Vorsicht! Easy Listening! Aber was passt besser zum Sommer und all seinen Sundownern? Eben! Am kommenden Freitag erscheint „Too Slow To Disco 2“. Klingt nach pastell und pinken Drinks – sweet.

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Okay,  der Erfolg von „Too Slow To Disco“ letzten Sommer war nicht absehbar. 2014 schaffte die erste Auflage des Mixtapes mit links den Aufstieg in den Pop-Himmel: Rough Trade kürte „Too Slow To Disco“ zur Compilation des Jahres. Darauf sind Songs von Künstlern, die es nicht ganz in den Bee Gees-Olymp geschafft haben. Bee Gees? Achja, das sollte man noch dringend hinzufügen: Bei allen Tracks von „Too Slow To Disco“ und auch dem Nachfolger handelt es sich um easy-breezy „Westcoast Yacht-Pop“ oder auch die „heiß geliebte Sommer-Sonne-Cabrio-Softrock-Hoelle“.

Ich wusste nicht, dass das ein Genre ist, aber gefällt mir – selbst, wenn nur diese Compilations reinpassen. (Hallo, Grammys, „Disco“ is immer noch ein Ding!) Wie der Soundtrack von „Guardians of the Galaxy“ halt irgendwie. Das Beste: Man sollte den Mix nicht ganz so ernst nehmen, denn das tut er selber nicht – und gerade deswegen macht er soviel Spaß.

Entweder man liebt oder man hasst diese Art von Musik, die sowohl supermarkttauglich ist als auch zu einem Nachmittag wie aus der Raffaello-Werbung in einem flamingofarbenen Golf 1-Cabrio passt. Ab und zu ist es schräg, dass mir das gefällt, ganz ehrlich. Offensichtlich haben Britney Spears und Bruno Mars Verstärkung an der Guilty-Pleasure-Front bekommen. Ich nehm seichten Pop aus den Siebzigern aber auch einfach nicht ganz so ernst, deswegen funktionieren fast alle Tracks von „Too Slow To Disco 2“ bei mir.

16 Songs, die nach Sonnencreme mit Kokosduft riechen, finden sich diesmal auf der Sammlung. Die Künstler sind damals, zu Hochzeiten von Disco, alle miteinander nie so wirklich erfolgreich geworden, vielleicht lag es an den zu ausgedehnten Saxophon-Solos oder einer Art Selbstüberschätzung oder auch einfach nur an zu langen Bärten, einer Dauerwelle und grauenhaften Klamotten-Kombis in pastell mit Papageien drauf. Es ist auch völlig egal, denn 60 Minuten lang machen diese seichten Popsongs (auf keinen Fall Pophits!) Spaß: Berieselung deluxe. Es gibt schon ein wenig Soul, verdammt viel Westküsten-Sound und ganz ehrlich, Mark Ronson hört nach seinem „Uptown Special“ den ganzen Sommer lang auch keine andere CD, da wette ich drauf.

Hall & Oates kennt man zum Beispiel, aber auch erst seit sie, Rock’n’Roll Hall of Fame hin oder her, seit etwa fünf Jahren und „(500) Days of Summer“ als die Disco-Anti-Superstars gefeiert werden. Song Nummer drei, Jimmy Gray Halls „Be That Way“, ist der „killer track of the record“ – der Typ selber hat nie eine Platte veröffentlicht. Nach seinem Tod schon 1984 erlebte er ein Revival im englischen Northern Soul und jetzt auf diesem Album. Fast keiner der auf der Platte vertretenen Künstler hatte mehr als zwei Alben am Start; das heißt aber nicht, dass sie nicht ihre Songschreiber- und Produzenten-Finger bei anderen mit drin hatten: Robert Byrne zum Beispiel hat Country-Hits geschrieben, hier mit „Never gonna stop lovin‘ you“ vertreten. Jeder, der auf „Too Slow To Disco 2“ vetreten ist, hat eigentlich Ruhm und Ehre verdient – aber zu seiner Zeit halt nicht im Bee Gees-Ausmaß. Dafür jetzt, mit dieser Platte.

Oben hatte ich ja schon mal von der Supermarkttauglichkeit der Songs gesprochen – kein Wunder also, dass der Verantwortliche „DJ Supermarkt“ heißt. Soviel nochmals zur Ernsthaftigkeit des ganzen Projekts. Die Songs kennt man aus unzähligen Samples und manchmal klingen sie so herrlich nach „Love Boat“, dass ich meinen imaginären mintfarbenen Drink mit Schirmchen drin auf einmal austrinken will. In Wirklichkeit greife ich zum Bier und wünsche mir, dass diese Art Musik nicht nur belächelt wird, sondern man zu ihr steht, in aller Ironie: So ein bisschen cheesy-easy-breezy Leichtigkeit an einem Sommernachmittag hat noch nie jemandem geschadet. Die Tracks klingen alle seicht und wurden – vielleicht deshalb – auch bewusst ausgewählt. Und jetzt genug gelabert, hier ein Vorgeschmack:

Wer sich wundert, was das auf dem Cover für ’ne Karre ist: Es ist ein AMC Pacer, kürzer als ein Golf, breiter als ein Mercedes, der symbolisch für alle Künstler auf „Too Slow To Disco 2“ steht: Nur vier Jahre bis 1979 produziert, kurzlebig und leider etwas an Größenwahn erkrankt oder wie es in der Pressemitteilung heißt: „Eine Geschichte von völliger Übertreibung und totalem Scheitern.“ Macht sich, wie die Compilation, aber bestens im kitschigsten Sonnenuntergang!

Ich empfehle euch diese Compilation ganz ehrlich. Mit diesem Sound macht der Sommer 2015 sehr viel mehr Spaß, vor allem wenn man die Songs nicht so ernst nimmt. Darauf einen Tequila Sunrise mit Glitzerschirmchen!

„Too Slow To Disco 2“ erscheint am 12. Juni 2015 auf How Do You Are? Recordings als sehr limitiertes, farbiges 180g Doppelvinyl im Gatefold mit MP3 Download, Poster und Linernotes. Oder eben auch ganz normal in schwarz – aber wer will das schon?

Foto: PR