Einer meiner Wünsche fürs Musikjahr 2015 war eine Show von Manchester Orchestra. Ist in Erfüllung gegangen, das Quintett aus Atlanta kommt im Sommer auf Tour und für vier Shows nach Deutschland. So ein Glück, dass auch ein Termin in München dabei ist. Diese Band im Strom? Das wird ein Hammer. Keine Frage also, dass wir das präsentieren und jetzt schon eindringlich einen Ausflug am 21.8. in die Lindwurmstraße empfehlen. 

manchester orchestra pressepic

Simon Neil, Frontman meiner verehrtesten Schotten Biffy Clyro, ist ein bekennender Fan der Band und hat für das englische Indie-Music-Portal The Line Of Best Fit vor gut einem Jahr ein Review für ihr Album „Cope“ geschrieben. Was der Simon empfiehlt, das muss zweifellos was taugen, dachte ich und hörte mal rein. „Cope“ war immerhin bereits ihre vierte Platte und, da schau her, ein gewaltiges Stück Musik. Knapp unter 40 Minuten geballte Kraft zwischen Post-Hardcore, Indie-Einsprenkseln und astreinem Rock, brachialen Gitarren und grandiosen Melodien. Sänger und Gitarrist Andy Hull, der die Band vor über 10 Jahren gründete und erste Songs noch in seinem Kinderzimmer aufnahm, setzt dem Ganzen mit seiner eigenwilligen aber fesselnden Stimme dann noch das i-Tüpfelchen auf. Wer diesen Gesang einmal gehört hat, der vergisst ihn nie wieder. Kraftvoll und doch so verletzlich singt er von Zweifeln, Angst, Leid und allerelei hartem Tobak und dahinter werden die Synthies losgelassen, fahren uns die verzerrten E-Gitarren erbarmungslos an die Wand.

„Cope“ in einem Rutsch durchzuhören ist ein intensives, fast körperliches Erlebnis. Wenn man die Scheibe laut aufdreht, fühlt man die Wucht der Instrumentierung mit jeder Faser, vom düster daherrollenden Opener „Top Notch“ bis zum titelgebendenden Schlusslicht „Cope“. Ein fantastischer Song, wie der sich aufbaut und entwickelt, da schnappt man hier und da nach Luft. Ganz groß!

Sogar beim kürzlich abgetretenen Talk-Meister Letterman durften sie den schon spielen, voilà:

Richtig gutes Songmaterial funktioniert ja meistens gleichermaßen in schnell und mit Strom oder leise und akustisch. Das wissen wir von diversen Punk-Rock-Heroes wie Joey Cape und Tony Sly, von Hot Water Music’s Chuck Ragan oder Chef-Tausendsassa Ryan Adams.
So dachten sich auch Manchester Orchestra, warum nicht ein Experiment wagen und die gleiche Platte, ein gutes halbes Jahr später nochmal komplett reduziert, entschleunigt und mit ganz intimem Anstrich als Akustikversion rausbringen? Dass es funktionieren würde, war eigentlich klar, aber dass es so ein Durchmarsch wird, hätte ich auch nicht geglaubt. „Hope“ steht seinem Karacho-Bruder „Cope“ in nichts nach. Es mutet natürlich anders an, aber ist in sich genauso organisch und stimmig.

Zum Vergleich hier also „Cope“ nochmal in der akustischen „Hope“-Version, bitteschön:

Wie diese zwei Gegenpole live zusammenspielen werden, das wird spannend. An Atmosphäre wird das ein Kopf-an-Kopf-Rennen und könnte eine interessante Dynamik geben, bei den Shows. Schätzungsweise werden sie uns erstmal mit ein paar Breitseiten-Versionen in die Magengruben boxen um uns dann mit clever gestreuten Akustik-Tracks wieder zu Puste kommen zu lassen.

Ich freue mich riesig! Wer sich das Ganze ebenfalls live anschauen will, hat im August neben der München-Show noch in drei weiteren deutschen Städten Gelegenheit dazu. Hier alle Termine:

21.08.2015 München – Strom
23.08.2015 Köln – Gebäude 9
24.08.2015 Berlin – Magnet
25.08.2015 Hamburg – Molotow

Der Vorverkauf läuft, Tickets gibt es für 18 Euro zzgl. Gebühren an allen bekannten CTS–VVK-Stellen bei eventim.de sowie bei München Ticket.

Freunde, wir sehen uns dann im Strom! Unsere dringende Empfehlung: Kurze Hosen und schweißfleckenfreundliche T-Shirt-Farbe wählen, denn das dürfte eine ordentliche Hitzeschlacht werden.

 

Foto: PR