Die Tocos auf Clubtour. Und in München sogar im wunderbaren Strom. Dass wir das noch erleben dürfen! Die Vorfreude auf dieses Spektakel war riesengroß – und mehr als nur berechtigt. Denn die Euphorie dieses Abends wirkt immer noch nach. Im Zweifel für Tocotronic eben. – Für uns berichtet endlich wiedermal unsere geschätzte Teilzeit-Island-Korrespondentin Lisa.
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Die Spannung im Strom ist vor dem Konzert förmlich spürbar. Pünktlich um 20 Uhr soll es losgehen, ohne Vorband – wäre auch wirklich mehr als unnötig. Der ausverkaufte Club ist nur heiß auf die Tocs! Um 20:30 betreten Dirk von Lowtzow, Arne Zank, Jan Müller und Rick McPhail schließlich die mit Glitzer-Vorhang behängte Bühne und das Strom verwandelt sich bereits nach den ersten Songs in eine 500 Tocotronic-Fans umfassende Sauna.
Nach den neuen Songs „Prolog“ und „Ich öffne mich“ – meiner Meinung nach zwei der stärksten Songs des am 01. Mai erscheinenden, selbstbetitelten Albums – lockt das Hamburger Quartett mit „Du bist ganz schön bedient“ auch den letzten zurückhaltenden Münchner aus der Reserve und reißt hin zu kollektiven „Alles was ich sagen will, ist: Halt zu mir!“-Gesängen.
IMG_0901Auch 22 Jahre nach Bandgründung haben die vier charmantesten Herren innerhalb des deutschsprachigen Musik-Kosmos kein bisschen von ihrer jugendlichen Leichtigkeit und rebellischen Art eingebüßt. Selbst wenn die Mittvierziger „Wir sind Babys. Wir spucken ihnen ins Gesicht“ singen, glaubt man ihnen jedes Wort. Und Dirk von Lowtzow sah wohl nie besser aus. Die grauen Haare stehen dir, Rebel Boy!
Neben weiteren neuen Songs darf natürlich auch zu All-Time-Lieblingen wie „Hi Freaks“, „Aber hier leben, nein danke“, „Samstag ist Selbstmord“, und „This boy is Tocotronic“ getanzt und vor allem lauthals mitgesungen werden. Ein Chapeau für diese Songauswahl! Gekrönt wird dieses Fest nur noch von „Freiburg“. Okay, stimmt nicht ganz. Denn die allerallerletzte Zugabe „Drüben auf dem Hügel“ treibt fast das ein oder andere Freudentränchen in die Augen und trotz Hitze Deluxe bahnt sich die Gänsehaut ihren Weg auf die benetze Haut.
In trunkener Euphorie und Glückseligkeit haben wir nach dem Konzert und dem gefühlt zehnten Bier sogar noch unseren ganz persönlichen Fangirl-Moment mit Dirk, aka ein Erinnerungsfoto mit dem Mann, der so schön wie sonst kein anderer sagt: „Hallo München!“. Tocotronic, eure Stippvisite im Süden war nicht nur viel zu heiß und viel zu kurz, sondern vor allem eins: viel zu schön.

 

autorenfoto_lisaLisa hat Kulturwissenschaft studiert und arbeitet als Videoredakteurin. Sie mag Musik und Island. Und isländische Musik ganz besonders, zählt z.B. Sigur Rós zu ihren absoluten Lieblingsbands und das Iceland Airwaves neuerdings zu ihren Lieblingsfestivals.

 

 

 

 

Fotos: Lisa Lindhuber