Von Dancehall zu Disco: Nachdem Gangsta-Rapper Snoop Dogg auf seinem letzten Album zum Hippie mutierte und unter dem Pseudonym Snoop Lion mit jamaikanischen Sounds (und Gräsern) experimentierte, entdeckt er auf seinem aktuellen Studioalbum „Bush“ den Funk neu und macht einen Abstecher in die Disco-Ära.

246291-47090I38777Er hat den Gangsta raushängen lassen, zu dumpfem Guetta-Gedöns gerappt, als Snoopzilla abgefunkt und zuletzt ein Reggae-Album veröffentlicht. Snoop Dogg ist ein musikalisches Chamäleon. Jetzt also: Into The Groove!

Auf seinem neuen Studioalbum „Bush“ entdeckt der Tausendsassa Disco und Funk. Zur Seite stand ihm dabei Hit-Händchen Pharrell Williams. Die kreative Partnerschaft startete bereits 2003 mit der gemeinsamen Single „Beautiful“. Ein Jahr später avancierte der minimalistische Hip-Hop-Track „Drop It Like It’s Hot“ zum globalen Smash-Hit.

„Ich spüre ständig dieses Verlangen, wieder Songs mit Pharrell zu machen – und er tut es auch“, säuselt der 43-jährige Snoop Dogg wie ein verliebter Teenager. „Wir wissen, wie wir uns gegenseitig besser klingen lassen und das Beste aus dem jeweils anderen herausholen.“

Bring Back The Groove

Für Snoop Doggs neues Album „Bush“ schlossen die beiden einen Pakt, den fehlenden Vibe in der heutigen Musik mit Songs wieder herzustellen, die einer „besseren Vergangenheit und einer idealen Zukunft“ gewidmet sind. Bereits auf seinem Solo-Album „G I R L“ hatte Pharrell Williams die Rückkehr des Grooves gefordert. Im Vorfeld der Veröffentlichung von „Bush“ meinte der Produzent, das neue Snoop-Dogg-Album sei besser als sein eigenes. Gemessen am Hit-Potential übertreibt der Hit-Macher. Die zehn Songs grooven lässig, aber unaufgeregt aus den Boxen. Ein zweites „Happy“ ist nicht dabei, die Hits hat Pharrell Williams dann wohl doch lieber auf sein eigenes Album gepackt.

Es geht gemächlich los. Das geschmeidig-unaufdringliche „California Roll“ kommt wie eine frische Sommerbrise daher. On The Mundharmonika: Stevie Wonder. Für „This City“, eine retro-futristische Funk-Nummer, holte sich Pharrell Williams Unterstützung von seinem Neptunes-Kollegen Chad Hugo. Ich könnte mir ganz gut vorstellen, dazu gepflegt im Oldtimer-Cabrio den Pacific Number One runterzubrausen.

Prosecco & Pfirsiche

Zur Single „Peaches N Cream“, die auf einem Sample von „One Nation Under A Groove“ von Funk-Legende George Clintons Band Funkadelic basiert, schwofen wir bei Prosecco und Pfirsich debil grinsend in den Sonnenuntergang. Für die Pool-Party-Polonaise-Perle machte der kalifornische Rapper erneut gemeinsame Sache mit Sänger Charlie Wilson. Die beiden hatten bereits 1996 den Song „Snoop’s Upside Ya Head“ und 2004 zusammen mit Justin Timberlake „Signs“ aufgenommen.

„I Knew That“ ist ein Pop-Song mit Feel-Good-Vibe, unterlegt von einem Uptempo-Disco-Beat mit funky Gitarrenriff, der an den frühen Michael Jackson erinnert. Mit Gwen Stefani, ebenfalls eine Langzeit-Kollaboratuerin von Pharrell Williams, entstand das moderne „Run Away“. Für „I’m Ya Dogg“ holte Snoop Dogg seinen Protegé Kendrick Lamar an Bord. Gemeinsam mit Rick Ross nahmen sie einen relaxten Hip-Hop-Track für laue Schlafzimmer-Stunden auf.

„Bush“ ist sicherlich kein Meilenstein in Snoop Doggs Karriere geworden. Aber einen Sommer lang dürften uns die funky Tunes durchaus begleiten. Passenderweise kommt die CD in einer himmelblauen Hülle daher. Auf dem Cover macht sich ein Hund an einem lindgrünen Busch zu schaffen, im Booklet finden sich weitere schräge Motive, etwa ein Walnüsse grillendes Eichhörnchen.

Mit dem funky Sound liegen Snoop Dogg und Pharrell Williams genau richtig: Künstler wie Daft Punk, Giorgio Moroder, Mark Ronson und Nile Rodgers bringen den Disco-Sound zurück auf die Dancefloors dieser Welt. Also, get into the groove!

Rewind: Snoop Dogg
Snoop Dogg, bürgerlich Calvin Cordozar Broadus Jr., verkaufte bis dato weltweit über 35 Millionen Alben. 1993 veröffentlichte der Westcoast-Rapper – der sich damals noch Snoop Doggy Dogg nannte – mit „Doggystyle“ sein Debütalbum. Im Verlauf seiner über 20-jährigen Karriere arbeitete er immer wieder mit angesagten Produzenten zusammen, angefangen von Dr. Dre über Diplo bis Pharrell Williams. Außerdem war er mit so unterschiedlichen Stars wie David Guetta, Jason Derulo, Miley Cyrus und Katy Perry im Studio. Zuletzt trat Snoop Dogg unter dem neuen Pseudonym Snoop Lion in Erscheinung. Nach einer Jamaika-Reise hatte der kalifornische Rapper beschlossen, ein Reggae/Dancehall-Album aufzunehmen. „Reincarnated„, für das Snoop Lion mit Produzent Diplo und dessen Team Major Lazer sowie Künstlern wie T.I., Busta Rhymes, Akon und Rita Ora zusammenarbeitete, erschien 2013. 

Foto: Sony Music