Der gute Ryan Adams hat neulich bei Austin City Limits reingeschaut und ein paar Lieder gespielt. Kollegin Jenny Lewis war auch mit von der Partie. Für nicht in den USA ansässige Fans gibt es die Aufzeichnung seit gestern online zu sehen. Herausgekommen ist erwartungsgemäß eine knappe Stunde feinste musikalische Unterhaltung. Definitiv mehr als nur eine Alternative zum desaströsen heimischen Fernsehprogramm. Gebt euch einen Ruck Leute, das Dschungelcamp ist diesmal eh ein Trauerspiel.

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Unsereins hatte Dieter Thomas Hecks Hitparade und die Formel Eins mit Peter Illmann, die Amis hatten Austin City Limits. Während bei uns die Kultformate lieblosen Trashproduktionen á la Die ultimative Chartshow weichen mussten, hat Austin City Limits überlebt. In der 40sten Saison gibt es nun schon das Show-Urgestein, bei dem regelmäßig namhafte Künstler für einen Kurzgig vor Publikum ins Studio nach Austin kommen. Von Amerikas „Capitol of Live Music“ auf Millionen Fernsehbildschirme in der ganzen Nation. Generationen wurden mit dieser Show sozialisiert, und sie läuft immer noch erfolgreich. Erst kürzlich haben die Foo Fighters dort gespielt, und im Rahmen ihrer albumbegleitenden Doku-Serie „Sonic Highways“ gleich die komplette Austin Folge in die legendären Fernsehstudios verlegt. Sie waren nicht zum ersten Mal da, und wahrscheinlich auch nicht das letzte Mal, denn viele Künstler kommen mehrmals. Oft an einschneidenden Punkten ihrer Karriere.

So auch Adams. 2005 war er schonmal mit den Cardinals zu Gast. 10 Jahre später heißt das neueste Double Feature also Ryan Adams und Jenny Lewis. Die nimmermüde Songmaschine und die ehemalige Rilo Kiley Frontfrau haben mehr gemeinsam als ihre Wahlheimat L.A. Die beiden haben schon in der Vergangenheit immer wieder mal zusammen gearbeitet, zuletzt produzierte Adams den Großteil von Lewis zweitem Solo-Album „The Voyager“ und man absolvierte 2014 auch den ein oder anderen gemeinsamen Auftritt. Eine stimmige Kombi zweier außergewöhnlicher Singer-/Songwriter.

“The best songs are best sung by those who wrote them. There aren’t many contemporary songwriters who are better than Ryan and Jenny, or singers who can bring their songs to life as well as they can. Theirs are the kinds of songs that will stay with you long after you hear them for the first time.” – ACL executive producer Terry Lickona

Privat hat Ryan Adams wirklich bessere Zeiten gesehen, aber professionell schwimmt er grad ziemlich oben auf. Sein aktuelles selbstbetiteltes Album ist nicht weniger als ein potentiell zeitloses Meisterwerk und bekommt von Seiten der Kritiker zur Abwechslung mal ansatzweise das Lob, das es verdient. Er veröffentlicht fleißig neue 7″ seiner PaxAm Singles Series, schreibt neue Songs und produziert nebenbei noch für andere Bands. Dazu sind ausgedehnte Touren und Festivalshows angesetzt und für drei Grammies ist er obendrein nominiert. Auch wenn der chronisch übergangene Musiker diesmal wieder keinen mitnehmen sollte, er siehts gelassen. Kürzlich fragte er schon seine Twitterfollower nach Tips, gegen wen er denn diesmal wieder verlieren würde und bat die Grammy-Jury sogar um eine Kategorie für die wüsteste Frisur, damit er endlich auch mal eine Trophäe abbekommt. Hach…
Wenn man mit seinem Werk auch nur halbwegs vertraut ist (meinen Versuch eines Überblicks gibts hier), mag man es unverständlich bis skandalös finden, dass sein Kaminsims noch nicht vor diesem Goldgedöns überquillt – aber die Wege der Musikindustrie sind leider viel zu oft unergründlich. Wer sich von den exzellenten Livequalitäten des Herrn Adams überzeugen möchte, für den ist dieses kompakte Set eine tolle Möglichkeit (Seine irrsinnig gute Show beim letztjährigen iTunes Festival ist ja wohl leider nur noch in den Minen von Moria aka den Apple Archiven einzusehen). In schnittigem Double Demin mit Signature-Sturmfrisur vorm Star Spangled Banner mit Peace-Zeichen, wechseln er und seine Band The Shining mühelos zwischen alten Klassikern und neuen Hits. Es gehört schon ein Händchen dazu in nur sechs Songs eine gut 25jährige Musikkarriere zu umreissen. Einen übergroßen Fake-Amp, einen Spielhöllen-Automaten und einen ausgestopften Tiger hat er zum feierlichen Anlass auch gleich noch mitgebracht. Als kleine Kostprobe gabs vorab schon die Performance von „Let It Ride“.

Kollegin Jenny Lewis, die ebenfalls 10 Jahre nach ihrem ACL-Debüt mit Rilo Kiley wieder die legendäre Bühne bespielt, tut dies in ihrem Standard-Ensemble aus Regenbogen-Sternen-Anzug und passender Gitarre. Dazu eine rote Wallemähne, die jedes Pantene-Model neidisch machen dürfte. Also haarmäßig beide extrem weit vorne! Lewis performt Songs ihrer beiden Soloalben und auch Rilo Kiley Tracks. Eine gefeierte Indie-Pop Perle hat sie mit ihrer letzten LP abgeliefert, live macht sie ihrem Ruf hier alle Ehre und mit ihrem Kumpel Ryan das Show-Dreamteam perfekt.

Die knapp einstündige Show vom 24. Januar kann man nun online ansehen bei PBS, und zwar genau hier. Das Video ist bis zum 21. Februar verfügbar.

Hier noch die Setlists der beiden:

Jenny Lewis

“Silver Lining”
“Head Under Water”
“Moneymaker”
“Just One Of The Guys”
“She’s Not Me”
“Acid Tongue”

Ryan Adams

“Stay With Me”
“Let It Ride”
“Do I Wait”
“Dear Chicago”
“When The Summer Ends”
“Shadows”

 

Foto: PBS (PBS video)