Er wird für immer unser allerliebster Bewohner aus Grimsby bleiben: Lee MacDougall. Am Freitag veröffentlicht der Ex-Fischfabrikarbeiter und studierte Musiker sein Debüt „Busk Till Dawn“.

buskMit seinem Gitarrenkoffer und einer EP zog er durch die Lande, der Lee. Konzerte in Bars, in denen eigentlich keine Konzerte stattfinden und Wohnzimmer-Shows in Europa und den USA waren feste Alltagsbestandteile des Briten. Er mag die Beatles, Tee mit Milch und Deutschland – vor kurzem hat er seinen Wohnsitz aus dem nordenglischen Grimsby auf das europäische Festland verlegt. Am 10. April erscheint jetzt sein erster Longplayer „Busk Till Dawn“ und wir haben schon reingehört. Fazit: Es klingt nach mehr als bei den Konzerten und ist doch klar Mister MacDougall. Könnte also besser nicht sein. Und der Titel ist, vermuten wir, kein Zufall: Cineast MacDougall kennt seinen Tarantino, seine Selma und seine Zombie-Bars. Und mit „Busking“, auf der Straße einen aufspielen, bis zum Morgengrauen, kennt er sich ebenfalls aus.

Zehn Songs schafften es letztendlich auf „Busk Till Dawn“. Und nein, es sind keine Cover-Songs dabei; weder „Umbrella“ noch „Wonderwall“ gibt Lee MacDougall zum Besten und das hat er auch gar nicht nötig. Den Konzertgängern sind die meisten, konkret: acht der zehn Tracks, bekannt, allerdings nicht in dieser Version. Es gibt eine komplette Band zu den Songs und auch wenn sie live fein und sauber klangen, so klingen sie jetzt nach mehr. Das Schlagzeug trägt ebenso viel bei wie der Harmoniegesang, der über manche Stelle gelegt wurde. Man hört, hier war kein Anfänger am Start: Jahre auf Tour und noch dazu ein Abschluss in irgendeinem Studiengang mit Musik („Musical enginieering“ oder so, wenn ich mich richtig erinnere) führen eben einfach dazu, dass man weiß, wie etwas klingen soll.

Für „Busk Till Dawn“ holte sich der Brite noch dazu Unterstützung von außen: Jim Lowe fungierte als Produzent. Falls da jetzt keine Glöckchen klingeln: Jim Lowe produzierte und mischte so ungefähr alles von den Stereophonics, was von den Charlatans und zu meinem Entsetzen auch was von Taylor Swift. Sei’s drum, auf „Busk Till Dawn“ liefert Lowe beste Arbeit ab. Es handelt sich bei allen zehn Songs um Geschichten aus dem Leben eines ganze normalen Menschen: die Mädels („Stay“, „Joanna“ und natürlich „Falling In Love For The First Time“), die Stadt („London In The Summer“) und das Leben („This Is My Story“).

Musikalisch siedelt sich Lee MacDougall ganz klar in der Singer/Songwriter-Ecke an; aber eben nicht bei denen, die erst vor kurzem auf den Zug aufgesprungen sind, sondern bei denen, die das schon mehrere Jahre machen und allein eine Show stemmen können. Viel Akustik-Gitarre und nun eben auch eine Band, die sich aber angnehm im Hintergrund hält. Die Begleitmusiker lassen alle Songs zwar voller, runder, größer klingen, Hauptperson des Albums ist aber nach wie vor Lee MacDougall allein.

Zwei neue Tracks beinhaltet das Album: „The Troubled Man“ und „Redefine“ machen „Busk Till Dawn“ komplett. Ersterer ist vielleicht eine fiktive Lebensgeschichte, „Redefine“ ist ein ganz klassisches Liebeslied mit sehr zurückgeschraubtem Schlagzeug, nur mit Gitarre und bissl Synthie-Orgel. „Busk Till Dawn“ ist eine Tip-top-Platte. Eine, bei der man sich wundert, wenn sie nicht im Radio gespielt werden würde – in den guten Sendungen, versteht sich ja von selbst, weil allein schon die Texte nicht nur von „Schlalalala, Hurri-hurra“ handeln. BBC 6 erkannte das Potenzial des Jungen Engländers und stellte in meinen Augen bereits treffend fest:

„You absolutely cannot fake that kind of sincerity and passion.“

Man hört Lee MacDougall seine Britishness an, seine Vorliebe für die Beatles und die Faces. Wer ihn denn schon einmal live gesehen hat, weiß, dass er nicht umsonst mit Paolo Nutini und Ed Sheeran auf Tour war; denn er kann das, was er da auf der Platte und auch auf der Bühne tut. Wer sich davon selbst überzeugen will, hat auf Lee MacDougalls erster Headline-Tour durch Deutschland die Möglichkeit dazu:

14. April, Frankfurt, St. Peter Café
16. April, Mannheim, Casino
17. April, München, Milla
18. April, Essen, Café Nova
19. April, Köln, Studio 672
21. April, Hannover, Lux
22. April, Hamburg, Prinzenbar
23. April, Greifswald, Brasserie Hermann
24. April, Leipzig, Moritzbastei
25. April, Berlin, Crystal Club

Ich war mit Lee auf Tour, habe mit ihm Tee getrunken und wir haben wild gefeiert. Jetzt kann  ich endlich bestätigen, was ich vor vier Jahren nach seiner ersten Show vermutet hatte: „Das wird was.“ Das Album ist super, die Instrumentalisierung so, wie ich es von einem studierten Musiker verlange. Und das Beste: It was worth the wait. Neue Vermutung: The busking days are over. Wie schön!

„Busk Till Dawn“ von Lee MacDougall erscheint am 10. April 2015 bei Brainstorm Records.