Was ist schlimmer als ein schlechtes Konzert? Eines, das man verpasst hat. Fest steht: Die Dead Kennedys kommen und ihr solltet sie auf keinen Fall versäumen!

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Verpasste Konzerte: Bei mir wären das Queen (tut am meisten weh), Beatles und Abba, Sex Pistols und Ramones. Alle nicht gesehen (ich war zu jung/doof/brauchte das Geld anderweitig). Nicht zu vergessen: die Dead Kennedys. Und jetzt stellt euch vor: Diese geniale Punkband der ersten Stunde tourt demnächst durch Deutschland und gibt tatsächlich auch noch ein Konzert in meiner Heimatstadt München – ist das zu fassen?

Für alle, die nicht komplett vertraut sind mit den Urvätern des Punk, hier ein kurzer Exkurs in die Band-Geschichte: Die coole Combo mit dem provokanten Namen stammt von der US-Westküste, wo sie 1978 gegründet wurde. Damalige Besetzung: Jello Biafra (Sänger), East Bay Ray (Gitarrist), 6025 (zweiter Gitarrist, war nur ein Jahr dabei), Klaus Flouride (Bassist) und Ted (Schlagzeuger). Ihre erste Single erschien im Juni 1979: „California Über Alles“ ist bis heute einer ihrer größten Hits. Im Herbst 1980 veröffentlichten die Kalifornier dann schon ihre erste LP (ja, so hieß das damals noch): „Fresh Fruit for Rotting Vegetables“, mit legendären Songs wie „Holiday in Cambodia“ oder „Let’s Lynch the Landlord“. Diese Platte gehört zu den ganz, ganz großen Werken des Genres.

Kurz nach dem Release stieg Drummer Ted aus gesundheitlichen Gründen aus und wurde durch D. H. Peligro ersetzt. In dieser Kombi tourten die Dead Kennedys bis Mitte der 1980-er Jahre durch die USA, Europa und Australien und wurden dadurch in der Szene weltberühmt. Es folgte Album auf Album. Ihr Markenzeichen: klassischer Brit-Punk plus speedy US-Punk plus provokante, kritische Texte, meist mit politischem Hintergrund. Dadurch machten sie sich nicht überall Freunde und wie es sich für ordentliche Rockstars gehört, markieren Skandale, Anfeindungen und auch Gerichtsverfahren die Bandgeschichte.

Lustige Anekdote: Der sehr engagierte Sänger Jello Biafra kandidierte 1979 für das Bürgermeisteramt von San Francisco und landete bei der Wahl sogar auf Platz vier.
Weil leider jede schöne Zeit irgendwie mal zu Ende ist und man sich meist irgendwann um Geld und Rechte streitet, lösten sich die Dead Kennedys 1986 offiziell auf. Jello startete eine Solo-Karriere, der verbliebene Trupp machte trotzdem weiter, gibt seit 2001 fleißig Reunion-Konzerte, in neuer Besetzung und mit altem Namen.

Womit wir wieder beim Anfang wären: die Tour durch Deutschland nämlich. Geht hin, Leute, es wird bestimmt ein Riesenspaß. Wenn dann nämlich zu fortgeschrittener Stunde alle Fans fröhlich grölend und rührselig betrunken zusammen „Too Drunk To Fuck“ anstimmen oder das einfach saugute Elvis-Cover „Viva Las Vegas“, dann is’ es völlig wurscht, dass hier nicht mehr die Originalbesetzung rockt. In diesem Sinne: Allen Neo- und Altpunks  ganz viel Fun auf diesem mit Sicherheit wunderbar krachigen Konzert!

Die Dead Kennedys treten nicht in Originalbesetzung aber fresh as ever am 15. Juni im Strom in München auf, an den darauffolgenden Tagen in Berlin und Hamburg.

christineChristine ist Journalistin und alte Punkrockerin. Neben ihrer Vorliebe für laute Musik mag sie gern Boazn und Bier (aber kein Helles!) und ist stolze Besitzerin eines T-Shirts der Fernsehserie „Dallas“, mit Nieten und J.R. in Pastell. Ganz nebenbei ist sie fast um die ganze Welt gereist und doch ein bayerisches Original geblieben. Und nein, sie ist kein Stofftier-Esel, aber das ist ihr Lieblingsfoto – mit Bier aus Halifax, Nova Scotia, Kanada.