Um Gottes Willen, schon Mitte Juli! Zeit für einen Halbjahresrückblick! Den Beginn mache ich, Ursi. Also los, wir schauen zurück auf die ersten sechs Monate im popkulturellen Jahr 2015. Und vielleicht auch noch ein Eckchen weiter, auf das zweite Halbjahr. Unten dran gibt’s die Playlist!

2015.01

ALBEN
Manche Songs begleiten einen länger als nur zwei, drei Tage. Da gab’s 2015 für mich bisher eine große Ausbeute. Gleich im Januar ballerten mir Deichkind „Niveau Weshalb Warum“ um die Ohren – und sie sollten das noch weit bis in den Sommer hinein tun. Meine Partnerin in crime – die ich hier einfach MC Connecticut oder MC CT nennen möchte – und ich haben es doch wirklich fertig gebracht, uns etwa 30 Minuten (gefühlt den ganzen Abend) in Zitaten aus diesem Album zu unterhalten. Bestes: „Oh, kaum noch Süßkartoffeln!“

Aber nicht nur Deichkind haben die gute alte Muttersprache zurück in mein Wohnzimmer gebracht: Bilderbuch veröffentlichten endlich „Schick Schock“, dessen eine Hälfte ich schon kannte und dessen andere Hälfte ich auch sehr gern mag. Die sind einfach eine Schau. Live und auf Platte saulustig noch dazu.

Mein Spezl aus Grimsby, Mister Lee MacDougall, hat auch endlich sein Debüt „Busk Till Dawn“ veröffentlicht: Songs von unseren wilden Tagen on the road durch ganz Deutschland sind drauf, sehr schön ist es geworden. Inzwischen wohnt der studierte Singer/Songwriter in Berlin und singt vielleicht demnächst von „Germany in the Summer“ statt „London in the Summer“ – schöne Tage hätte er dieses Jahr genug!

Sonst haben mir die ersten sechs Monate noch Freude mit Leon Bridges und seinem Fünfziger-Soul bereitet und natürlich mit Faith No More, die so sehr gegen den Strom schwimmen, dass es staubt: Crossover-Funk-Metal forever! Kann auch kein anderer, Faith No More aber immer noch. „Too Slow To Disco 2“ und Mark Ronsons „Uptown Special“ finden sich auch fein ein in meinen Playlisten.

KONZERTE
Ganz schön viel gab es anzuschauen bisher in 2015. Und das sogar ohne groß in die Welt zu fahren. alt-j waren deichkindder Wahnsinn im Zenith. Ein perfekt austariertes Elektro-Gefrickel am Faschingsdienstag. Da saß alles tip-top und Münchens zweitgrößte Venue wurde kurzzeitig ihren Ruf als Soundhölle los. Besonders schön: The Music Minutes – Kerstin, Renzo und ich – waren wieder mal gemeinsam bei einer Show. Vor meinem inneren Auge sehe ich immer noch die Lichtshow und höre dazu irgendwo in meinem Kopf dieses absolut makellose Konzert – das muss man erstmal schaffen.

Ebenfalls im Zenith gab die zweite Band mit dem Dreieck, Deichkind, gewohnt Vollgas und das Zitate-Dreschen (s.o.) hat sich sehr gelohnt. Da war es dann es so heiß, dass es von der Decke getropft hat – ne, is klar. Bei diesem Konzert war Durchdrehen auf der ganzen Linie angesagt und das hat extrem viel Spaß gemacht.

Against Me! holten endlich ihr Konzert im Backstage nach und das Warten hat sich gelohnt: Laura Jane Grace gab eine wirklich große Performance ab und allen, wirklich allen, die dachten, Transgendertum würde was verändern, sei gesagt: Gar nicht wahr. Singt wie immer, sieht nur anders aus und hat auch eine wirklich wichtige Message an Bord. Manche alten Songs machen erst jetzt richtig Sinn. Laut wurde einem da ordentlicher Punkrock vor den Latz geknallt.

Viel ruhiger war es bei José González in der Muffathalle, aber gleichwohl ganz zauberhaft. Nach dem Junip-Konzert im letzten Jahr, war der Schwede mit den argentinischen Wurzeln solo in München und schickte alle für die Dauer des Konzerts in eine andere, ruhigere, vielleicht auch glücklichere Welt.

Bildschirmfoto 2015-07-10 um 12.13.23 PMBei Casper auf dem Red Bull-Tourbus feierten Kerstin, Renzo und ich unsere 500 Facebook-Blog-Likes. Das Bier war greislig, der Abend sehr lustig, Renzos und mein Bierflaschen-Konzert spätnachts auf dem Platz am Sendlinger Tor eine Once-in-a-Lifetime-Performance.

Und dann sind da noch die All-Time-Favorites Rocky Votolato und Frank Turner. Der eine mit Band (das war neu und sehr gut) im Feierwerk, der andere in Salzburg. Beide lieferten ein Konzert ab, bei dem ich fast jedes Lied mitsingen konnte, beide festigten den Status der Favoriten auf Lebenszeit. Mehr kann man dazu auch nicht sagen. Obwohl: „Kommt bald wieder!“ vielleicht.

AUSSERDEM
Ich war mit MC Connecticut und Renzo beim Wu-Tang-Clan. Bis heute weiß ich nicht genau, wer in der Besetzung eigentlich alles gefehlt hat. Ich würde behaupten: Alle, die keine Geldsorgen haben, waren nicht dabei. Lustig anzuschauen war’s allemal.

Was mir dieses Jahr fehlt, ist ein feines Sommeralbum: Vor zwei Jahren war das „Paracosm“ von Washed Out, letztes Jahr konnte „Supernova“ von Ray LaMontagne diese Rolle größtenteils erfüllen.

klein_zuendfunkWir haben das City of Pop-Gewinnspiel beim Zündfunk gewonnen und beglücken alle am 28. Juli mit unseren 60 Minuten Show auf selbigem Kanal. Aufgenommen ist die Sendung, die geschnittene Version kennen auch wir nicht, aber soviel ist sicher: Es wird lustig. Und wicked!

Und sonst? Ich frönte brav meiner Seriensucht mit den aktuellen Staffeln von „House of Cards“, „The Fall“, „True Detective“ und „Orange Is The New Black“ – da war alles dabei von „super“ bis „naja, echt?!“. „The Wire“ hab‘ ich endlich fast durch und was kann ich dazu sagen? Freunde, it’s Baltimore. Wer sich also für das aktuelle Geschehen in der Heimatstadt der Future Islands, all die Freddy Grays und Michael Browns interessiert, der sollte sich einfach diese hochgelobte Serie anschauen, sie hat an Aktualität nichts verloren. Chapeau. McNulty und Bodie forever.

Aktuell bin nun endlich auch ich dem „Game of Thrones“-Virus verfallen und ohne etwas zu verraten, kann ich behaupten: King Joffrey is’n Arsch. An dieser Stelle auch vielen Dank an meine zwei Kollegen, die sich dank mir wieder an die erste Staffel erinnern müssen (oder es zumindest versuchen) und mir meine Menge Fragen beantworten („Wer wohnt jetzt in King’s Landing?“, „Wer ist der Glatzenlord?“ und „Wieso verfolgt mich Mayor Carcetti aus ‚The Wire‘ ?“)

AUSBLICK
Wir präsentieren ein halbes Dutzend Shows in München und eine Tour – darüber freue ich mich sehr. Außerdem fahre ich dieses Jahr echt zum Reeperbahn Festival und hab ganz schön Bock drauf. Ich warte sehnlichst auf neue Alben von Frank Turner, Ben Folds, den Future Islands, den Steaming Satellites, FIDLAR und und und. Die Shows von Father John Misty, Bilderbuch und vielleicht auch doch noch Frank Turner oder Muse wären was und dann ist in München ein Schwung an Hip-Hop-Konzerten – von DJ Premier über Action Bronson bis A$AP Rocky, bei denen ich mit Renzo und MC CT vielleicht aufschlagen werde. Wenn es so wie bisher weitergeht, wird 2015 noch ziemlich fetzig! Ich bin überzeugt davon!

Fotos: the music minutes, Unsplash