Warme Soul-Melodien mit minimalistisch-geschmeidigen Elektro-Beats – 90s-R&B feierte in den vergangenen Monaten im modernen Gewand ein Revival. Zahlreiche junge Produzenten wie die britischen Newcomer Jack Garratt und Honne sorgen diesen Frühling für sinnliche Momente.

Honne_Press_Shot_1Als avantgardistischer Elektro-Soul, moderner Blue-Eyed-Soul oder Futuristic Soul wurde ihr Stil bereits bezeichnet. Wie auch immer. Anders als etwa die Old-School-Produkionen von Soul-Shootingstar Leon Bridges setzen Honne auf moderne Sound-Strukturen. Ähnlich wie Chet Faker oder Sohn verschmilzt das Londoner Duo, bestehend aus Sänger Andy Clutterbuck und Produzent James Hatcher, warme Vocals mit geschmeidig-eleganten Elektro-Produktionen.

Honne ist aus dem Japanischen und bedeutet wohl sowas wie die wahren, meist verborgenen Sehnsüchte eines Menschen. Mit entsprechend viel Gefühl geht es bei Honne denn auch zur Sache. Inspiration finden Honne sowohl bei aktuellen Künstlern wie Jungle und James Blake, als auch bei Klassikern von Quincy Jones.

Die beiden Musiker lernten sich an der Uni kennen. Während sie sich ihren Lebensunterhalt mit Musikunterricht verdienten, tüftelten sie an ihren ersten Tracks. Entdeckt wurde das Herren-Duo, das optisch an die Pop-Boys von Hurts erinnert, vom Indie-Label Super Recordings, das auch die Karriere des R&B-Duos AlunaGeorge ins Rollen brachte.

Nach den beiden ersten EPs „Warm On A Cold Night“ und „All In The Value“ mit einer Handvoll Tracks legen Honne am 1. Mai mit „Coastal Love“ eine weitere EP vor. Der Titeltrack „Coastal Love“ ist mit seinem lässig-entspannten Groove und dem nonchalant-nöligen Gesang (böse Zungen behaupten, es klinge, als hätte der Sänger noch eine „Tamponade vom letzten Zahnarztbesuch in der Fresse“), eine erste, zaghafte Vorahnung auf den Sommer. Man hört sogar das Meer rauschen. Echt! Hinter dem leichten, plätschernden Beat verbirgt sich eine herzzerreißende, simple Geschichte über eine Fernbeziehung. Er ist in New York, sie in, sagen wir Kalifonrien – „Coastal Love“ eben. „I don’t know how it feels, ‚cause I don’t leave in your part of the world“, klagt Andy Clutterbuck und fügt im Refrain sehnsüchtig hinzu: „I close my eyes and I picture us together“.

Trotz der elektronischen Spielereien geht das Soul-Feeling bei Honne nicht verloren. Neben drei Eigenkompositionen ist auf der neuen EP auch ein Cover enthalten. „Didn’t I“ stammt ursprünglich vom US-Soul-Sänger Darondo. „Wir lieben den Charme des Originals, die raue Aufnahme und die außergewöhnliche Vocal-Performance“, so Honne über die Songauswahl.

Soul 2.0

jack_garrattÄhnlich wie Honne kombiniert auch Jack Garratt seinen warmen Soul-Gesang mit hypnotischen, zart-zerstückelten Elektro-Beats. Nachzuhören etwa auf seinem R’n’B-Track „Worry„, der an die frühen Solo-Songs von Justin Timberlake erinnert und in Zusammenarbeit mit dem dänischen Producer Carassius Gold entstand. „Water“ indes plätschert kristallklar zu langsam fließenden Beats und sanften Piano-Klängen aus den Boxen und prallt behutsam auf ein Gitarrenriff.

Jack Garratt, der aus dem Dorf Little Chalfont nördlich von London stammt, veröffentlichte letztes Jahr zwei EPs – „Remnants“ und „Remnix“, mit Remixen der „Remnant“-Songs. Seit 13. April ist die neue EP „Synesthesiac“ erhältlich.

Seine Hauptinspirationsquellen seien die Alben „Blunderbuss“ von Jack White und „Channel Orange“ von Frank Ocean, sagt der Newcomer. „Sie sind der Grund, weshalb meine Musik heute so klingt, wie sie klingt.“ Er liebe die rauen, bluesig-bissigen Riffs von Jack White und das Glatte, Ambivalente im Sound von Frank Ocean, so Jack Garratt.

Derzeit arbeitet der Singer/Songwriter und Multiinstrumentalist an seinem Debütalbum. Dafür erhält er u.a. auch Unterstützung von Produzenten-Legende Rick Rubin (Adele, Red Hot Chili Peppers, Beastie Boys).

Am 1. Mai spielt Jack Garratt seine erste (bereits ausverkaufte) Deutschland-Show im Studio 672 im Kölner Stadtgarten. Im Sommer kehrt er für einige Festival-Termine aufs europäische Festland zurück. So ist er u.a. beim „Open Air St. Gallen“ sowie beim „Montreux Jazz Festival“ in der Schweiz zu sehen.

Fotos: Warner Music, Universal Music