Dafür, dass ich eigentlich kein einziges Festival geplant hatte dieses Jahr, gehts grad ganz schön rund. Nach drei spaßigen Tagen beim Rockavaria, war dieses Wochenende noch Rock im Park dran. Dieses Festival ist und bleibt mir nicht geheuer, aber so ein Tagesausflug, der geht. Und für eine Band wie die Foo Fighters musste er einfach auch dieses Jahr wieder sein. Zwischen Rockergangs,  Sonnenstichzombies und Krawall-Komasäufern gab’s eine wahrlich großartige Show.

IMG_1475

Um den Konzertmarathon der letzten Wochen komplett zu machen – AC/DC, Muse, Faith No More und Metallica innerhalb von gut 14 Tagen ist schon ganz ordentlich – waren am Freitag also noch die Foo Fighters dran. Man war irgendwie eh noch im Festivalmodus und so wurde am ersten Tag des fränkischen Rock-Spektakels eben am Zeppelinfeld vorbeigeschaut.

Der Freitag war restlos ausverkauft und entsprechend sah es auf dem Gelände auch aus. Die Centerstage – in diesem 20sten Jubiläumsjahr erstmals Zeppelinstage – platzte schon bei den Beatsteaks aus allen Nähten. Und was sich da vor allem vorne schon gegen 18.00 Uhr an desolaten Vögeln tummelte, war abenteuerlich. Für viele war es schließlich schon Tag 3, denn wenn der Campingplatz Donnerstag um 9 Uhr seine Tore öffnet, warum dann nicht schon Mittwoch Abend anreisen und sich gepflegt warmtrinken? Einseitig krebsrot aufgebrannt, bierdurchweicht, die Augen glasig, der Gang gummiartig, aber die Batterie Dosenbiere, die hatte es noch in den Rucksack und durch die Kontrolle geschafft. Manchmal erschließen sich mir die Regeln nicht so ganz.
So teilte sich das Publikum dann auch erstmal in zwei Lager. Die selbsternannten Festival-Supermänner, eine jetzt schon völlig fertig herumpogende Bagage und die, die sich gerade das erste Bier genehmigten und das Treiben irritiert bestaunten. Ich glaube selten klaffen Eigen- und Fremdwahrnehmung so auseinander wie im Fall des Festival-Spackos.
Vielleicht bekam der von den Beatsteaks noch ansatzweise was mit, aber bei den Foo Fighters war dann recht schnell Schicht im Schacht. Autopilot. Egal, er war da, die Band war da, wen kümmert rückblickend der Rest?

IMG_1456Die Beatsteaks aus Berlin gaben, wenn man so will, den Edel-Warm-Upper für die Superstars. Ich hab sie lang nicht mehr gesehen und ehrlicherweise haben sie und ich unsere besten gemeinsamen Zeiten hinter uns, aber live, da geht das schon immer noch ganz gut. Die alten Hits „Let Me In“, „Hello Joe“, „I Don’t Care As Long As You Sing“, „Cut Off The Top“ und mein Liebling für immer, die Turbostaat-Koop „Frieda Und Die Bomben“ machten schon Spaß. Ein leicht nostalgisches Gefühl kam auf. Sie sind eine astreine Live-Band, die weiß wie man eine Menge im Griff hat und passen so natürlich auf ein Festival wie Arsch auf Eimer. Wenn dann noch „Sabotage“ von, O-Ton Arnim: der besten Band der Welt, den Beastie Boys, gecovert wird, ist das durchaus ganz cool. Cover Nummer zwei, „So Lonely“ von The Police fand ich dann aber etwas grenzwertig cheesy und sehr offensichtlich als simplen Crowd-Pleaser gewählt. Damit haben sie bei mir nichts gewonnen, außerdem haben sie doch selber ein mehr als respektables Hit-Arsenal. Aber die Besoffski-Fraktion war quasi ekstatisch, also sei’s drum. Ansonsten, solide Nummer. Danke meine Herren!

Wie man ein Konzertspektakel abfeiert, wissen die Foo Fighters. Ich hab sie schon wirklich oft live geshen. Zwei Hände reichen zum Zählen nicht mehr. Vom 300-Mann-Gig im Kölner Gebäude 9 bis zu 70.000 im Wembley Stadion war alles dabei. Diese Band kann jede Größe. Meine Vorfreude war groß und sollte nicht enttäuscht werden.
Um 20:30 rast Dave Grohl wie von der Tarantel gestochen auf die Bühne und den endlosen Steg durch den ersten Wellenbrecher entlang, brüllt ein bisschen aufgekratzt rum und startet mit, Achtung!, „Everlong“. Alter Schwede, starker Zug. Mit „Everlong“ starten ist jetzt also das neue Mit-„Everlong“-Aufhören. Auftritt Gänsehaut. Die hat sich eigentlich die komplette erste halbe Stunde gehalten, trotz immer noch um die 28 Grad, und kam auch regelmäßig zurück. Nachgelegt wurde direkt mit dem auch hier wieder abartig fetten „Monkey Wrench“. Wollt ihr uns fertig machen? Diese ersten 10 Minuten waren ein Paradebeispiel dafür, warum ich Musik und Konzerte liebe: Wenig anderes erzeugt bei mir eine derartige und vor allem nachhaltige Euphorie. Verschnaufen war erstmal nicht, „Learn To Fly“, „Something From Nothing“ und der live immer wieder brachial-geniale „Pretender“ wurden rausgefeuert. Erste Erkenntnis: Sie sind in Topform, da ist ungeheuerlicher Druck drauf und der erste Song vom aktuellen Album „Sonic Highways“, das mir nicht so wirklich liegt, klingt live schonmal besser als auf Platte.

IMG_1476Die Foo Fighters waren mit satten zweieinhalb Stunden Spielzeit angekündigt und Band-Chef Grohl wurde auch nicht müde das immer wieder zu betonen. „We’re not going anywhere. We got tons of songs.“ Ja, wissen wir. Und freut uns mächtig. Jetzt spiel! Das ist eigentlich (meistens) mein einziger Kritikpunkt bei Foo Fighters-Shows. Für die einen ist Dave Grohl die coolste Sau, die rumrennt und der größte Entertainer im Rockgeschäft, mir haut er manchmal einfach ’ne Spur zu doll auf die Kacke. Aber gut, große Band, großes Ego, so ist das wohl. Am Ende geht’s auch um die Show. Aber es nimmt halt manchmal auch Dynamik aus der ganzen Geschichte. Ein bisschen weniger darauf rumreiten, dass man hier ein episches zweieinhalb Stunden-Set runterreißt, sondern es halt einfach machen, das wär mal richtig Rock’n’Roll.

An dieser Stelle muss ich natürlich auch wieder eine Lanze brechen, für den zweiten Mann, der in dieser Band eine Gitarre umhängen hat. Chris Shiflett ist für mich das Non-Plus-Ultra in dieser Kombo. Klar, ohne Front-Rampensau Grohl könnte sich der Haufen eingraben, aber Shiflett ist der Melodie-Meister. Ohne den gehts ernsthaft auch nicht. Also, great job Chris, „Team Shifty“ für immer! Und was seine lässigen Moves angeht, steckt er Gitarren-Fraggle Grohl auch locker in die Tasche.
Sehr gefreut hab ich mich auch über das schicke „Arlandria“ gefolgt vom treibenden „Rope“ – beide von der „Wasting Light“ – und die Akustikversionen von „My Hero“ und „Times Like These“, die Grohl am Ende des Runway in Solomanier spielt. Leider war die Textsicherheit und Mitsing-Bereitschaft des Publikums bei der Über-Hymne „My Hero“ absolut ernüchternd. Wenn man das schonmal in Wembley gehört hat – die Engländer sind an der Konzertfront krass unterwegs und auf der Publikums-Skala ganz weit vorne –  schämt man sich ein bisschen. Ist auch Dave Grohl aufgefallen und so gab’s zum Dank ein schiefes Grinsen und ein bisschen dünnes Geklatsche. Aber sowas ist dann schon auch dem speziellen Festival an sich und der entsprechenden Publikumsstruktur geschuldet. Bei einem Southside/ Hurricane sieht das schon anders aus.
„Big Me“, „Long Road To Ruin“, „White Limo“ (yeah!!!) und das von Drummer Taylor Hawkins mit wie immer wunderbar wehender Surfer-Matte gesungene „Cold Day in the Sun“,  „Congregation“ und „Walk“ – die Hits gingen ihnen nicht aus.

IMG_1479Danach zeigten die Foo Fighters den Beatsteaks, wie man das mit den Cover-Versionen macht. Auf einmal fährt da eine drehbare Mini-Bühne aus der Stegmitte und die komplette Band haut mehr oder weniger mitten im Publikum ein Cover-Trio vom Allerfeinsten raus. Den Anfang macht „Stay With Me“ von den Faces, gefolgt von einem extrem gut gemachten „Let There Be Rock“ von AC/DC und, absoluter Oberknaller, die Queen/Bowie Nummer „Under Pressure“. Wahnsinnsidee, saubere Sache. Besser kann man das nicht machen. Keyboarder Rami Jaffee bekommt dazu von mir noch den Orden als Vorzeige-Rockstar angeheftet: Er hat einfach mal ein Flasche Veuve Cliquot auf seiner Orgel stehen. Geiler Typ. Da fällt mir unweigerlich wieder dieser SNL-Evergreen ein. Gut, so eine Foo Fighters-Show ist halt schon eine Occasion!

Zurück auf der Hauptbühne werden die zweieinhalb Stunden mit „All My Life“, „These Days“, „Outside“, einem weiteren Super-Oldie in Form von „This Is A Call“ und dem prädestinierten, epischen Schlusslicht „Best Of You“ beschlossen. Vor diesem Zugaben-Set wird netterweise nicht von der Bühne marschiert, das mag der Dave nicht. No Bullshit und so. Auch kein Feuerwerk. Braucht eh keiner.

Beim Absacker-Becks bin ich postiv geschafft, glücklich und freue mich fast unverschämt, dass ich zwei Stunden später zuhause duschen und in mein Bett krabbeln kann, um den nächsten Tag am idyllischen Kirchsee zu verbringen und abends zum bayerischen Japaner Essen zu gehen. Ich poshe Nudel. Aber noch eine wichtige Erkenntnis macht sich breit, wiedermal hat man Gewissheit, es ist halt einfach Liebe mit dieser Band. True Love, Everlong.

 

Fotos: themusicminutes (Kerstin)