Endlich ist er da, der Sommer. Zeit, die Schuhe auszuziehen und sich bei entspannter Musik im Gras liegend einlullen zu lassen: Hier kommen die heißesten Folk-Tracks für den Sommer 2015.

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Ach, Folk -gutes Genre. Wieso? Weil Folk-Künstler Geschichten erzählen und im Normalfall gute Musiker sind mit der Instrumenten-Basis einer jeden guten Band: Gitarre. Hier kommen drei Bands aus den USA, die ihr vielleicht noch nicht kennt, die aber erzählen, singen und spielen können. Na, wenn das nix ist?!

Shakey Graves
Shakey Graves heißt eigentlich Alejandro Rose-Garcia, aber den Namen hat er aber von Freunden in leicht angetrunkener Festivalrunde am Lagerfeuer im Jahr 2007 erhalten.“What’s your American Indian name?“ oder so. Auf besagtem Festival spielte er dann nach Jahren zum ersten Mal eher zufällig wieder vor Publikum Gitarre und sang dazu – und schon spielt er jetzt nicht mehr nur rein zufällig, sondern als Künstler auf einer Bühne. So schnell kann’s also gehen.

Musikalisch siedelt sich der Shakey, den ich zumindest in Europa nicht so oft bis nie gehört hab, zwischen Folk, Blues und bissl Rock’n’Roll an. Guter Mann. art_shakeygravesDas weiß auch der Bürgermeister seines Wohnorts Austin, der in 2012 den 9. Februar einfach mal zum „Shakey Graves Day“ ernannt hat. Wenn er an jenem Tag nicht grad Laser Tag zockt, spielt Shakey Graves gern Konzerte mit anderen lokalen Bands. Erneut: Guter Mann! Dieses Jahr hat er seine neue Platte „Nobody’s Fool“ zwischen 9. und 11. Februar zum Pay-What-You-Want-Preis angeboten, quasi zu seinem Ehrentag. Und nochmals: Guter Mann!

Ich bin auf ihn in irgendeiner Spotify-Playlist und seitdem lässt ich sein Song „Dearly Departed“ auch nicht mehr los. Der war unter anderem in dieser Playlist schon zu finden. Es ist Folk-Musik wie ich sie mag: einfach, aber nicht simpel, mit bissl Rumgestampfe in vorzugsweise Cowboy-Boots und einer ganz astreinen Melodie. Dass Shakey Graves als gebürtiger Texaner auch wirklich manchmal noch einen Cowboy-Hut aufhat, ist das i-Tüpfelchen. Der is super! Damit ihr euch davon selber überzeugen könnt, hier mal eine sehr minimalistische Version, für die Albumversion müsst ihr euch nur durch unsere Mai-Playlist spielen. Der Song im Video startet bei 1:09 min, was er davor erzählt, ist aber sehr witzig, Stichwort „Jazz Metal“.

We Are The West
We Are The West ist ein Duo aus Los Angeles. Wenn jemand von euch noch nicht auf einem dieser Konzerte (am Samstag vor Vollmond, kein Scheiß!) in einer Tiefgarage in LA war, hat er vielleicht noch nie von diesem Folk-Duo gehört. Brett Hool und John Kibler bilden jedenfalls We Are The West und bezeichnen sich selbst als „a two-man orchestra of stunning vocals, meditative guitar, and exploratory double bass“. art_watwDie Band zeichnet sich durch ihre Originalität aus – und vermutlich durch ein klein bisschen Extravaganz. Denn nicht nur im Parkhaus spielen sie besonders gern, sondern auch in natürlichen Amphitheatern in der Wüste, Minen, Scheunen, verlassenen Klöstern und Schiffscontainern. Keine Sorge, We Are The West spielen schon auch auf weniger abgefahrenen, normalen Bühnen und Festivals.

2014 haben Kibler und Hool, nachdem sie Zeit in Holland und Brookyln verbrachten, an ihrer EP „Regards“ gearbeitet und ja, was kann ich sagen? Passt in den Sommer bei uns, passt immer zu Kalifornien. Ein klein wenig melancholisch, sehr ruhig und bitteschön, grad recht für den Sundowner auf dem Balkon.

Aber nochmal zu diesen Konzerten im Parkhaus: Da treten diverse Leute auf, ein Open Art-Space also, und das mit dem Vollmond ist eigentlich auch nur schlau. Da muss keiner nachschauen, wann genau dann der Termin ist. „Samstag vor Vollmond“ – gute Sache. Meine nicht nur ich alter Barfuß-Hippie, sondern auch die Santa Monica Daily Press, die von dieser Veranstaltungsreihe sagt: „If the parking garage is an instrument itself, Hool and Kibler are virtuosos.” Und gut, nun möchte ich etwas Ähnliches in München, denn schließlich stehen am Samstag vor Vollmond genügend Parkhäuser irgendwelcher Unternehmen leer. Anyone?

The Milk Carton Kids
The Milk Carton Kids sind wirklich keine Unbekannten mehr. Ihr inzwischen drittes Album mit dem Titel „Monterey“ kam letzten Monat auf den Markt: Das Besondere daran ist, dass das ganze Album nicht in einem Studio, sondern auf diversen Bühnen aufgenommen wurde. Und mit „divers“ meine ich die Vielzahl der Konzert-Locations, die The Milk Carton Kids bespielen: Kirchen, alte Theater und Clubs. art_milkcartonkidsEine Folk-Band und ihre Bühnen eben! Die Songs wurden alle irgendwo unterwegs geschrieben und das spiegelt sich, gemeinsam mit den Aufnahmen an allen möglichen Orten,  im ganzen Album wieder.

Der amerikanische Rolling Stone bemerkte diese gewisse Sponatintät, mit der The Milk Carton Kids an „Monterey“ herangingen und stellte unterm Strich fest: „[T]he result is an album that captures a band literally on the run, with songs written and recorded in theaters, churches, buses, rock clubs and listening rooms across the country… conjuring up images of landscapes that loom on the horizon and eventually recede in the rearview mirror, replaced by a long, rolling scroll of blacktop.”

Thematisch nehmen uns The Milk Carton Kids mit auf eine Reise ins Amerika ihrer Vorfahren: Da wird gewerkelt, Feuer und Blut kommen regelmäßig darin vor und kuschlig klingt das eigentlich nicht mehr. Meint man. Aber wenn man sich die Platte dann anhört, könnte man bei manchen Songs fast meinen, dass das ein verschollenes Album der frühen Simon & Garfunkel ist. Die zwei singen so harmonisch über archaische Themen, dass man an einem lauen Sommerabend gut und gern die Musik in den Vordergrund stellen kann. Getreu dem Motto: Die Zeit heilt eh alle Wunden. Wir hoffen mal, dass sie sich nicht so wie Paul Simon und Art Garfunkel zerstreiten, sondern weiterhin solche Platten machen.

Für alle Künstler spreche ich, Ursi, eine dringende Empfehlung aus. Schon klar, Folk-Bands sprießen in diesem Jahr immer noch aus dem Boden wie nix Gutes, aber diese drei haben es mir wirklich angetan. Weil sie gute Geschichten erzählen. Das muss ihnen erstmal jemand nachmachen. Und falls sie live spielen – geht hin!

Shakey Graves und We Are The West haben kürzlich nichts Neues veröffentlicht, „Monterey“ von The Milk Carton Kids ist am 15. Mai bei ANTI-Records erschienen.

Foto: Unsplash, PR (2), Shakey Graves Facebook-Seite