Mit den Iren von The Minutes verbindet uns nicht nur die Ähnlichkeit unserer Website-Adressen, sondern auch die Liebe zum Radau: The Minutes machen 1a-Rock’n’Roll. Zeit, mal über die Lage des Genres zu sprechen.

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Am Dienstag gaben The Minutes in München ihr drittes Gastspiel. Sie wurden von der Polizei in Franken aufgehalten und kamen so erst fünf Stunden später als geplant im Strom an. Die Laune war verständlicherweise etwas getrübt, aber ein mehrstündiger Besuch von der Polizei bringt drei gestandene Iren nicht aus der Fassung. Während die Vorband schon spielt, komme ich in den Backstage-Bereich: Schnittchen und Bier und mittendrin drei Rock’n’Roller. Los geht’s, ich hätte da ein paar Fragen an Mark, Shane und Tom, die mir 2011 den festen Glauben an den alten, soliden Rock’n’Roll zurückgegeben haben.

Ihr sagt, ihr spielt gern Shows in Deutschland. Wieso ist das so?
Tom: Die Atmosphäre, die Energie des Publikums und die Shows an und für sich sind in Deutschland echt anders, gerade bei Rock-Shows. Es ist ungefähr zehn mal mehr als das, was du unter der Woche zum Beispiel vom Londoner Publikum zurückbekommst. Viel intensiver. Deutsche Fans sind außerdem sehr loyal und kommen immer wieder zu unseren Konzerten.

Wenn man sich eure Facebook-Seite ansieht, bekommt man irgendwie das Gefühl, dass ihr stolz darauf seid, Iren zu sein. Ist das so?
Tom: Ja, ich denke schon. Everbody loves the Irish. Unser Ruf eilt uns voraus: Wenn du hier oder in den USA jemanden erzählst, dass du aus Irland kommst, mögen dich alle. Oder sie rufen: „Irish Whiskey!“

Iren und Trinklust. Baut ihr das in eure Songs ein oder nehmt ihr das auch mit auf die Bühne? Beeinflusst eure Abstammug eure Musik?
Tom: Ah, die Trinklust. Die kennen wir schon, allerdings nicht so sehr auf der Bühne. Amerikansiche Blues- und Rockmusik beeinflusst mich sehr und Thin Lizzy, denn die sind die erste irische Rockband. Von denen leihen wir uns manches aus. Aber nicht von anderer irischer Rockmusik, denn die ist meistens beschissen.

„Irische Rockmusik“, da denkt jeder immer an U2, richtig?
Mark: Ja, und das ist ganz schön scheiße.

Euer aktuelles Album „Live Well, Change Often“ habt ihr aber nicht zuhause, sondern in Kanada aufgenommen. Gibt es etwas, das die Platte „typisch kanadisch“ macht?
Mark: Der Produzent. Er hatte seine ganz eigene Art und eigenen Sound. (Macht sich nebenbei ein Bier an der Tischkante auf) Es war okay, aber auch nicht die beste Erfahrung unseres Lebens.

klein_theminutesWart ihr mit den Aufnahmen zu „Marcata“ irgendwie zufriedener?
Mark: Der Mischer damals machte einfach das, was wir wollten. Der Produzent diesmal hatte eben eine andere Vorstellung von uns und unserem Sound.
Tom: Er arbeitet einfach anders als wir. Wir spielen am besten im Studio wie live: als Band und nicht alle Instrumente einzeln für sich.

Wenn man sagt, dass „Marcata“ euer Baby ist, was ist „Live Well, Change Often“?
Shane: Das Stiefkind. (Alle lachen) Das seltsame Stiefkind, das die Frau schon lange hatte, bevor du sie kennenlernst.

Ihr spielt nicht nur eure kleinen, aber feinen Headline-Shows, sondern seid auch regelmäßig Opener für große Bands wie die Foo Fighters oder die Kings of Leon. Mögt ihr das?
Tom: Es ist gut, weil du deine Musik vor vielen Menschen spielen kannst. Uns ist aber auch bewusst, dass niemand im Publikum wegen uns da ist.
Shane: Du spielst vor 3000 Leuten, aber das ist nicht dein Publikum, die sind alle wegen einem anderen Künstlers da. Mir sind die kleinen, eigenen Shows lieber.
Mark: Heute abend zum Beispiel sind alle wegen uns da, kaum welche wegen der Vorband. Das ist super. Wenn 60 oder 70 Leute zu einem Gig kommen, finden wir das großartig, weil sie dann wirklich nur wegen uns auftauchen.

Habt ihr selber denn eine Lieblings-Rock’n’Roll-Band?
Tom: Das wird immer Thin Lizzy sein. Wir hören nicht wirklich viele modenre Rock-Bands, wir werden immer die Rockbands der Sechziger und Siebziger am liebsten mögen. Heutige Bands? Am ehesten die Queens of the Stone Age.
Shane: Manchmal mag ich die Queens of the Stone Age, manchmal kann ich sie nicht leiden.

Was mich vor vier Jahren im Atomic Café so umgehauen hat, war diese Wall of Sound, die da von drei Leuten jedem vor das Gesicht gefahren wurde. Habt ihr das geändert? Das zweite Album klingt ein bisschen polierter….
Mark: Das ist die Schuld des Produzenten. Live spielen wir immer noch so wie früher. Wir spielen am liebsten so, wie wir immer schon gespielt haben. Der Produzent hat das geändert und damit auch irgendwie die Essenz der Band – uns drei, wie wir gemeinsam spielen. Das Album klingt wie eine Version von uns, aber nicht wie wir. Aber zum Glück können wir diese Erfahrung nun auch zu den Akten legen.

Wie schauts mit Zukunftsplänen aus? Schon ein neues Album in der Mache?
Mark: Ja, morgen nehmen wir in Köln was auf. Wir versuchen für unser neues Album überall, wo wir unterwegs sind, einen Song einzuspielen. Wir spielen jetzt noch in Belgien und den Niederlanden und dann kommen wir hoffentlich im Sommer zurück nach Deutschland. Ganz sicher sind wir aber wieder im Herbst hier unterwegs.

Letzte Frage: Glaubt ihr, Rock’n’Roll ist tot?
Mark: Solange wir hier verdammt noch mal unterwegs sind: auf keinen Fall. Man muss den Rock’n’Roll Lifestyle, also den ab und zu vorkommenden Exzess und die Musik, schon auch leben, dann stirbt er nicht.  Vieles ist einfach Pop-Rock.
Tom: Solange es dir egal ist, ob du damit reich wirst, sondern einfach dein Ding durchziehst – solange lebt der Rock’n’Roll. Wir sind glücklich, so wie es jetzt bei uns ist.

Leute, diese drei Jungs von The Minutes sind die coolsten Hunde der grünen Insel. Während unserer zehn Minuten Gespräch machte sich Sänger Mark die Haare zurecht, alle haben das Bier an der Tischkante aufgemacht und geflucht haben sie auch ganz ordentlich. Und dann spielten sie ein einstündiges Set, bei dem einen wieder die Wall of Sound um die Ohren flog. Nur, um dann den smoothesten Abgang aller Zeiten zum Merchandise-Stand hinzulegen. Dieses Trio ist verdammt großartig. Wer im Sommer oder im Herbst nicht zu ihren Shows geht, hat U2s-Apple-Coup „Songs of Innocence“ wirklich verdient. Echter Rock’n’Roll sieht anders aus. So wie The Minutes nämlich!

Und deshalb: This one is for you, Tom, Shane and Mark! Come back soon.

Fotos: PR, The Music Minutes