Bisher war das Pirate Satellite Festival eine schwäbische Angelegenheit. In diesem Jahr geht die Punkrock-Institution erstmals auf Tour und gastiert neben Stuttgart noch in vier weiteren deutschen Städten. Unter anderem bei uns in München. Und weil wir das ziemlich gut finden, und uns selber schon riesig auf Sonntag, den 10. Mai freuen, haben wir an der Stelle eine heiße Veranstaltungsempfehlung, eine schicke Playlist und dazu noch 2 x 2 Gästelistenplätze für euch!

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Das Festivaljahr 2015 ist ein durchaus kurioses. Die Streitigkeiten rund um den Nürburgring waren nur scheinbar der Gipfel der Absurdität. Die Hitliste führt gerade das Notfallplan-Festival „Rock im Revier“ an. Genauere Details sollen euch an der Selle erspart bleiben, vermutlich wissen die meisten ohnehin Bescheid. Soweits kommts, wenn es beim Thema Festivals eben nur noch ums Betriebswirtschaftliche geht, ums Kohle Scheffeln und natürlich um die große Ego-Show im Business. Da ist die Musikauswahl höchstens noch zweitrangig und für die Interessen der Fans und Besucher hat man noch weniger übrig. Auch die bayerische Landeshauptstadt kam im Zuge dieses Kasperltheaters 2015 zu einem neuen Festival der – Achtung – Superlative! Dem Rockavaria im Olympiapark.

Abseits von aller Gigantomanie, sinnlosem Marketing-Bohai und horrenden Ticketpreisen darf sich München in diesem Jahr und an diesem Wochenende aber auch über ein kleines, feines, eintägiges Indoor-Festival freuen. Für Freunde des Punk-Rock ein uneingeschränktes Muss und eine wirklich runde Geschichte. Kompakt und überschaubar drücken sich am 10. Mai in Backstage Halle und Club die feinen Kombos die Mikros in die Hand.

In Stuttgart war ich 2012 dabei, und es war absolut großartig. Es war zwar der gefühlt heißeste Tag des Jahres und die Fahrt im Auto ohne Klimaanlage entsprechend grenzwertig, aber die Shows haben das locker wettgemacht. Allen voran Against Me! Frontfrau Laura Jane Grace (damals noch als Tom Gabel), Chuck Ragan und Buddy Dave Hause im Akustikmodus, sowie ein tadelloses Brett der unerreichten Hot Water Music. Hatte zwischendrin fast ein bisschen was von Revival Tour.

Auch das diesjährige Line-Up hat der Himmel geschickt. Alte Helden treffen auf neue Wilde. Ein wunderbar gelungener Mix an Bewährtem und Verehrten, aufgemischt mit heißen Neuentdeckungen, die – zumindest bei mir – seit Ende letzten Jahres in leicht exzessiver Dauerrotation laufen.
Angereist wird bequem mit den Öffentlichen, Komasäufer im Tag-3-Stadium bleiben einem erspart, genauso wie das morgendliche Schock-Erwachen im sauerstoffreduzierten Ranz-Zelt. Wobei, wem das fehlt, der findet sicher mit seinem Mikro-Wurfzelt ein romantisches Plätzchen zwischen der liebevoll gehegten Wucherbepflanzung auf dem Gelände (Tarnfarben und ein paar Lianen zur weiteren Verschleierung empfehlen sich.) Kurzum, man kann sich aufs Wesentliche konzentrieren. Die Bands. Und die können sich wirklich sehen lassen.

Das komplette Aufgebot besteht aus Samiam, Make Do And Mend, The Smith Street Band, Joyce Manor, Teenage Bottle Rocket, Masked Intruder und The Hotelier.

Ehrlicherweise ist ja alles nach Samiam quasi Zugabe. Aber nur auf den ersten Blick! Auf den zweiten offenbart sich hier ein richtiges musikalisches Schmuckkästchen. Ich persönlich freue mich neben den offensichtlichen Samiam noch mächtigst auf The Smith Street Band und The Hotelier.

TSSBThe Smith Street Band haben Ende 2014 mit ihrer dritten LP „Throw Me In The River“ eine absolute Killer-Scheibe hingelegt. Hier stimmt alles vom ersten bis zum letzten Lied. Elf Songs von Instant-Ohrwurm und Partykracher (“Surrender”), über trotzige Feel-Good-Hits (“I Don’t Wanna Die Anymore”) und sich langsam entfaltende Giganten (“The Arrogance Of The Drunk Pedestrian”) bis zum angenehm zuckerfreien Herzschmerz (“Calgary Girls”) – zwischen Punk, Indie, Folk und “Australicana” (falls es das überhaupt gibt…). Eindringlich, im besten Sinne ungehobelt, mit einer Extra-Portion Emotion und erfrischend wie das erste kalte Bier am Freitagabend hauen uns die vier Kerle aus Melbourne die Gitarren um die Ohren und Frontmann Wil Wagner seine wunderbar wütend-brachiale Stimme. Diese Truppe ist eine absolute Bereicherung für den Punkrock und eine meiner Top-Neuentdeckungen des letzten Jahres. Dazu engagieren sie sich beherzt in Sachen Flüchtlingspolitik (ein in ihrer Heimat Australien besonders brisantes Thema) und knallen dafür dem verantwortlichen Premier Tony Abbot schonmal einen 1A-Diss-Track um die Ohren, der textlich scharfzüngiger und gleichzeitig bedrückender kaum sein könnte. Bravo, meine Herren!

Wo wir gleich mit den Youngsters von The Hotelier weitermachen können. Potzblitz! Wieder so ein „Liebe auf den ersten Blick“-Ding. Emo lebt wieder auf. Und wie! Das punkig, rockig, krachige Melodiemonster “Home, Like No Place There Is” ist nur wenig später im letzten Jahr auf meiner Bildfläche erschienen und hat, sobald die Scheibe hier eingetrudelt war, den Plattenspieler erstmal nicht mehr verlassen. Das Quartett aus Massachusetts rund um Frontmann Christian Holden (und sein mitunter wahrlich herzzerreissendes Organ) verpasst dem halb vergessen geglaubten Emo-Genre eine gehörige Frischzellenkur. Zwischen Saves The Day und RVIVR spielt man sich auf der aktuellen LP durch neun sehr gute bis hervorragende Songs. Auch live haben die jungen Burschen ordentlich Hummeln im Arsch, und hauen raus, wie die ganz Großen. Das Video von einem ihrer Festivalauftritte im letzten Jahr lässt keine Zweifel – wie sie da die komplette Scheibe am Stück in 35 Minuten runterreißen, das kann was!

samiamUnd was muss man zu Samiam noch groß sagen? Die Punkrock-Ikonen und Emo-Core Pioniere aus Kalifornien versorgen uns seit über 20 Jahren mit feinstem musikalischen Stoff. Ich hab erst kürzlich, um meine Vorfreude weiter zu kultivieren, ihre Platten wieder rausgeholt und es ist schier unfassbar mit welcher Konsistenz sie Kracher-Alben produzieren. Diese Band ist eine Hitmaschine, hier braucht man mit einzelnen Songs gar nicht anfangen. Ein Album-Trio wie „Astray“ (2000), „Clumsy“ (1994) und „You Are Freaking Me Out“ (1992) muss man erstmal hinkriegen. Samiam könnten wahrscheinlich ohne Probleme 5 Stunden spielen, wahrscheinlich würden sie ordentlich schnaufen, aber das Material würde ihnen sicher nicht ausgehen. Man kann sich also darauf verlassen, als Festival-Headliner wird ihre Setlist ein einziges Hit-Kondensat.

Komplettiert wird das Line-Up auf zwei Bühnen durch vier weitere Bands. Make Do and Mend, auch seit fast 10 Jahren im Melodic-Hardcore und Punkrock unterwegs könnten sicher auch den Headliner-Spot bekleiden. Die Band hat ihr kürzlich erschienenes Album „Don’t Be Long“ im Gepäck. Ebenfalls erst kürzlich ihr neues Werk veröffentlicht haben Teenage Bottlerocket aus Wyoming. Etwas poppiger als bei den Kollegen geht’s auf „Tales From Wyoming“ zu, ein bisschen Red City Radio, ein bisschen bravere Bouncing Souls, ein bisschen Blink 182. Man hört auf jeden Fall das Skateboard!
Fast haben wir die glorreichen Sieben zusammen. Fehlen noch zwei. Joyce Manor  machen – natürlich – Punkrock, und kommen aus dem sonnigen Kalifornien. Wer ein Album mit dem Titel „Never Hungover Again“ vorzuweisen hat, dem sollte man auf jeden Fall zuhören. Zu guter Letzt dürfen noch Masked Intruder ran. Die Melody-Core Kombo aus Wisconsin mit einem Vertrag bei Fat Mikes (NOFX) Fat Wreck Label trug die bunten Sturmhauben schon vor Pussy Riot. Erstaunlicherweise heißen die Protagonisten dann auch gleich wie die Farben ihrer Strick-Masken, nämlich Blue, Green, Yellow und Red. Ja, warum auch nicht?

Ihr seht, ne Menge Holz, das euch am Sonntag erwartet. Diesen Muttertag rappelts im Karton! Da kann doch eine kleine Playlist zur Einstimmung schonmal nicht schaden. Zum Wiederentdecken, Neu-Gutfinden und Warmhören, Bitteschön!

Pirate Satellite Festival – Die Playlist

Das Pirate Satellite Festival ist nach wenigen Jahren schon eine Institution und dass der Punkrock-Zirkus nun endlich so richtig auf Reisen geht, wirklich eine Spitzen-Geschichte. Wer am Sonntag in München dabei sein möchte und noch keine Tickes hat, der kann sich hier noch welche besorgen. (Auch zu den übrigen Städten findet ihr dort alle Infos und Ticketlinks). Wir empfehlen das eindringlich! Oder ihr versucht euer Glück bei unserer Verlosung. Wir haben 2×2 Gästelistenplätze für euch.

Was ihr dafür tun müsst, sollte inzwischen hinreichend bekannt sein. Ihr seid mindestens 18 Jahre alt, habt am Sonntag den 10. Mai Zeit und Bock auf ein kleines aber feines Punkrock-Festival im Backstage und hinterlasst uns mit eurer echten E-Mail-Adresse (weil wir euch ggf. über die kontaktieren) hier unter dem Beitrag einen Kommentar. Eure Daten werden weder gespeichert noch an andere weitergegeben, wozu auch. Teilnahmeschluss ist Freitag, der 8. Mai 2015 um 12:00 Uhr mittags, die beiden glücklichen Gewinner benachrichtigen wir schnellstmöglich. Wie immer entscheidet die Losfee und wir kontaktieren die Auserwählten per E-Mail. Bitte auch unbedingt das Spam-Fach checken und schnell zurückmelden! In letzter Zeit war der ein oder ander da etwas nachlässig und hat sich leider um seinen Gewinn gebracht. Wir wünschen Viel Glück!

Pirate Satellite

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: PR (3), www.facebook.com/samiamband (1)