Freunde, es ist wieder so weit: Die goldenen Grammophone der Recording Academy wurden in einer sehr langen Zeremonie vergeben. Gewinner dieses Jahr sind unter anderem Taylor Swift, Sam Smith, Beyoncé, Pharell Williams und Beck. Beck! We love it!

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5:48 Uhr in München, neun Stunden eher in LA, here are the Grammys. Wir blicken auf die wichtigsten Kategorien und verraten schon jetzt: Diesmal hat uns die ansonsten eher lahme Academy überrascht, im positiven Sinn.

Disco. Recording Academy, ist das euer Ernst? Schon wieder keine Nominierungen in dieser funky Kategorie? Ich in etwas enttäuscht, und das noch vor 6 Uhr.

Großer Gewinner der großen Mainstream-Kategorien ist einer, den vor einem Jahr kaum wer kannte: Sam Smith. Die Grammophone für Record of the Year, Song of the Year, New Artist und Best Pop Vocal Album durfte der 22-jährige Brite mit nach Hause nehmen. In all diesen Kategorien setzte er sich unter anderem gegen seinen Landsmann Ed Sheeran, Sia., Katy Perry, Ariana Grande und auch Taylor Swift durch. Respekt!

Bildschirmfoto 2015-02-09 um 7.09.03 AMDen Preis für Album of the Year bekam der „Money on my Mind“-Sänger allerdings nicht überreicht: Hier durfte Beck das Grammophönchen für sein immer noch ganz großartiges Album „Morning Phase“ entgegen nehmen. Wie schön! Auch die Preise für das beste Rock-Album und „Best Engineered Album“ gingen an Beck Hansen, der nun hoffentlich anders in den Köpfen der Leute verwurzelt ist als der Sänger von „Loser“ 1994.

Wer sich wundert, wieso in der Rock-Kategorie die Foo Fighters fehlten, dem sei verraten: Bei den Grammys werden Künstler der letzten zwölf Monate ausgezeichnet – in der Zeitrechnung des Grammy-Kalenders. Der hält sich (natürlich!) nicht an das Kalenderjahr, sondern geht von Oktober bis September. Und anscheinend gab es gerade in der Rock-Kategorie so wenig Alben, dass man den Apple-Coup von U2 nominieren musste. Naja, auch wurscht jetzt, denn Beck hat uns zum Glück den Montag gerettet. Und die Herren um Dave Grohl gewinnen nächstes Jahr dann alles.

Beste Rock-Performance ist übrigens laut der Recording Academy kein Gerinerer als Jack White mit „Lazaretto“ und da hat sie auch nicht unrecht damit. Die beste Metal-Performance geht an Tenacious D und hier bitte ich die Besucher des Konzertes von „The D“ letzten Freitag in München um ihre Meinung: Ist das so? Wie leider zu erwarten war, ging Ryan Adams leer aus – keine Katzenvideos für uns heute. Statt „Gimme Something Good“ gewann ein Song von Paramore das Best Rock Song-Grammophon.

In der Kategorie „Best Alternative“ hätten wir uns auch nur sehr schwer entscheiden können: alt-J vs. St. Vincent vs. Arcade Fire vs. Jack White vs. Cage The Elephant. Das Rennen machte St. Vincent, im wahren Leben Annie Clark aus Oklahoma, die mit ihrem „Digital Witness“ einen der großen Ohrwürmer des letzten Alternative-Jahres lieferte.

Und zurück zu den poppigeren Kategorien: Christina Aguilera und Great Big World bekamen die Auszeichnung für die gemeinsam eingesungene Ballade „Say Something“ und der Preis für das „Best Traditional Pop Vocal Album“ ging an Tony Bennett und Lady Gaga für „Cheek To Cheek“. Wer es bisher noch nicht getan hat, sollte sich dieses Album dringend anhören: Es swingt, es macht gute Laune, es macht Spaß und beide singen wirklich fantastisch. Lady Gaga ohne gaga irgendwie.

Pharrell Williams darf sein Album „G I R L“ jetzt offiziell als „Best Urban Contemporary Album of 2014“ bezeichnen; ob er es macht, ist eine andere Frage. Für seine Live-Perfomance von „Happy“ heimste der scheinbar nicht alternde Williams auch noch den Grammy für Best Pop Solo Performance ein; das könnte am Hut gelegen haben. Und weil aller guten Dinge drei sind und der Hut es so will, nahm Pharell Williams auch gleich noch den Preis für bestes Video mit nach Hause. Ehrlicherweise: Kein anderer hätte das verdient, ich hatte schon ganz vergessen, dass dieses Musikvideo 24-Stunden-Dancing in diversen Städten ausgelöst hatte. Hier mal zur Erinnerung:


Und schon sind wir bei Kategorien, die dem alten N.E.R.D Pharell Williams nicht ganz so fremd sein dürften: R’n’B und Rap. „Drunk in Love“ von Beyoncé und Jay-Z war irgendwie prädestiniert dafür und gewann letztendlich auch: den Preis für sowohl Best R’n’B Performance als auch Best R’n’B Song. Ich hoffe, kein anderer hatte sich große Hoffnungen gemacht, denn solange R’n’B/Hip-Hops Golden Couple etwas anfasst, können alle anderen eh aufhören. Kendrick Lamar griff offensichtlich aus Versehen heimlich, still und leise das Grammophon für Best Rap Performance für „I“ ab.

Bildschirmfoto 2015-02-09 um 7.34.21 AMIn den R’n’B/Rap-Kategorien ging zum Glück Chris Brown leer aus. Der feierte 2009 auf seine ganz eigene Weise die Grammy-Nominierung, nämlich indem er seine damalige Freundin Rihanna grün und blau schlug. Rihanna wollte ihm laut Medienberichten dieses Jahr nicht einmal über den Weg laufen – musste sie wohl auch nicht, als sie gemeinsam mit Eminem den Preis für „Best Rap Collaboration“ für „The Monster“ entgegennahm. Ist „The Monster“ Chris Brown? Könnte sein. Eminem, der zornige alte Weiße aus Detroit, packte auch gleich noch das Best Rap Album-Grammophon für  „Marshall Mathers LP2“ obendrauf. Crazy, das hätte vor einem Jahr doch auch keiner gedacht.

Im Dance-Genre sahnten Clean Bandit den Preis für besten Song („Rather Be“) ein und Aphex Twin den für bestes Album. Aphex Twin. Seit dem Video zu „Window Licker“ im Jahr 1999 löst allein der Name Gänsehaut aus – und nicht die von der guten Sorte.

Americana- und American Roots-Preise gingen an einen dem Genre nicht unbekannten Namen: Cash. Diesmal aber an Roseanne Cash, der Tochter von Johnny und June Carter Cash. Verdient. Den Grammy für Best Folk Album durften die Dudes von Old Crow Medicine Show einpacken, die ja mal mit Mumford & Sons und Edward Sharpe & The Magnetic Zeros mit dem Big Easy Express durchs Land gefahren sind. Der Film wurde vor zwei Jahren mit einem Grammophon bedacht.

Apropos Film: Bester Musikfilm ist laut Recording Academy der letztjährige Oscar-Gewinner „20 Feet from Stardom“ über das Wirken und die Leistung von Background-Sängern und -Sängerinnen. Kurz vor den 2015er-Oscars bekommt Wes Andersons The Grand Budapest Hotel den Grammy für „Best Score“. Academy of Motion Picture Arts and Sciences, so geht das! Der beste Compilation Soundtrack ist jetzt „Frozen“ und ebenfalls wie letztes Jahr bei den Academy Awards gewinnt hier der Song des Film „Let it Go“, gesungen von Idina Menzel, ähm, Adele Dazeem – ach ihr wisst schon!

Schönes am Rande: „Bass & Madolin“ ist das Best Contemporary Instrumental Album und Chick Corea ist der Grammopohon-Boy des Jazz. Bestes Children’s Album darf sich ab jetzt „I Am Malala: The Girl Who Stood Up For Education“ über die letztjährige Friedensnobelpreisträgerin Malala nennen. Joan Rivers bekam für ihr Spoken Word Album  „Diary of a Mad Diva“ posthum den Grammy. Und Weird Al Yankovich bekam den Preis für das beste Comedy-Album.

Live bei der 19 Stunden langen Show performten Tony Bennett und Lady Gaga, Ed Sheeran gemeinsam mit John Mayer, Beyoncé, Katy Perry, Madonna und Kristen Wiig als Sia., AC/DC und wie jedes Jahr Sir Paul McCartney und Stevie Wonder.

Bildschirmfoto 2015-02-09 um 7.16.07 AMDas war’s auch schon so grob. Interessant, dass die Recording Academy einen jungen Briten geradezu überhäuft hat mit der im Business immer noch wichtigsten Auszeichnung des Jahres. Und wie es aussieht, wenn Pop-Sternchen auf Popstar trifft, kann man hier sehen: Ariana Grande trifft Madonna.

Eigentlich dachte ich Taylor Swift gewinnt – nunja – ALLES. Wie schön, dass es manchmal dann doch anders kommt. Wäre dem so gewesen, so ungefähr hätte meine Begeisterung ausgesehen:

Es war so klar. Die letzten beiden Jahre wurde ich verschont, 2015 kommt dafür die geballte Ladung: Taylor Swift gewinnt die Grammys. Es spielt keine Rolle, wieviele oder in welcher Kategorie, Erdbeermund-Blondie räumt alles ab. Für die, die es nicht wissen: Ich mag Taylor Swift nicht. Die Frau, die als Country-Prinzessin berühmt wurde, dann die Gitarre gegen High Heels und Mini tauschte und bei der inzwischen fast jeder Song über die (gescheiterte) Beziehung zu einem ihrer Haberer von Kennedy bis Gyllenhaal handelt, wird nie meine beste Freundin werden. Um es so kurz und schmerzlos wie möglich für mich abzufeiern, hier ihre gewonnenen Kategorien: Record of the Year, Song of the Year, Best Pop Solo Performance, best hxasjkDHGEWEFBjkjkj (bin mit dem Kopf auf die Tastaur geknallt).

Es gibt halt doch noch einen Musik-Gott. Irgendwie.

Fotos: Facebook-Seite von The Grammys, Instagram-Seite von The Grammys