Was er produziert, wird meistens zu Gold: Mark Ronson hat für fast alles und jeden in der Musikwelt ein sicheres Händchen. Alle paar Jahre bringt er mit Unterstützung seiner engsten Freunde selbst ein Album heraus. Diesmal für „Uptown Special“ mit dabei: Stevie Wonder und Bruno Mars.

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Wer Boney M.-Samples verwendet, der hat sich für immer in mein Herz gespielt: Mark Ronson hat das auf seinem ersten eigenen Album „Here Comes the Fuzz“ gemacht und für den in meinen Augen besten Song der Platte „Ooh Wee“ keine Geringeren als Wu-Tang’s Ghostface Killah und Nate Dogg verpflichtet. Und natürlich das Boney M. Sample aus „Sunny“. Das erforderte 2003 durchaus etwas Mut, hat aber – wenn es nach mir geht – geklappt. Ronson machte sich sonst vor allem als Produzent einen Namen und ohne hier alle Künstler aufzuzählen, an deren Erfolg er in den letzten Jahren ordentlich mitgeschraubt hat, kommt hier dennoch eine kleine Auswahl: Robbie Williams, Adele, Bruno Mars, Rufus Wainwright, Nas, Ghostface Killah, ODB, Lily Allen und natürlich Amy Winehouse. Dann war er noch DJ bei Sir Paul McCartneys Hochzeit und der wiederum bat ihn um die Produktion eines Songs. Wie das Leben halt so spielt.

2007 veröffentlichte Mark Ronson sein zweites Album „Version“: Versionen seiner Lieblingssongs von Ryan Adams über Kasabian bis Radiohead. Er nahm das alles aber nicht allein auf, sondern with a little help from his friends: Robbie Williams, Lily Allen, ODB und Amy Winehouse sind nur einige wenige, die der gebürtige Londoner selbst bei seinen eigenen Alben in den Vordergrund stellt, während er im Hintergrund an den Reglern mischt, was das Zeug hält. Offensichtlich macht man automatisch bei Ronsons Album mit, wenn er einmal als Produzent aufgetreten ist. Berühmteste Auskopplung aus „Version“ ist „Valerie“ mit Amy Winehouse, im Original von The Zutons, wochenlang und bis zum Ohrenkrebs in den Top 20 von hier bis Timbuktu. Was gabs dafür? Diverse Awards und das absolut zu Recht. 2010 konnte seine „Record Collection“ in keinster Weise an den Erfolg von „Version“ anknüpfen und auch wenn er dafür extra mit Q-Tip seine Band „The Business Intl.“ gründete – bis auf „Bang Bang Bang“ war das irgendwie nix. Was also darf man vom 2015er-Werk „Uptown Special“ erwarten?

Der erste Track „“Uptown’s First Finale“ eröffnet mit einem Mundharmonika-Solo, das man irgendwie mit Stevie Wonders „Isn’t She Lovely“ in Verbindung bringt. Aber das geht ja nun auch nicht, man kann ja nicht einfach jeden mit Stevie Wonder vergleichen. Ab und zu lohnt sich dann aber doch etwas Mut: Kein anderer als Stevie Wonder spielt nämlich Mundharmonika im ersten Song. Ja klar, wieso auch nicht?! Aber da war selbst Mark Ronson nervös und dachte:

„Who the hell do I think I am sending a piece of music to Stevie Wonder?“

Der spielte dann aber während eines Tourstopps in Chicago seinen Mundharmonika-Part ein. Ronsons Reaktion auf die eingespielte Session? „I mean it was like it was definitely the pinnacle of musically of everything I’ve ever done. Like my absolute hero, singer, songwriter, musician, harmonica player, you know, playing this melody that I wrote […] – it’s kind of like crazy to think that has happened.”

cover_markronsonRonson sagt von seinem Album und auch seiner Person selbst, dass er, egal wie sich seine Produzenten- und DJ-Karriere entwickle, feststelle, „dass ich immer wieder zu den Sachen zurückkehre, die ich in New York in den späten 90ern, Anfang der 2000er aufgelegt habe“. Missy Elliott, Chaka Khan – Songs mit guten Drums, mit Soul. Songs egal aus welcher Ära, die die Leute in Clubs zum Tanzen brachten. Vom Model über den Dealer bis zum Skater – getanzt hätten sie alle. So soll sein „Uptown Special“ klingen und das tut es auch.

„Summer Breaking“, „Crack In The Pearl“ oder „In Case of Fire“ klingen nach pastell-kitschigen Sonnenuntergängen in Kalifornien, zu denen genau dieser Song als Easy-Listening-Hintergrundmusik vor sich hin plätschert. Easy, breezy, mit einem pinkfarbenen Cocktail in der Hand. Die Stimme kommt euch bekannt vor? Kein Wunder, denn Kevin Parker von Tame Impala steht hier mitunter am Mikrofon. Die Lyrics steuerte Michael Chabon bei, Ronsons Lieblinsautor und nebenbei auch Pulitzer-Preisträger. Es gibt Songs wie diese, die einen leicht tagträumen lassen (oder zumindest so klingen, als würde Mark Ronson das gern tun) und dann aber auch schnellere Nummern wie etwa „Feel Right“. Es kommt Funk-Geplänkel ins Spiel. An dieser Stelle möchte ich jetzt ein Revival dieser Stilrichtung prognostizieren, denn mir scheint, jeder setzt grad Funk-Geplänkel ein.

Zurück zu „Feel Right“: Es ist also der erste funky Track auf „Uptown Special“. Unterstützt von Rapper Mystikal hätte der Song ebenso gut in den späten siebziger Jahren in einem Kellerclub entstehen können. Sollte jemand das Schauspieler-Pendant zu Mystikal suchen: In diesem konkreten Fall wäre es Samuel L. Jackson. Wieso? „Motherf*cker“ sagt keiner so oft wie der eine in dem Song oder der andere in all seinen Filmen. Aufgemerkt: „Feel Right“ ist ein sehr tanzbarer Song, was vielleicht an den immer gleichen Gitarrenakkorden oder auch dem Brass-Set liegt. Was Ronson damals vorhatte mit dem Club, in dem alle tanzten damals, nimmt in der Gegenwart wieder Gestalt an.

Track Nummer 4 ist, vielleicht weil man ihn schon kennt, das bisherige Highlight des Albums: „Uptown Funk“, seit fünf Wochen an der Charts-Spitze im Vereinigten Königreich. Zeigt mir die Person, die hier still sitzenbleiben kann. Bruno Mars singt und bewegt sich im offiziellen Video so, dass man ab und zu den guten MJ rausblitzen sieht. Der Song hat einfach alles: Bläser, Synthies wie im Ghostbusters-Theme, einen funky synkopierten Bass, Bruno Mars, ein „Say whaaaat?“ in bester Funk-Manier und einen absolut catchy Refrain.

Im Video außerdem den großen weißen Dude (Mark Ronson selbst), der sich demonstrativ selbst von jeglicher Tanz-Action distanziert. Der Clip ist ironisch, man sehe sich nur die pastelligen Jacketts und Mars‘ goldene Lockenwickler an. Ronson sagt darüber: “I guess the spirit of this song is like slipping into these super alter egos where you can say: ‘I gotta kiss myself I’m too pretty’ and […] be so embracing the pimpery, the pimpaliciousness and yeah, that’s kind of what it was. Bruno had most of the ideas and you know he directed the video with Cameron Duddy and you know he did a good job.”  Und auch bei Live-Auftritten hängt der Produzent lieber gern im Hintergrund rum und macht einfach seinen Job, zu sehen hier in der Ellen DeGeneres-Show. (Klickt den Link, es ist eine wahnsinnig gute Live-Performance in einem TV-Studio!)

art_markronson„Uptown Funk“ ist seit November in meiner Playlist und ich werde nicht müde ihn zu hören. Das könnte mir bei „I can’t lose“ nicht so leicht passieren: Da übertreibt es Herr Ronson fast mit seinem Synthie-Keyboard, man fühlt sich sofort in die 80er in ein Gloria-Estefan-singt-englisch-Album reingebeamt. Die Sängerin des Tracks sowie zweier weiterer ist Keyone Starr, die Ronson und sein Songwriter-Spezl Jeff Bhasker bei einem Roadtrip durch die USA in Jackson, Mississippi, entdeckten und sofort für drei Tracks verpflichteten. So schnell kann es also gehen: Vom Gospelchor in Jackson direkt in Mark Ronsons neuesten Streich.

„I’m Leavin‘ Los Feliz“ klingt wie ein Song der Beatles, der irgendwann zwischen „Revolver“ und „Abbey Road“ verloren ging. Tame Impalas Kevin Parker singt nochmal zu einem dominanten Gitarren-Riff, das Ronson selbst einspielte. Es ist ein ganz schön cooler Song, der manchmal etwas funky klingt, manchmal etwas psychedelisch. „Heavy And Rolling“ hätte auch auf dem aktuellen Album von Jungle sein können. Es hätte zumindest gut dazu gepasst, an Beats und Tanzbarkeit gemessen. Schließlich beendet Stevie Wonder mit seiner Mundharmonika auf „Crack in the Pearl Pt.II“ das Album und man drückt einfach noch mal auf Play.

„Uptown Special“, übrigens Amy Winehouse gewidmet, ist ein verdammt cooles Album. Es ist bei Weitem nicht so poppig wie „Version“ damals war, aber auch nicht so sperrig wie „Record Collection“ daher kam. Dank dem synkopierten Bass, der sich durch viele Tracks zieht und dem Synthie-Keyboard assoziiert man das ganze Album mit Funk – „Uptown Funk“, wenn man so mag. Holt die Rollschuhe aus dem Keller, die Pastell-Jäckchen aus dem Schrank und tanzt mit einem pappsüßen pinken Drink in einen kitschigen Sonnenuntergang!

PS: Entgegen aller eventuell aufkommender Kritik wird Mark Ronson in meiner Plattensammlung immer einen festen Platz haben. Nicht nur, weil er mir „Version“ bescherte, sondern auch weil er mein Guilty Pleasure, „Locked Out Of Heaven“ von Bruno Mars, produzierte. Doch das nur am Rande.

„Uptown Special“ von Mark Ronson erscheint am 23. Januar 2015 bei Sony Music.

Fotos: PR