Soul? Hier sind eine Band und ein Solo-Künstler, von denen man hoffentlich bald sehr viel mehr hören wird: Die Ephemerals aus London und Leon Bridges aus Texas.

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Die Ephemerals sind sechs Jungs, ein Musikerkollektiv aus London. Sechs Jungs, die ihre Wurzeln in Jazz, Soul und Afro Beats haben. Sechs Jungs, die irre guten Soul machen, der einen sofort in eine andere Zeit zu beamen scheint. Ihr Debüt „Nothin‘ is easy“ ist letzten Herbst erschienen und man fragt sich beim Hören berechtigterweise, wieso man diesen Sound, diesen Soul nicht überall hört. Manchmal hört sich die bunt zusammengewürfelte Band an wie die Dap-Kings, die jeder spätestens seit Amy Winehouses Album „Back in Black“ kennen sollte. Apropos Amy Winehouse: Damals dachte ich ein Revival von gutem Soul, der nach Motown und Barber-Shops klingt, wäre zum Greifen nah. Doch leider starb diese Hoffnung ganz wörtlich genommen mit der großen Amy.

Zehn Songs spielten die Ephemerals für „Nothin‘ is easy“ ein und hier ist alles dabei: Instrumentalstücke, bei denen Saxofonisten und Trompeter und Hammond-Orgel perfekt zusammenpassen ebenso wie Piano und Percussion. Erst zum Grande Finale spielen alle Instrumente gemeinsam. Es klingt wie wenn man bei einer Session zuhören dürfte! Ihre erste Single „You Made Us Change“ ist eine rleativ getragene Nummer, die nach Siebzigern, Motown und Öl klingt. Mit kaum einer Nummer auf dem Album verhält es sich anders. Sie sind unglaublich gut eingespielt und abgemischt und schon keimt in mir wieder die Hoffnung auf, dass man diese Musik doch bitte wieder öfter überall hören will. Der letzte Song des durch und durch souligen Albums heißt „Life Is Good“ und damit haben die Ephemerals recht – mit Alben wie diesem wird es nur noch besser.

Die Ephemerals haben unter der Federführung von Gitarrist Hillman Mondegreen in nur vier Tagen ihr komplettes Album aufgenommen und jedes der Bandmitglieder trägt seinen Teil zu diesem wirklich sehr gelungenen Debüt bei: Allen voran bleibt einem vielleicht der von Wolfgang Valbrun im Kopf, der mit einer samtweichen Stimme das Soul-Gerüst aufbaut. Manchmal erinnert mich seine Stimme an den ganz frühen James Brown und bitte – besser geht es ja fast nicht mehr. Letztendlich ist es aber das Kollektiv, das einen wahnsinnig feinen Sound erstellt und so für den hoffentlich kommenden Erfolg verantwortlich zeichnet. Wo passen die Ephemerals hin? In den Soundtrack der ersten Staffeln Mad Men, in jede gute Bar und wirklich in jedes Wohnzimmer.

Leon Bridges: Fifties-Soul aus Texas 

Texas – Country Heaven? Nicht ganz, Leon Bridges mischt die Lone Star Republic ordentlich mit seinem Gospel-Soul-Sound auf. Außer seinem Heimatort Fort Worth weiß man nicht sonderlich viel von dem Texander. Er mag Sam Cooke, sein Musikstil spiegelt sich in seinem stylischen Kleidungsstil wieder und er hat ein Faible für schöne Schwarz-Weiß-Fotos, wie sein Instagram-Account offenbart. Vielleicht will Bridges vorerst seine Musik für ihn und für sich sprechen lassen: Die klingt nämlich als wäre sie live und direkt in den 1950ern aufgenommen worden:

Ein deutlicher Gospel-Einschlag ist zu hören, gemischt mit frühem Soul. Es klingt toll! Eine warme Stimme, Klavier, Gitarre, unaufdringlicher Background-Chor und sehr zurückhaltende Drums – mehr braucht Bridges nicht. Seid doch mal ehrlich: Wer wackelt denn da bitte nicht im Takt mit? Bridges klingt warm und wohlig, zeitlos und einfach schön, er singt vom „Darling“, für das er in „Better Man“ gern den Mississippi River durchschwimmen möchte. Nur diese zwei Songs kann man auf seiner Soundcloud-Seite anhören und ich hoffe inständig, dass da demnächst mehr darauf zu finden sein wird. Bis dahin wird einem nichts anderes übrig bleiben als sich bei YouTube die Songschnipsel wieder und wieder anzuhören. Und vielleicht kommen ja mit mehr Tracks auch mehr Infos über den Texaner – wir bleiben dran!

Fotos: http://instagram.com/leonbridgesofficial, https://www.facebook.com/ephemeralsmusic