Will Butler ist der erste aus dem Arcade-Fire-Clan, der sich an ein Solo-Album herangewagt hat. Auf „Policy“ finden sich acht Nummern zwischen Indie-Punk und Disco, die mit den Arcade-Fire-typischen Pop-Melodien um die Ecke kommen.

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Schon in seiner Biografie finden sich krasse Gegensätze: William Pierce Butler wurde im liberalen Kalifornien geboren und wuchs im konservativen Texas auf. Welche Auswirkungen das auf seine musikalische Sozialisation hatte, wissen wir nicht. Feststeht: der 32-jährige Musiker hat viele Vorlieben. Auf seinem ersten Solo-Debüt finden sich Einflüsse von Punk über Americana bis Disco und Pop, von Violent Femmes über The Breeders bis zu den Beatles.

Nach dem Release des letzten Arcade-Fire-Albums „Reflektor“ machte sich Will Butler an die Aufnahmen seiner ersten Solo-Platte. Es ist ein kurzes, aber facettenreiches Debüt geworden. Gerade mal acht Songs finden sich auf „Policy“. Für die Aufnahmen brauchte der jüngere Bruder von Arcade-Fire-Frontmann auch nur eine Woche. Eingespielt wurde das Material in den von Jimi Hendrix gegründeten Electric Lady Studios in New York. An den Drums wurde Will Butler von Arcade-Fire-Drummer Jeremy Gara unterstützt, die meisten anderen Instrumente spielte das Multitalent selbst ein.

Will im Wunderland

Arcade-Fire-Tour-Saxofonist Matt Bauder spielte auf „Sing to Me“ Klarinette, fürs Musical-esque „Witness“ – hallo „Hair“, hallo „Grease“! – steuerte er einen Saxofon-Part bei. Die Backing-Vocals übernahmen Will Butlers Frau und eine ihrer Freundinnen, die früher am Broadway in „West Side Story“ sang.

Saxofon, Musical – da geht noch mehr: Stilistisch reicht das Spektrum auf „Policy“ von Americana über Indie-Rock bis Electronica. Man fühlt sich als Hörer ein bisschen wie Alice, die durchs Wunderland schlendert und hinter jeder Hecke eine neue Überraschung, eine weitere Kuriosität entdeckt.

Die Ballade „Finish What I Started“ erinnert an John Lennon. Der poppige, mit Synthie-Tupfern gespickte Indie-Disco-Song „Anna“ würde sich auch auf einem Arcade-Fire-Album ganz gut machen. Insgesamt sind die acht Stücke von Will Butler im Vergleich zu den pompösen Songs der kanadischen Band aber angenehm aufs Wesentliche reduziert und überzeugen mit trotzig-punkigem Lo-Fi-Charme.

Textlich schreckt Will Butler – der übrigens vor kurzem für den „Guardian“ die griechische Schuldenkrise und andere aktuelle News vertonte – auch vor Albernheiten nicht zurück: In „What I Want“ – einer Wunschliste der ganz besonderen Art – heißt es etwa: „I will buy you a pony/We could cook it for supper/I know a great recipe for pony macaroni“.

Initialzündung für das Solo-Werk war der Soundtrack zum genialen Sci-Fi-Liebesdrama „Her“ mit Joaquin Phoenix (und der Stimme von Scarlett Johansson). Für ihre gemeinsame Arbeit an der Filmmusik wurden Will Butler und der kanadische Künstler Owen Pallett für einen Oscar nominiert. „Ich dachte mir, wenn ich schon etwas unter meinem eigenen Namen veröffentliche, kann ich es auch komplett allein machen“, so Will Butler in einem Interview. Angst davor, als Solo-Künstler plötzlich alleine im Mittelpunkt zu stehen – und sich nicht mehr hinter dem Band-Kollektiv verstecken zu können – hat er nicht. Im Studio genoss er es sogar, mal keine Kompromisse eingehen zu müssen.

Man darf auf die Live-Shows von Wil Butler gespannt sein. Der Multiinstrumentalist ist für seine wilden, leidenschaftlichen Auftritte mit Arcade Fire bekannt. Hierzulande präsentiert Will Butler sein Solo-Material am 15. April in Köln und am 16. April in Berlin.

Foto: PR