Kann es wirklich sein, dass Against Me! zuletzt vor knapp fünf Jahren in München waren? Im ausverkauften 59:1, im Mai 2010? Seitdem hab zumindest ich sie nur auf Auswärtsterminen gesehen. Sie sind live ausnahmslos hervorragend und die letzte Platte war eine Granate, die auch ein gutes Jahr später immer noch ungebremst reinhaut. Wäre also schön blöd, sich ihre anstehende, lang ersehnte München-Show am 21. April entgehen zu lassen. Wir sprechen hiermit eine uneingeschränkte Empfehlung aus und verleihen dieser nochmal mit einer Verlosung von 2×2 Gästelistenplätzen entscheidenden Nachdruck. Noch irgendwelche Ausreden?

againstme_2013_sm_CreditRyanRussellJa, in Deutschland haben sie sich zuletzt rar gemacht. Da musste man ein bisschen erfinderisch werden, um die Herrschaften zu sehen. Ein paar Mal hats dann aber doch geklappt. Als Vorband beim Turner Frank 2011 in Manchester zum Beispiel (ja, echt!) oder beim letztjährigen Kurzausflug zur Alternastage bei Rock im Park, im Doppel mit Quicksand. Dazu gabs Frontfrau Laura Jane Grace dazwischen zweimal solo, einmal als Support von Dave Hause, ebenfalls im 59:1 (2012) oder im gleichen Jahr beim Pirate Satellite Festival in Stuttgart neben Hot Water Music. (Damals beide Male noch als Tom Gabel, weil vor ihrem Coming Out.)

Es waren turbulente Zeiten für Against Me!. Zwar war die Karriere des Punkrock-Vierers aus Gainesville, Florida nie die gradlinigste, aber die letzten drei Jahre waren schon besonders aufwühlend, für die Band und die Fans gleichermaßen – natürlich aber in erster Linie für Frontfrau Laura Jane Grace. In der Vergangenheit gab es immer wieder Talfahrten für die Band. Seien es die ständigen Diskussionen um ihre Label-Entscheidungen, eine geleakte EP oder das bei Fans der ersten Stunde teilweise leidenschaftlich gehasste Album „White Crosses“ (2010). Okay, es ist nicht ihr Bestes, aber man sollte die Kirche auch einfach Mal im Dorf lassen.

Das alles nimmt sich aber rückblickend eher nebensächlich aus, wenn man auf das Jahr 2012 schaut. Im Mai des Jahres gab die bis dahin als Tom Gabel bekannte Frontfrau der Band in einem beispiellosen Interview für den Rolling Stone bekannt, als Trangender-Frau geboren worden zu sein, und fortan auch als Frau zu leben. Namensänderung und Geschlechtsangleichung inklusive. Bitte was?!? Das dürften sich ganz viele im ersten Augenblick gedacht haben. Im zweiten aber machte einfach alles soviel mehr Sinn. Der Bandname, auf einmal gar nicht mehr so kryptische Textzeilen (If I could have chosen, I would have been born a woman./ My mother once told me she would have named me Laura. – „The Ocean“)  und letztendlich vielleicht auch die Unausgegorenheit des vorletzten Problemalbums.

Im Grunde begann 2012 die zweite Ära von Against Me!. Natürlich dreht jetzt sich alles noch mehr um die Frontfigur Laura Jane Grace, um ihre Geschichte, ihre neue Rolle, nicht nur für die Musik, und den Punkrock, sondern für eine ganze Community an Transgender-Männer und -Frauen, die eine neue Identifikationsfigur haben. Ob sie will oder nicht, sie ist jetzt nicht mehr nur noch eine begnadete Rebellin an Gitarre und Mikro, sie ist Sprachrohr und Projektionsfläche für eine immer noch viel zu oft diskriminierte und stigmatisierte Minderheit, die nicht allzu viele prominente Vorbilder hat.
Ein Schritt so mutig wie wichtig. Ein Knoten, der sich über die Jahre immer enger gezogen hatte, war geplatzt. Jetzt musste ganz viel raus und erzählt werden. Das Thema fürs nächste Album war klar, der Name Programm: „Transgender Dysphoria Blues“. Und was für ein Album es geworden ist! Ein bombastischer Befreiungsschlag, eine emotionale Achterbahnfahrt, ein gewaltiges Stück Punkrock. Bei dieser Platte sitzt jede Zeile. Ausführlich betrachtet und gefeiert wurde sie bereits im letzten Jahr hier bei uns.

Danach hat sie sich auch direkt noch an eine eigene Web-Serie gemacht. Mit dem Partner AOL werden in der 10-teiligen Dokumentation „True Trans“ (alle Episoden gibt es hier) die Transgender-Thematik und die damit einhergehenden Problematiken und Entwicklungsphasen beleuchtet. Es gibt viele Interviews mit Laura selbst, ihrer Familie, ihrer Band und auch Fans.
Die Serie war wohl auch der Grund, warum die eigentlich für Ende letzten Jahres angesetzten Deutschland-Termine in den Frühling 2015 verschoben werden mussten. Es gab „Scheduling Conflicts“. Sei’s drum, auf diese Band warte ich gerne auch ein paar Monate länger. Sie sind live eine Wucht und ein Erlebnis, das man immer wieder sehen möchte. Dazu haben sie inzwischen, und vor allem mit der letzten Platte ein Hit-Arsenal beieinander, dass es kracht. Die alten Alben, das grandiose „New Wave“, aber auch das zwiespältige „White Crosses“ hat live seine Momente.

Wenn es nur annähernd so gut wird, wie das letzte Konzert bei Rock im Park, Leute, dann dreh ich durch! Hier hat alles gepasst. Die riesige Alternastage-Halle war an einem über 30 Grad heißen Nachmittag nicht ansatzweise gefüllt, aber die Band, allen voran Frontfrau Laura legten eine Spielfreude an den Tag, die schon fast unheimlich war. Nach einer vorangegangenen Titelstory der VISIONS, die von divenhaften Anfällen bei Interview- und Foto-Termin berichtete, hatte man darauf gar nicht in dem Maße zu hoffen gewagt. Aber sie gehört halt auf die Bühne. Dazu war der Sound exzellent, die Band tight wie eh und je (die zwei Personalwechsel 2012/13 haben also nicht zu merklichen Problemen geführt) und das Publikum ab dem ersten Ton in heller Aufruhr. So macht man das! So will ich das wieder sehen!

against_me_todd_howeWenn ihr das auch sehen wollt – wie und wo man Tickets kauft, wisst ihr. Und wenn ihr euer Glück an der Losfront versuchen wollt, könnt ihr das jetzt und hier. Wir haben nämlich 2×2 Gästelistenplätze für die Show im Backstage am 21. April. Yeah, Yeah und nochmal Yeah!!!

Was ihr dafür tun müsst, solltet ihr inzwischen auch wissen. Ihr seid mindestens 18 Jahre alt, habt am 21. April Zeit und Bock auf einen geschmeidigen Punkrock-Abend im Backstage und hinterlasst uns mit eurer echten E-Mail-Adresse (weil wir euch ggf. über die kontaktieren) hier unter dem Beitrag einen Kommentar. Eure Daten werden weder gespeichert noch an andere weitergegeben, weil’s das nicht braucht. Teilnahmeschluss ist nächsten Donnerstag, den 16. April 2015 um 23:59 Uhr, die beiden glücklichen Gewinner benachrichtigen wir schnellstmöglich. Wie immer entscheidet die Losfee und wir kontaktieren die Auserwählten per E-Mail. Bitte auch unbedingt das Spam-Fach checken und schnell zurückmelden! In letzter Zeit war der ein oder ander da etwas nachlässig und hat sich leider um seinen Gewinn gebracht. Wir wünschen Viel Glück!

 

Fotos: PR (Bandfoto), Todd Howe (Live Foto) via Facebook