WeeZTop. Noch nie gehört? Morris Day and The Haim? Nein? Late Night Talker Jimmy Kimmel hat wiedermal ein gar herrliches Format aus dem Hut gezaubert und macht im Februar jeden Montag zum Mash-Up Monday. Jeweils zwei Spitzenbands verbünden sich für einen Exklusivauftritt in seiner Live-Show zu einer neuen Supergroup. Und weil der Herr Kimmel auch nicht irgendwer ist, und seine Show mitnichten irgendein Piratensender-Format, machen den Anfang auch gleich mal Weezer und ZZ Top. WeeZTop. Ahhhhhh! Was für eine geile Idee! Wir sind begeistert. Und auch die folgenden Montage werden es in sich haben. 

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Wenn wir nur eins dieser Showformate hätten, die in den USA Standard sind, dieses Land wäre – zumindest was die Fernsehunterhaltung angeht – ein besseres. Die Amis haben sie erfunden, die Late Night Show. Bei uns hat sich Gottschalk mal versucht, auch eine Anke Engelke oder Nils Ruf. Unter allen Möchtegern Talkern war aber Harald Schmidt wohl der, der in seinen besten Zeiten dem Vorbild aus Übersee am nächsten kam. Aktuell schlägt höchstens noch eine Ina Müller ein wenig in diese Kerbe und dieser Tage beobachten wir den Siegeszug von Jan Böhmermann, der mit seinem Anarcho-Ansatz den Nerv der Zeit trifft, vor allem bei der jüngeren Genaration, und auf dieser Welle sogar bis ins Öffentlich Rechtliche schwappt. Mal sehen, ob sich sein Konzept bewährt.

Was wir hier aber nicht haben, ist ein klassischer High-Profile Talker und charismatischer Show-Host von einem Format, wie es sie in den USA gleich zu Hauf gibt. Talk-Legenden Jay Leno und David Letterman, Conan „die irre Friese“ O’Brian, Saturday Night Live-Institution Seth Myers, der überirdische Jimmy Fallon oder Prank-Meister Jimmy Kimmel. Alles Vollprofis, die anscheinend entweder mit einem zusätzlichen Satz an Genen für Kreativität, Kommunikationsstärke und Schlagfertigkeit ausgestattet sind oder die in irgendeinem geheimen Bootcamp zu den Über-Unterhalten gedrillt wurden. Man muss sich in der Konsequenz nur mal vorstellen, wie es US-Stars geht, die das Zwiegespräch mit diesen verbalen Schnellfeuerwaffen gewohnt sind (und ihrerseits von ihren PR-Schergen auf eben dieses Art von Konversation getrimmt wurden) und dann bei uns auf einen Markus Lanz treffen. Schauder.

Was diese Shows ebenso ausmacht wie ihre professionellen Hosts, ist ein schier nicht versiegender Quell an immer neunen Ideen für Rubriken, Spiele und sonstige unterhaltsame Zuckerl in den Shows. Wenn sich Jimmy Fallon nicht grade von Nicole Kidman aufklären lässt, dass er vor Jahren Mal die Chance auf ein Date mit ihr verkackt hat (wiedermal eine Sternstunde), ohne es auch nur zu wissen, verblüfft er beim LipSync-Battle mit Will Farrell oder beim Wheel Of Impressions mit Meister-Parodist Kevin Spacey. Kollege Jimmy Kimmel dürfte unter anderem bekannt sein als derjenige, der mit seinen Aufrufen zu hinterhältigsten Streichen wie „I told My Kids I Ate All Their Halloween Candy“ oder „I Gave My Kids A Terrible Present„, Kinder in der gesamten Nation an den Rand des Nervenzusammenbruchs getrieben hat und regelmäßig Stars dazu zwingt die übelsten Tweets über sich vorzulesen.

weeztopDas i-Tüpfelchen auf dem Konzept, ist die Komponente Musik. Superstars geben sich hier die Klinke in die Hand. Jeder, der etwas auf sich hält, nutzt einen Auftritt um sein Album zu promoten. Aber immer öfter geht das auch noch einen Schritt weiter. Jimmy Fallon hat sich direkt die hochdekorierten The Roots als permanente Studioband eingekauft, Kimmel legt jetzt mit einem neuen Konzept nach. Er etabliert im Februar den „Mash-Up Monday“. Einen Monat lang wird man jeden Montag eine neue denkwürdige Bandformation präsentiert bekommen. Das Konzept, jeweils eine ikonische Old-School Band und ein aktueller Hochkaräter tun sich zu einer Supergroup zusammen und treten exklusiv bei ihm auf.

Den Anfang machten Montag Nacht WeeZTop. Ja, genau, auch die Bandnamen werden selbstverständlich zu einem neuen gemixt. Die Super-Bärte von ZZ Top verbünden sich mit den formidablen Weezer und performten den ZZ Top Klassiker „Sharp Dressed Man“.

Hier die mit Spannung erwartete Kick-Off Performance. Leider nur als Soundfile, denn im ganzen verdammten Internet ist kein Video davon zu finden. Wer hätte gedacht, dass der gute Kimmel, oder sein Sender ABC, oder wer auch immer, das vor uns geheimhält. Ich hab mir echt einen Ast gesucht, aber leider nix zu machen. Sollte es doch noch auftauchen, ich werde es selbstverständlich hier ergänzen.

Wenn ein Wunsch offen bleibt, dann vielleicht, dass man das Mash-Up Konzept, das ja schon ein ziemlicher Hammer ist, noch einen Schritt weiter hätte treiben können. Dass die Supergroup sinnigerweise zwei Songs performt, einen pro Band. Weezers großartiges aktuelles Album hätte da wirklich mehr als genug zu bieten. Oder, noch besser, gleich zwei eigene Songs zu einem neuen verhackstückt. Das wär natürlich die Königsklasse!

Wir werden sehen – oder wohl eher wieder nur hören –  was die nächsten Formationen an den folgenden Montagen so abliefern. Angekündigt sind das hippe Schwestern-Trio HAIM, das wird zusammen mit der Funk-Legende Morris Day and The Time (die Band würde 1981 von Prince gegründet) zu Morris Day and the…. Na?….Richtig!…Haim. Ebenfalls am Start ist Aloe Blackstreet – die 90ies R&B/HipHop-Heroes Blackstreet („No Diggity“) zusammen mit  Aloe „I Need A Dollar“ Blacc. Huiuiui, da wird nicht gekleckert. Das LineUp für den letzten Februarmontag wird dann wohl noch als Überraschung zurückgehalten. Ziemlich sicher dürfte es aber jemand sein, der entweder eine anstehende Tour (Weezer) oder ein kommendes Album (Haim) oder beides promoten will.
Ich gebe zu, da hab ich gar nichts dagegen, wenn es auf so abgefahrene Art und Weise passiert. Ich weiß schon, dass ich mir auch die nächsten Dienstage und Mittwoche wieder einen Wolf nach den Videos suchen werde. Sollte ich fündig werden, seht ihrs hier.

 

Fotos: PR (3), https://www.facebook.com/weezer (1)