Mit „Uptown Funk“ dominieren Mark Ronson und Bruno Mars seit Wochen die angloamerikanischen Charts. Besonders die Briten konnten nicht genug von der mitreißenden Funk-Nummer kriegen. Hierzulande erreichte die Hit-Single Platz drei der Charts, für das Album „Uptown Special“ lag lediglich Rang 23 drin.

Das hervorragende Album haben wir ja bereits unter die Lupe genommen. Einige Tage vor dem Release sprachen wir mit Mark Ronson über die Aufnahmen. Der Erfolgsproduzent entpuppt sich am Telefon als sympathischer, bescheidener Gesprächspartner, der seine Worte mit Bedacht überlegt. Mehr als zehn Minuten waren leider nicht drin.

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Einige deiner neuen Songs, zum Beispiel „Heavy And Rolling“, erinnern an einzelne Stücke von Daft Punks „Random Access Memories„. Einverstanden?
Mark Ronson: Ich liebe Daft Punk! Aber um ehrlich zu sein, kenne ich nicht das komplette Album. Möglicherweise wurden wir von ähnlichen Sounds beeinflusst. Außerdem ähnelt sich natürlich die Produktionsweise. Genau wie ich setzten Daft Punk bei den Aufnahmen auf Live-Instrumente. Ich arbeite seit meinem Debütalbum und den Aufnahmen an „Back To Black“ von Amy Winehouse mit Live-Equipment im Studio. Das braucht natürlich mehr Zeit. Es ist ein aufwendiger Prozess und diese Art der Produktion ist eine aussterbende Kunstform. Das ist natürlich auch ein Vorteil für mich: Wenn jeder seine Platten so aufnehmen würde, würde mein Material nicht herausstechen.

Wieso ziehst du Live-Instrumente den zahlreichen digitalen Aufnahme-Tools vor?
Mark Ronson: Das ist einfach der Sound, der mich anzieht. Als ich Mitte der Neunziger anfing, in New Yorks Hip-Hop-Clubs als DJ aufzulegen, war mir immer sehr daran gelegen, die Original-Songs der Samples in Tracks von Wu-Tang Clan oder A Tribe Called Quest ausfindig zu machen. Dadurch entdeckte ich 60s- und 70s-Soul, Jazz und alte Funk-Platten. Ich glaube, die Menschen vermissen diesen analogen Old-School-Sound!

Mit elektronischer Musik kannst du also nichts anfangen?
Mark Ronson: Ich liebe elektronische Musik! Einige meiner Lieblingstracks basieren auf Drummachines und sind am Computer entstanden. Songs wie „Get Lucky“ oder „Uptown Funk“ sind ein Ausgleich zu den zahlreichen EDM-Tracks, die die Charts dominieren.

Produzenten sind in den vergangenen Jahren wieder wichtiger geworden, Hit-Macher wie Pharrell Williams haben sich zu eigenständigen Künstlern entwickelt. Du gibst dich nach wie vor sehr zurückhaltend. Fühlst du dich hinter den Kulissen wohler?
Mark Ronson: Ja. Am Ende bin ich in erster Linie Produzent. Ich habe das Glück, seit zehn Jahren regelmäßig eigene Alben veröffentlichen zu können. Das bedeutet mir sehr viel. Es geht dabei aber nicht um Eitelkeit. Mit meinem Lieblingsschriftsteller Michael Chabon zusammenzuarbeiten oder auf der Suche nach einer passenden Stimme durch den Süden der USA zu reisen, sind Dinge, die ich nur auf meinen eigenen Platten umsetzen kann.

Auch im Video zu „Uptown Funk“ hältst du dich dezent im Hintergrund…
Mark Ronson: Ich bin ja nicht blöd, wenn ich die Chance habe, zusammen mit Bruno Mars in einem Video aufzutreten, sage ich natürlich nicht nein! Er ist einer der besten Live-Performer seiner Generation. Aber ich habe nicht ersucht, mit ihm Schritt zu halten. Das würde bloß lächerlich aussehen. Ich habe andere Talente.

Stimmt es, dass du Bruno Mars hinterher gereist bist, um „Uptown Funk“ den letzten Schliff zu verpassen?
Mark Ronson: Ja, Bruno war zu der Zeit auf Welttournee. Ich wollte den Song unbedingt fertigstellen. Er war nach Memphis gekommen, wo wir gerade aufnahmen. Später ging es darum, die Bassline auszuwählen, er war aber gerade in Kanada. Also flog ich nach New York, holte meinen E-Bass, und fuhr nach Toronto, um dort mit Bruno Mars zu arbeiten. Ich tat alles, um diesen Song fertig zu kriegen!

Es hat sich gelohnt. Auf „Uptwon Special“ findet sich auch ein Track, der zusammen mit dem Hamburger Produzenten Boys Noize entstanden ist. Wie kam es zu dieser Kollaboration?
Mark Ronson: Ich kenne Alexander Ridh alias Boyz Noize schon seit einiger Zeit. Seit seinem Remix von „Fire Like This“ bin ich ein großer Fan von ihm und ich liebe sein letztes Album. Er kam dann nach London und wir arbeiteten zusammen ein paar Ideen aus.

In Deutschland gibt es das Label Gomma Records, dessen Gründer, Mathias Modica, unter dem Pseudonym Munk auflegt. Die Münchner haben den Disco-Sound von Giorgio Moroder in die Jetztzeit geholt.
Mark Ronson: Oh ja, ich kenne einige seiner Sachen. Ich weiß zwar den Titel nicht mehr, aber ich hatte einen Munk-Remix in meinem Set.

Apropos Deutschland: Während „Uptown Funk“ vor allem im angloamerikanischen Raum zu einem Nummer-eins-Hit wurde, brauchten deutsche Fans etwas länger. Hast du eine Erklärung dafür?
Mark Ronson: Ich mag die Tatsache, dass es in Deutschland etwas länger dauert. Das heißt womöglich auch, dass die Leute des Songs nicht so schnell überdrüßig werden wie in anderen Märkten. Wenn US-Fans den Song also nicht mehr hören können, kommen wir nach Deutschland. Im Ernst: Funk ist amerikanischen Musikhörern vermutlich einfach vertrauter. Aber als ich vor ein paar Wochen abends in Berlin ausging, erlebte ich einige der besten Hip-Hop- und R’n’B-DJs, die ich seit Langem gehört habe.

In den USA stürmte „Uptown Funk“ rasch an die Spitze der Charts.
Mark Ronson: Das war recht ungewöhnlich! Denn in den USA gibt es so viele Städte und regional unterschiedliche, quasi lokale Märkte, so dass es normalerweise länger dauert, bis man es auf Platz eins der Charts schafft. Mit „Uptown Funk“ war es anders, es ging ungewöhnlich schnell – vielleicht weil wir den Song u.a. live bei „Saturday Night Live“ präsentiert haben.

Mit der Zusammenarbeit mit Stevie Wonder, der im Album-Opener „Uptown’s First Finale“ Mundharmonika spielt, ging ein Traum für dich in Erfüllung. Gibt es jetzt überhaupt noch andere Künstler, mit denen du unbedingt zusammenarbeiten möchtest?
Mark Ronson: Ich glaube nicht, nein. In meinen kühnsten Träumen hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich jemals mit Stevie Wonder arbeiten würde. Als ich diesen Song schrieb, dachte ich sofort an ihn. Ich schickte den Titel per E-Mail an seinen Manager, ohne überhaupt mit einer Reaktion zu rechnen. Am Ende hat es dann tatsächlich geklappt. Genauso gerne arbeite ich aber mit jungen, unbekannten Talenten zusammen. Deshalb sind wir zum Beispiel durch die US-Südstaaten gereist, wo wir mit Keyone Starr die perfekte Stimme gefunden haben.

Hast du bereits Pläne für weitere Kollaborationen?
Mark Ronson: Ich habe ein paar Songs für das neue Album von Action Bronson aufgenommen. Außerdem habe ich gerade zusammen mit Miles Kane den Soundtrack zum Johnny-Depp-Film „Mortdecai“ veröffentlicht.

Rewind

Man könnte ihn als einen Popstar-Flüsterer bezeichnen. Mark Ronson schart gerne bekannte Musiker, Rapper und Sänger um sich – und landet mit den Kollaborationen regelmäßig in den Charts. Bereits für sein 2003 veröffentlichtes Debüt „Here Comes The Fuzz“ holte er sich prominente Unterstützung, u.a. von Jack White, Sean Paul, Tweet und Q-Tip.

Vor allem in seiner Heimat ist der britische Produzent, der heute zwischen New York und London pendelt, gefragt. Seine beiden letzten Alben „Version“ (2007) und „Record Collection“ (2010) schafften es auf Rang zwei der UK-Charts. Das aktuelle, vierte Album „Uptown Special“ stürmte auf die Eins.

Einem internationalen Publikum wurde Mark Ronson durch „Valerie“ bekannt. Das Stück der Band The Zutons nahm er gemeinsam mit Amy Winehouse neu auf. Der Retro-Soul-Song knackte weltweit die Top 10 der Charts. Der verstorbenen Soul-Queen verhalf Mark Ronson mit seiner Arbeit am Album „Back To Black“ zum weltweiten Durchbruch.

2008 wurde Mark Ronson für seine Arbeit an „Back To Black“, seine Zusammenarbeit mit Lily Allen an deren Album „Alright, Still“ sowie für sein eigenes Werk „Version“ mit einem Grammy zum „Produzent des Jahres“ gekürt.

Foto: Florent Dechard