Am 18.4. dürfen wieder die Sparschweine zertrümmert und der Dispo überzogen werden, der dritte Samstag im April ist traditionell Record Store Day. Jeder Musiker, jede Band, jedes Label, das etwas auf sich hält, schmeißt mit abgefahrenen, limitierten und leider viel zu oft viel zu teuren Releases um sich, die es (erstmal) nur exklusiv im Rahmen dieser alljährlichen Vinyl-Party zu kaufen gibt. Gerade in den letzten Jahren sah sich das Happening wegen zunehmender Kommerzialisierung immer stärkerer Kritik ausgesetzt. Ganz entziehen kann man sich der Geschichte am Ende aber doch nicht, zu viele spannende Schmankerl sind auch in diesem Jahr wieder dabei und so liegt auch hier schon der Einkaufszettel oder besser die Wunschliste bereit. 

cropped-rsd-20151Record Store Day – was das ist, und wie das läuft, dürfte langsam hinreichend bekannt sein. Bei Auffrischungsbedarf gehts hier zu unseren Beiträgen 2013 und 2014. Ursprünglich als Adrenalinspritze für die darbende Zunft der unabhängigen Plattenläden gedacht (Die haben das Event nämlich vor 8 Jahren ins Leben gerufen, nicht die Industrie!) wird es leider immer mehr zur überhypten Konsumschlacht, die noch am gleichen Tag in den Beginn eines wilden Wettrüstens auf eBay ausartet.
In diesem Jahr nimmt es aber langsam bedenkliche Ausmaße an. Bereits Wochen vorher tauchten einzelne Exemplare zu absurdesten Preisen auf eBay auf, Versandtermin natürlich erst ab 18.4. So so. Ob da die Plattenhändler selber in mafiöse Machenschaften abgleiten (reich wird man ja in dem Business eher schwer) oder ob es gut vernetzte Privatpersonen sind, die direkt mal eine Priority-Lieferung abgreifen? Man weiß es nicht.
Die Entwicklung deckt sich jedenfalls mit dem neuerlich wieder wachsenden Interesse an Musik auf Vinyl. Ob aus Sammlerambition, einem Anfall von Hipness, wegen der besonderen Klangfarbe oder einfach nur der bewussten Art zuliebe, mit der man eine Platte auflegt und hört, die Verkaufszahlen steigen.

Vinylliebhaber und Botschafter des RSD 2013, Jack White, lässt das Thema auch nicht los und so begibt er sich, ganz im Dave Grohl-Modus (der ist übrigens Botschafter der diesjährigen Ausgabe) unter die Filmemacher und wandelt zusammen mit Soundtrack-Schwergewicht T-Bone Burnett – verantwortlich für weite Teile der Musikauswahl beim Serien-Smash-Hit True Detective – und Hollywood Urgestein Robert Redford auf den Spuren dieses ältesten aller Tonträger. Es erwartet uns also eine weitere vielversprechende Doku rund um die musikalische Kulturgeschichte der USA. Ein erster Trailer wurde diese Woche veröffentlicht und sieht wirklich gut aus.

Aber genug des Exkurses. Hier mal mein persönlicher Versuch einer Annäherung an die besten Zuckerl. LP, 10″, Single oder Boxset, schwarz, bunt, durchsichtig oder Picture-Vinyl, Neuauflage, RSD-Special oder Verschollenes – es ist alles dabei. Eine durchaus illustre Mischung und natürlich schwer subjektiv bzw. bedarfsorientiert.

Air „Playground Love“ (aus The Virgin Suicides) als 7″ colored Vinyl
Biffy Clyros Meisterstück „Puzzle“ zum ersten Mal überhaupt auf Vinyl
Black Rebel Motorcycle Club „Weapon Of Choice/ Need Some Air“ 7″
Cloud Nothings „Here And Nowhere Else“ Remixes LP
Courtney Barnett „Kim’s Caravan“ vom Spitzen-Debüt als lmtd. RSD 12″
Daughter/ Warpaint Split 12″
Florence And The MachineAlbumvorbote „What Kind Of Man/ As Far As I Could Get“ auf blauem Vinyl
Foo Fighters „Songs From The Laundry Room“, eine 4-Song-Live EP
John Butlers sagenhafte Über-Gitarrenhymne „Ocean“ als 12″
Jurassic 5s „Quality Control (The Wood Box)“ als 4fach LP mit 24seitigem Booklet
Die komplette 5teilige Kettcar-Werkschau als Box-Set (handsigniert und numeriert)
Kiasmos (Olafur Arnalds Side-Projekt) – RSD-exklusive Remix-12″
Laura Marling, „False Hope“, mein Lieblingssong vom aktuellen Album als 7″
Leatherface – „Razor Blades And Aspirin“ LP (bei über 60€ muss da aber Diamantstaub oder vergleichbares eingebacken sein)
Mclusky – „Mcluskyism“ zum ersten mal überhaupt auf Vinyl
Metronomy – „Boy Racers“ 12″
Ein Box-Set von den Red House Painters
Die „Come Pick Me Up“ 7″ von Ryan Adams
RSD Single von Botschafter Olli Schulz „Als Musik Noch Richtig Groß War/ Boogieman“
OFF! Live from the BBC, Radio 1 Session Limited Edition 10″
Pianos Become The Teeth – „Close“ 7″ auf gemustertem Vinyl
Sharon Jones And The Dap Kings – „Little Boys With Shiny Toys“ 7″
Wes Andersons „Darjeeling Limited“ OST als grünes Vinyl

Wäre mein Budget unbegrenzt, würde ich mir die komplette Auswahl ins Beutelchen, bzw. eher den extragroßen Leiterwagen packen. Leider unrealistisch, aber eine halbwegs akzeptable Ausbeute wirds schon werden… Ist ja auch immer viel Glück dabei, schließlich wissen die meisten Händler selbst nicht, womit sie für diesen Tag letztendlich beliefert werden.

Der Gang in den lokalen Plattenladen ist an diesem Tag also besonders spannend, lohnt sich aber auch an jedem anderen Tag des Jahres. Neben ihrem Primärzweck als ultimative Musik-Fundgruben mit Flair, Herz und Charme, sind die Schuppen laut Olli Schulz nämlich auch noch besser als jede zwielichtige Partnerbörse im Netz. Nicht der schlechteste Gedanke. Was kostet denn sowas beitragsmäßig im Monat? Sicher mehr als eine gescheite LP, oder? Na also. Ihr plattenhörenden Singles wisst dank Olli jetzt endlich, was zu tun ist!

Und wenns jetzt diesen Samstag nix wird mit der großen Liebe, dann gibts immerhin die Chance auf Rares von Grateful Dead, Iggy Pop, Slayer, ein ganze Rutsche Pulp-Scheiben, The Flaming Lips und John Hopkins, TV On The Radio, Thees Uhlmann, die jetzt praktisch schon totgespielten Wanda und den Wu Tang Clan. Ist ja auch schonmal was.
Natürlich ist wie immer auch was von den alten Verdächtigen Bob Dylan, David Bowie, Jimmy HendrixJohnny Cash, Ennio Morricone, Willie Nelson, Otis Redding, Marvin Gaye, Elvis Presley, ein Haufen von Bruce Springsteen und The Who dabei.
Dazu stets spannende Sampler von kultigen Labels über finnische Newcomer bis hin zu allerlei obskuren Compilations.
Auch die Kuriositäten dürfen selbstverständlich nicht fehlen. Da wären z.B. dieses Jahr Belinda Carlisles „Heaven Is A Place On Earth“ als 7″ Picture Vinyl, eine Erasure Remix LP, eine Monty Python 7″ (Stephen Hawking singt einen gewissen Galaxy Song?!?) und natürlich alljährlich irgendwas Wildes von Jethro Tull.
Nein, vielen Dank sag ich ganz entschieden zu der ersten Mumford & Sons-Single (Was soll das???), zu The Prodigy als „glow in the dark“-Vinyl, einer Tegan And Sara Live Single (alles nach Sainthood geht nicht mehr) und U2s „Songs Of Innocence“ auf Vinyl. Entschuldigung, aber was ich schon als „Geschenk“ aus meiner iTunes Mediathek geschmissen hab, brauch ich erst recht nicht im Plattenschrank.

Die komplette Liste aller Releases, die man theoretisch in Deutschland bekommen kann, gibts hier.
Auf der offiziellen Homepage des Record Store Day Germany findet ihr dazu alle durchaus sehenswerten Trailer unseres nationalen Botschafters Olli Schulz, dazu eine Übersicht aller teilnehmenden Läden inklusive der zahlreichen dort stattfindenden Instore-Events und sonstiges Wissenswertes.

Allen, die am Samstag ein Date mit dem Plattenladen ihres Vertrauens haben, wünschen wir ganz viel Spaß und Erfolg bei der Jagd. Und falls es am Samstag terminlich nicht klappt, man kann auch ein paar Tage später immer noch sein Glück versuchen. Das ein oder andere, auf das nicht schon seit Wochen hysterisch hingefiebert wird, findet man mit etwas Glück durchaus auch noch Tage oder sogar Wochen später.

In diesem Sinne, Happy Record Store Day 2015!

 

 

Foto: PR