Schon wieder ein Jahr vorbei? Da isser, der ECHO. Der Oscar der deutschen Musik, live aus Berlin. Was passiert, gibt’s hier im Live-Ticker. Wir sind etwas aufgeregt und aktualisieren so oft wie geht!

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Letztes Jahr gewann und moderierte Helene Fischer alles, was ging. Total überraschend. Sogar um den Platz „Bester Künstler International“ war sie im Rennen – kleiner Scherz, gewonnen hat diese Kategorie Robbie Williams live in Los Angeles. 2015 wird alles anders: Die Moderatorin, Barbara Schöneberger, moderiert zur Abwechslung nur – weder singt sie noch ist sie bisher in irgendwelchen Kategorien nominiert. Der Hashtag „#ECHO2015“ wird von Universal Music gesponsert oder gar präsentiert und ich weiß grad nicht, ob das schon als Prophezeihung für manche Gewinner reicht. Ich? Ja, ich, Ursi, sitze gebannt vom Gerät, während Kerstin bei The Notwist ist und Renzo, wie letztes Jahr auch schon, an diesem wichtigsten aller Abende in der Schweiz weilt. Also, das Bier ist kalt, die Laune alles andere als ernst – los geht’s!

[19:20] Nur noch weniger als eine Stunde warten! Auf wen freue ich mich am meisten? Ganz klar, Anna Loos und ihre Band Silly, denn erfahrungsgemäß sind die immer ein Garant für einen Lacher: Sei es wegen der nasalen Aussprache von Annett Louisan („Annett Louisooooo“) oder abgefahrener Frisuren-Untrends (Alien-Cornrows). Wovor habe ich Angst? Dass Andreas Bourani ein Duett mit Helene Fischer anstimmt. Ich dachte, mein Albtraum-Szenario gab es schon letztes Jahr: Helene und James Blunt.
[19:23] Ich entschuldige jetzt schon die Reihe an Tippfehlern, die es geben wird. Die liegen natürlich erstens an der höllischen Aufregung, die ich hier aushalten muss, und zweitens am Fehlen eines makellos funktionierenden Zeigefingers an der linken Hand. Lange Geschichte, gehört nicht hierher, aber schon jetzt sorry.
[19:29] Meine Nichte setzt sich ein Lätzchen auf und tanzt zu ihrer Kinderlieder-CD. Ihre Lieblingsserie ist „Biene Maja“, allerdings die neue Version mit der Biene Maja mit Wespentaille. Das Schlimme daran: Helene Fischer singt das Titellied. Wo ist nur Karel Gott, wenn man ihn braucht? Ich nähme auch den Hornissen-Schwarm, wenn es denn sein muss.
[19:36] Allen, die jetzt auf dem Weg zu The Notwist oder auch AWOLNATION sind, wünschen wir sehr viel Spaß heute! Beide sind live ’ne Schau! Fast so wie Helene Fischer. Oder Taylor Swift. Das war ein Witz: Beide Bands um Welten besser!
[20:40] Der ECHO beginnnt! Mit Kerzen und einer Gedenkminute für das Flugzeugunglück. Lindsey Stirling fiedelt, die Kamera geht direkt auf Künstler von Niedecken bis Campino und Yello. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Angehörigen“ eröffnet Barbara Schöneberger die Galashow. Ähm. Echt, lieber #ECHO2015? I mean, really?
[20:43] Udo Jürgens dreht sich im Grab um. Der Echo gedenkt ihm mit einem absolut abscheulichen „Ich weiß, was ich will“-Cover, bei dem alle deutschen Megastars mitsingen dürfen. Andreas Bourani, Roger Cicero (der offensichtlich trotz seines katastrophalen Laudatio-Fails 2014 wieder eingeladen wurde), Udo Lindenberg, Annett Louisooo, Herbert Grönemeyer, Xavier Naidoo (Wer hat den eingeladen?!?),  Sarah Connor (wtf, bringt die ein neues Album raus, das promotet werden will?), Adel Tawil (Ist der dieses Jahr nicht wieder in Hannover auf einem Konzert?). Ich schäme mich schon jetzt in Grund und Boden. Oh Gott, wo ist Helene Fischer im Gerüst, wenn man sie braucht?
[20:46] Auch Barbara Schöneberger nennt den Echo die „Helene-Fischer-Festspiele“. Sie ist vier mal nominiert, können wir ihr nicht einfach gleich die Awards geben und damit durch sein?
[20:48] Nana Mouskouri bekommt den Preis für ihr Lebenswerk. Guten Morgen, Sonnenschein! Später.
[20:49] Die Spaßmatrosen von Santiano verleihen den Preis für „Künsterlin RockPopNational“: Tresenschlampe Ina Müller, Alexa Feser (aka WER???), Annett Louisan (die war doch letztes Jahr schon nominiert und hat den Preis von Anna Loos bekommen, oder?), Oonagh (die singt auf elbisch und war AUCH SCHON nominiert), Y’Akoto (bitte rette uns und gewinn du!).
[20:52] Um Gottes Willen, die Alte, die früher bei GZSZ mitgespielt hat, und auch effing elbisch singt, gewinnt. Gehts noch? Ich bin jetzt schon sprachlos. Ich singe demnächst in meiner eigenen Phantasiesprache und gewinne auch.
[20:53] Oonagh hält keine Laudatio auf elbisch. Schade irgendwie. Ist das doch nicht ihre Muttersprache?
[20:55] Nile Rodgers Special. Der von „Le Freak“, „We Are Family“ und „Good Times“, David Bowie, Madonna und David Bowie. Was soll das? Wieso kommt das ohne Erklärung? Ah, ein neues Album. Er kommt auf die Bühne und präsentiert das „Album des Jahres“.
[20:57] Nominiert sind AC/DC („Rock or Bust“; solide), Helene Fischer („Farbenspiel“; ohne Worte), Grönemeyer („Dauernd Jetzt“, gähn!), Pink Floyd („The Endless River“, das musste wohl als einzig gutes), „Sing meinen Song“ (kenne ich nicht). Es gewinnt, na wer wohl? Na??????? Unser Helene! Surprise! NOT.
[20:58] Helene kleidet sich heute in schwarz, bedankt sich bei Universal und von Organza dieses Jahr keine Spur. Dafür, dass Helene erst 30 ist, sieht sie in HD nicht so dolle aus. Sorry. Sie spricht von ihrem eigenen Album als „Meisterwerk“. Wieso kleckern, wenn man auch klotzen kann?! AC/DC sind umsonst angereist. Hahahahaha, kleiner Scherz. Die sind gar nicht vor Ort.
[21:00] Barbara Schöneberger startet ihren Rundgang durchs Publikum und sagt das Gewinnspiel für den Radio Echo an: Bourani mit seinem WM-Hit, „Melodie“ von Cro, Mark Foster feat. Sido „Au Revoir“, irgendwas von Revolverheld (#revolverhate) und natürlich was von Adel Tawil (der hat letztes Jahr keinen Ton getroffen bei seiner Performance!). Ich kann kaum erwarten, wer da gewinnt.
[21:03] Lindsey Stirling und Andreas Bourani performen einen Song. Ich habe das Gefühl, ich habe das Raum-Zeit-Kontinuum durchbrochen und bin wieder im Jahr 2014. Wo ist der Pause-Button?
[21:06] Was? Wer? Wo? Achso, bin eingenickt. Was für ein fader Song!
[21:08] Anna Loos, jetzt schon? Brünette Haare und Pferdeschwanz? Wo sind die blonden Cornrows geblieben? Okay, der Presenter-Trend dieses Jahr: Alle schwarz. Verständlich. Aber wehe Anna Loos und Jan-Josef Liefers posten dann wie nach der BandAid-Nummer letzten Dezember wieder so ein Bild, das „Mitleid heucheln!“ schreit.
[21:09] „Künstler RockPop National“: Andreas Bourani, Ray Garvey, Herbert Grönemeyer, Peter Maffay (Eierlikör!), Adel Tawil (Brechreiz. Der hat doch letztes Jahr auch gewonnen!). Göttingens Herbert gewinnt. Okay, der war letztes Jahr auch noch nicht dafür nominiert. Ich benenne den Echo in „Die Helene-Fischer-Universal-Music-Festspiele“ um. Herbert Grönemeyer sagt, schwarz mache schlank. Ah, daher der Trend! Nehme alles zurück!
[21:14] Beatrice Egli präsentiert den Live-Echo. Sie hat das Metallgerüst von Helene Fischer letztes Jahr um den Hals! Und einen roten Catsuit! Und sie spricht sehr d e u t l i c h! Es gewinnt:  Heleeeeeeeene Fischeeeeeer. Andrea Berg! Hier muss ein Fehler in der Schlagerwelt vorliegen!
[21:17] Andrea Berg bedankt sich bei DJ Bobo. Ich möchte weg. Weit weg. Schnell!
[21:18] Barbara Schöneberger bittet „Robin Schulz feat. his Megahits“ auf die Bühne. Der gehorcht. Auch die Hits, äh, Megahits. Seifenblasen, Leute, überall Seifenblasen! Wie auf einer Schaumparty Ende der Neunziger! Er trägt einen Pulli mit Glitzerärmeln und die Tussi von der Band, deren Namen ich immer vergesse (Frida Gold!), singt den Megahit „Prayer in C“. Schulz‘ Armhaltung verrät, dass er sich zu oft folgendes Video von SNL angeschaut hat:

[21:23] Elaiza, die vom Eurovision 2014, kündigen – immer noch im Tutu – den internationalen Newcomer-Preis an. Nominiert sind: The Common Linnets, George Ezra, Kiezsa, Lorde (ähmmm, 2013 grüßt und möchte seine Songs zurück!), Sam Smith.
[21:25] Und weil der Echo immer noch der weltwichtigste Musikpreis ist, gewinnt nicht Sam Smith, der ja alle, alle, ALLE Grammys bekommen hat, sondern Gewinner sind die letztjährigen Zweitplatzierten des Eurosvision, The Common Linnets. Wieso auch nicht. Elaiza schämen sich ein wenig wegen ihres 18.Platzes beim gleichen Eurovision und dem „Newcomer“-Titel des Vorjahres, denn wo sind sie jetzt?
[21:31] Yello auf der Bühne, Scooters H.P. Baxxter im Bild. Grande! Yello erzählen schon wieder eine Anekdote, die noch nicht einmal aus fünfzig Metern eine Pointe gesehen hat. Dieser Schweizer… Es geht um „Dance National“: Alle Farben, Deichkind (yeah), Fritz Kalkbrenner, Robin Schulz, Scooter (yeah).
[21:33] Es wird was geflüstert, weil es verzögert werden muss. Gewinner ist Robin Schulz, weil er auch schon performt hat – vermute ich. Meine letztjährige Theorie bestätigt sich. Robin Schulz und seine Sonnenbrille sind total überrascht. Der Pulli mit den Glitzerärmeln ist in Wahrheit eine Lederjacke mit Glitzerärmeln.
[21:35] DEICHKIND ENTERN DIE BÜHNE! „Denken Sie groß!“ – hätten sie das nicht mal den Veranstaltern des Echo sagen können? Sie tragen Jogginganzüge mit der Aufschrift „Refugees Welcome“ und machen Gymnastikübungen und Ausdruckstanz. Abriss! Fetzt! Findet das Publikum nicht (okay, is ja auch nicht Helene Fischer). Das steht nur wieder rum.
[21:40] Lena kommt. Ja, auch die vom Eurovision. Und sie ist für „Rock/Alternative National“ da: Beatsteaks, Element of Crime, Farin Urlaub Racing Team, Kraftklub, Unheilig. Wollte der Graf nicht aufhören?! Es gewinnt: der Graf! Hä? Hääää?!
[21:45] Kai Pflaume kommt und lobt die tolle Show. Auf welcher Veranstaltung war der denn bis eben? Er erzählt was von einem Mixtape aus der WG damals für die gewissen Stunden und in einem Einspieler werden alle neuen Iren und Briten, von Hozier bis James Bay, vorgestellt. Mich schüttelt bei der Vorstellung von Kai Pflaumes F*ckmix. James Bay kommt auf die Bühne und singt „Hold Back the River“. Renzo, übernimm du!
[21:52] „Newcomer National“. Andreas Kümmert, Majoe, Oonagh, Radio Doria, Robin Schulz. Wer sind diese Menschen?  Ich kenne keinen. Adel „Brechreiz“ Tawil überreicht den Preis an Ooangh. Schon wieder? Die war echt letztes Jahr nominiert! Ist das keinem aufgefallen? Wie kann das sein? Wenn es nicht genügend neue Künstler gibt, kann man dann die Kategorie nicht einfach sein lassen? Oder den „Courage-Integration“-Echo vergeben? Wo ist dieses Land, das Preise für Songs in elbisch vergibt? Oh. Richtig. Hier.
[21:56] Hier ist dieses Land. Hier wird auch Andreas Gabalier gefeiert. Zu dem empfehle ich das hier. Er empfiehlt uns als „Band RockPop National“: Fanta4, Faun, Radio Doria, Marquess, Revolverheld. Nach langen zwölf Jahren gewinnt Revolverheld. Wie schön, dass ganz Deutschland Andreas Gabalier als der hochstkarätigste Musikexport aus Österreich verkauft wird. An dieser Stelle: Hi Bilderbuch! Hi Wanda! Hi Farewell Dear Ghost! Hi Fijuka! Revolverheld grüßen Jan Böhmermann, wir grüßen einfach mit und hoffen, dass das alles schnell vorüber geht.
[22.02] Ui, schon 22 Uhr? Ich kann mein Glück kaum fassen, schon Halbzeit! Revolverheld haben den Preis schnell verstaut und singen „Ich lass für dich das Licht an“. Ich lass sie mal singen. Ich kann dazu ja aus dem Zimmer gehen. In den Keller oder so. Bissl langsamer als normal.
[22:07] Für den „Künstler RockPop International“ sind nominiert: James Blunt, Ed Sheeran, Michael Jackson, Eric Clapton, Pharell Williams. Ed Sheeran, der grad in Australien verweilt, bekommt den Preis von Kylie Minogue überreicht. Nett, der Ed. Es gab keinen Laudator auf der Bühne, wieso auch.
[22:08] Barbara Schöneberger spricht über den Vorentscheid zum Eurovision und das Skandälchen. Als ob nach Lena jemals noch jemand wieder ohne Phantasie-Dialekt gewinnen könnte, wenn er auf englisch singt… Jetzt singt Ann Sophie. Mir wird ein Glas Rotwein angeboten. Ich nehme dankend an. Auch gern die ganze Flasche. Das wird nix mit der Eurovision, kann man sich also anschauen!
[22:14] Xavier Naidoo betritt die Bühne. Hat er wohl heute keine Verpflichtungen für nationalistische Verbände, sondern präsentiert den Echo für Volkstümliche Musik. Da schau her. Manch einer wird sich fragen: „Ist das nicht das gleiche?“ Ich weiß es nicht. Die glücklichen Nominierten sind die Amigos, Andreas Gabalier, Katelruther Spatzen, Santiano, Voxxclub. Ist wohl die Kategorie eine Strafe für Xavier? Nur wenn Voxxclub gewinnt, ist es eine besonders harte Strafe für die Weltbevölkerung, sonst vor allem nur für den grenzwertig seltsamen Xavier.
[22:17] Andreas Gabalier, der Alpenrocker, der Elvis aus den Bergen gewinnt. Na servus! Ich sing ein Lied für ihn. Jetzt kommen Lagerfeuergeschichten von „Sing meinen Song“ mit Xavier Naidoo  auf. Ob er jemals erklärt, Warum die Steiermark dass schönsteste Bundesland von der ganzen Welt ist, bleibt fraglich. Und er labert und labert und labert und er singt auch gleich noch seinen neuen Song „Mountain Man“. Dieses „Sing meinen Song“, was ist das? Selbstbeweihräucherung unter früher erfolgreichen Stars mit Tränen am Lagerfeuer?
[22:21] Vorher erinnert man an die Verstorbenen. Von Ralf Bendix bis Joe Cocker, Karl Moik und Tommy Ramone. Und natürlich Udo Jürgens. Der wird in die Echo Hall of Fame aufgenommen und bekommt deshalb einen speziellen Einspieler gewidmet.
[22:27] Die Schlager-Nominierten: Andrea Berg, Beatrice Egli, Fantasy, Helen Fischer, Udo Jürgens. Kann es sein, dass Udo Jürgens gegen Helene Fischer gewinnt???? Ich muss brechen, Til Schweiger kommt auf die Bühne! Er hat sich in Klamotten seiner neuen Barefoot-Bekleidungslinie geworfen und übergibt Helene Fischer einen Preis. Udo Jürgens spuckt ihm aus dem Himmel auf den Kopf. Til Schweiger erklärt, dass Helene Fischer „hinreißend“ im nächsten Tatort von und mit und über Til Schweiger mitspielt. Das war’s dann, Sonntagabend! „Genuine friendly“ wär sie gewesen, die Helene, so der Til. Mei oh mei, wenn du schon Kommissar im deutschen Fernsehen sein willst, dann merk dir halt wenigstens sowas wie „einfach unglaublich nett“, du Nasenbär. Helene Fischer macht ihrem Manager ein Liebesgeständnis. Ähm. Florian Silbereisen? – Nicht da.
[22:33] Andreas Gabalier performt den „Mountain Man“ und verwendet dabei ganz ungeniert das Computer-Sampe aus Trios „Da Da da“. Er hat eine karierte Tischdecke von einer Berghütte als Superhelden-Cape umgeschnallt und wird umringt von gefühlt 20 Tänzerinnen mit roter Perücke und in grünen Porno-Dirndln. Manchmal wünsche ich mir den Alten aus der Milka-Werbung und die ehrlichen Neunziger zurück:

 [22:37] Meghan Trainor präsentiert den „Hit des Jahres“. Zur Auswahl stehen: „Auf uns“ von Andreas Bourani, „Atemlos durch die Nacht“ von Florian Silbereisens Freundin, „Au Revoir“ von Mark Foster, „Waves“ und „Prayer in C“ im Robin Schulz Remix.
[22:39] Es gewinnt Helene Fischer, also Florian Silbereisens Freundin. Wenn „Atemlos“ der „Hit des Jahres“ ist, dann ist der Untergang des Abendlandes nah. Sie palawert noch was von WM, Parties, ungewollten Schwangerschaften und verlässt kurz die Bühne. Die ist noch einmal nominiert, das Grauen ist also noch nicht vorbei!
[22:41] Andreas Bourani vergibt den Crossover-Preis. Den gibts also auch dieses Jahr immer noch – Crossover, das Genre, neu definiert vom Echo. Adoro (Klassik und Pop), Gregorian (Choräle und Pop), Lindsey Stirling („Geigen-Skrillex“ wurde die letzte Jahr genannt), Schiller (Don’t cross over, das ist Dance-Pop), Wise Guys (Pop in a capella) machen es untereinander aus. Crazy, zu viel Crossover für mich. Hahaha, jemand im Publikum gähnt und der Geigen-Skrillex gewinnt wieder. Ich fühle mich zum x-ten Mal an 2014 erinnert. Ist es sicher schon 2015?
[22:47] Mit einem unfassbar schlechten Einspieler der unfassbar schlechten Quizduell-Sendung mit Jörg Pilawa wird Herbert Grönemeyers Auftritt angekündigt. Der wiederum trägt ein quietschgrünes Jackett und sieht deshalb und dank seiner Mimik aus wie ein Frosch. Na, wenn er meint… Dann tanzt er auch noch mit einer Hobby-Jazzdance-Combo. Manche Dinge möchte ich nie gesehen haben.
[22:51] Die Scorpions pfeifen den Gewinner der Kategorie „Band RockPop International“. Klaus Meine kündigt die Nominierten an: Coldplay, The Common Linnets, Pink Floyd, Sunrise Avenue und U2. Und es gewinnen – Überraschung – Pink Floyd. Respekt! Endlich mal eine gute Band – doch schon 2,5 Stunden nach Beginn der Veranstaltung. Campino klatscht gelangweilt, er hätte den Preis lieber Bono und seinem Apple-Coup-Album gegeben.
[22:57] Teilnehmer von „Sing meinen Song 2“ kommen auf die Bühne, unter ihnen die Stürmer Christl und Yvonne Catterfeld. Die Teilnehmer der ersten Staffel „Sing meinen Song“ sind die „Partner des Jahres“ des Echos und bekommen dafür einen Preis. Ich will auch einen Preis. Xavier Naidoo, ein Preisträger, labert was von Mut, den es für diese Sendung, die in Südafrika gedreht wurde,  gebraucht hätte. Jaja, Mut. Mut my ass.
[23.02] Gleich vorbei! Meghan Trainor singt. Und weil sie extra aus den USA gekommen ist, darf sie auch ihre beiden Hits vorträllern. Wieso nicht gleich das ganze Album? Wo sie doch extra aus den US of A eingeflogen wurde? „Come on, Germany!“ fordert sie. Hätte sie sich mal mit Marteria unterhalten sollen, der letztes Jahr „Alarm“ vom Publikum hören wollte. Was passierte? Nix! Auch dieses Jahr frage ich mich, wie es so ist – so als plötzlich zu einem unbeweglichen Baum verwandelter Mensch.
[23:06] Barbara Schöneberger outet sich als a-ha-Fan, jetzt kommen a-ha. Die waren gestern auf Promo-Termin in Berlin und werden – unglaublich – immer noch zu „Take on Me“ auf die Bühne geholt. Morten Harket und der Bandkollege, der nach 30 Jahren immer noch keinen Namen hat, vergeben den Preis für „Beste DVD National“ an Helene Fischer. Spielfreude hätte sie, die Helene, sagt die Stimme aus dem Off. Ich zeig dir gleich Spielfreude…
[23:09] Das Publikum ist aufgewacht und dreht durch. Zu Helenes Laudatio, crazy. Sie hätte sich rar gemacht, behauptet sie. Wo war ich als sie nicht omnipräsent war? Und sie kann keinen geraden Satz mehr sprechen. Morten Harket zieht Grimassen hinter ihr und denkt sich „…“ Ja, was eigentlich?
[23:10] Jetzt muss es schnell gehen: „Rock Alternative International“: AC/DC, Foo Fighters, Linkin Park,  Nickelback, Slipknot. Thomas Gottschalk übergibt mit grauer Wallemähne AC/DC den Echo für „Best Rock Alternative“ und stellt vor der Band genau wie ich das „Alternative“ in Frage. Angus sagt Danke. Wir sagen: Gerne.
[23:15] The Common Linnets und Stefanie Heinzmann singen was. Barbara Schöneberger bemerkt noch, dass The Common Linnets auch den ersten Platz beim Eurovision 2014 verdient hätten. Da fällt mir auf: Wo ist eigentlich Conchita, lieber Echo?
[23:19] Jetzt gehts Schlag auf Schlag. Radio-Echo, den übergibt Barbara Schöneberger selbst: Andreas Bourani mit seinem WM-Track gewinnt. Ich konnte den schon im Mai, lang vor dem WM-Finale, nicht hören. Zurecht gewonnen also.
[23:22] Detlev Buck überreicht Udo Lindenberg noch den Preis für soziales Engagement. Alle reden immer schon von der Aftershow-Party, Buck brabbelt und brabbelt und verweist alle auf ihre Plätze. Zurecht, denn es ist der einzige Echo des Abends, der wirklich wichtig ist: Der für die Udo-Lindenberg-Stiftung. Wichtig.
[22:29] Mark Foster präsentiert „HipHop/Urban“, Cro checkt derweil sein Handy, jetzt wirds hart:  Farid Bang vs. Cro vs. Kollegah vs. Kool Savas vs. Shindy. Es gewinnt Kollegah, der kürzlich grad noch mit einem 35.000 teuren blauen Auge davon kam wegen einer Schlägerei im bayerischen Voralpenland. Cro gratuliert ihm vielleicht grad via Twitter. Wie es sich für einen Gangster-Rapper gehört, bedankt sich Kollgah noch brav bei seiner Mama und  ich frage mich: Wie lange geht diese krampfige Veranstaltung noch? Und womit haben wir all das verdient?
[22:32] Barabara Schöneberger fragt, was in den letzten drei Stunden eigentlich passiert ist. Frag ich mich auch. Ich frage mich wirklich, wer eine Gala dieser Art auch nur ansatzweise gut finden kann. Schöneberger singt eine Zusammenfassung. Uns bleibt auch rein gar nichts erspart.
[22:34] Till Brönner bittet Nana Mouskouri für den Preis für ihr Lebenswerk auf die Bühne. Ist das das Friedensangebot der deutschen Entertainment-Industrie an Griechenland?
[04:43] Wieder aufgewacht, die Tastenkombination „ghvb“ vollgesabbert, weil der Kopf auf die Tastatur fiel. Quatsch, es ist 23:43. Aber ich würde mir wünschen, ich wäre bei der Videobotschaft von Quincy Jones für Nana Mouskouri eingeschlafen. Quincy, Quincy… warst auch schon mal weniger verpeilt drauf. Jetzt spricht Nana in drei Sprachen. Apropos „Nana“ – erinnert sich noch wer an den Nana?
[23:50] Nana Mouskouri hält immer noch ihre Dankesrede. Wo ist das Orchester von den Oscars?
[23:52] Um Gottes Willen, es ist immer noch nicht vorbei. Jetzt singen alle gemeinsam „Redemption Song“ von Bob Marley: Gentleman, Campino, Wolfgang Niedecken, Joy Denalane, Nneka, Maxi Priest. Natürlich – kein Echo, ohne dass Campino das Schlusslied singen darf!
[23:57] Die letzten Takte vom „Redemption Song“. Hart am Schlaflied, diese Version.
[23:58] It’s done! Von der anfänglichen Betroffenheit war am Schluss nix mehr übrig. Verwunderlich? Man weiß es nicht. Ich möchte über drei Stunden Lebenszeit zurück.

So, wieder ein Echo vorbei. Was war anders? Roger Cicero durfte nach seinem „Führerschein verloren weil vielleicht Drogen im Spiel“-Ankündigungs-Desaster 2014 keinen Künstler präsentieren, Adel Twail hat uns vor einer Live-Performance verschont und Helene Fischer hat nicht moderiert, war aber mindestens genau so viele Minuten wie letztes Jahr auf der Bühne und hat uns vor einem neuen Duett verschont (Danke dafür). Was bleibt gleich? Campino singt immer das Schlusslied und macht das Licht aus, ansonsten schaut er gelangweilt. Anna Loos und Jan-Josef Liefers sind das mit Abstand schrecklichste Paar, das das deutsche Entertainment zu bieten hat (Sorry, Familie Geißen!). Manchmal feiert man sich am allerliebsten einfach selber. Und ab und zu trifft halt doch zu: Gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht, sondern vielleicht doch nur gut gemeint.

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