So, jetzt ist es an der Zeit „Danke“ zu sagen. Danke, FM4. Danke, für 20 Jahre. Danke für den Soundtrack meiner Jugend, meines Studiums, meiner Freitagabende und Samstagnächte. Danke für all das. Und danke auch für die vermutlich beste Playlist, die dieser Planet je hören kann: eine Playlist aus purem Gold.

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Wenn man so will, haben wir alle vor 20 Jahren einen verdammt guten neuen Freund bekommen: Einen, der uns bespaßt hat, als wir in die Clubs des Nachbarlandkreises gefahren sind. Einen, der uns abends von neuer, nicht-mainstreamiger Musik erzählt hat. Einen, der dank seines anderartigen Programms für immer mein Leben prägen sollte. Was wären die Freitagabende ohne Stermann & Grisseman und Jürgen Dose aka Heinz Strunk gewesen? Gibt es in meiner Zeitrechnung überhaupt viel musikalisch Relevantes, das nicht durch das U-Boot Sonar und dem darauf folgenden „You’re at home, Baby!“ eingeläutet wurde? Ich bezweifle es sehr. Im Jänner vor zwanzig Jahren nahm FM4 den Sendebetrieb auf der Welle von Bue Danube Radio auf, anfangs von 19 bis 1 Uhr täglich, ab dem Jahr 2000 im Februar schließlich 24 Stunden lang, aber dafür mit Werbung. FM4 hat unsere Musikerziehung so geprägt wie kein anderer Sender oder gar MTV. Hier lief und läuft nicht der Mainstream; es gab die Zeiten, in denen viel deutsche und elektronische Musik gehört wurden – nicht meine Zeit. Und dennoch: Zum 20. Geburtstag veröffentlichte FM4 nun eine Playlist mit den 100 (Spotify: 97) besten Songs von 1995 bis 2015.

Weil diese Playlist in ihrer Gesamtheit so großartig ist wie kaum eine zweite und weil sie längst vergessene Perlen ausgräbt, kommen hier jetzt meine unbdingten Anspieltipps. Gezählt wird in Zehner-Blocks von hinten her, weil das Pferd von hinten aufzäumen nun einfach in unserer Natur liegt. Das klappt nicht, ich hätte es versucht, aber es sind einfach zu viele zu gute Songs. Ob es die vom Anfang der Sendephase sind wie Busta Rhymes‘ „Woo Ha“ oder Wandas „Bologna“ aus diesem Jahr. Ich kann euch nur ans Herz legen: Abonniert diese Playlist, schwelgt ein wenig in Erinnerungen und hört gute Musik! Es sind nur Hits dabei! Ein musikalischer Spagat von alt-J bis Wir sind Helden. Das Beste daran: Wenn ein Song aus den 97 bei Spotify verfügbaren nicht gefällt, skippt man einfach einen weiter – der ist nämlich sicher wieder nach dem eigenen Geschmack. Fehlt was? Ich hab die Bloc Party bisher nicht entdeckt und auch das in der Morning Show so oft angespielte „Your Woman“ von White Town ist nicht auffindbar. Und die Libertines (aber dafür die Babyshambles, die hierzulande ja populärer waren). Aber eh voll wurscht. Langer Rede kurzer Sinn:

Diese eine Playlist ist wie ein Soundtrack zu einem Film über unser halbes Leben. Wir waren die ersten Jugendlichen, die komplett von FM4 durchs Abi, durchs Studium und dann beim Berufseinstieg begleitet wurden und die – in meinem Fall – auch heute ohne die sendereigene Morning Show mit den zweisprachigen Nachrichten schwer bis gar nicht aus dem Bett kommen. Wir haben zu manchen der 100 Songs gelacht, bei manchen geweint und bei manchen geknutscht. Das ist „unsere Musik“, das sind unsere Songs.  Jeder einzelne davon ist ein guter. Will im Umkehrschluss heißen: Die letzten 20 Jahre waren schon echt ’ne Schau. Oder um es mit Tocotronic zu sagen (Ich dachte auch nie, dass ich das mal schreiben würde. Ich und Tocotronic….): „Ich höre dich sagen, mehr leise als laut: ‚Das haben sich die Jugendlichen selbst aufgebaut.‘ Let there be Rock.“ Danke, FM4.