Ui, schon wieder ein halbes Jahr rum. Weihnachten steht vor der Tür! Äh, höchste Zeit für mein Halbjahres-Résumé. In den vergangenen sechs Monaten wurden einige aufregende Platten veröffentlicht, es gab unzählige schweißtreibende Konzerte und vor allem haben wir mit The Music Minutes die 500-Likes-Marke geknackt.

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ALBEN
Meine Vorfreude auf das neue Mark-Ronson-Album war riesig. Sein Debüt „Here Comes The Fuzz“ zählt noch immer zu meinen Lieblingsplatten. Nachdem ich unverständlicherweise bereits mit „Uptown Funk“ – mit dem wie immer grandiosen Bruno Mars on the mic – Anlaufschwierigkeiten hatte, haute mich der retrofuturistische Funk von „Uptown Special“ nicht sofort aus den Socken. Während Ursi die Songs schon feierte, freundete ich mich erst nach und nach mit der recht glatten Produktion an. Inzwischen weiß ich aber „Summer Breaking“ oder „Daffodils“ besonders an lauen Sommerabenden sehr zu schätzen.

Ebenfalls kaum erwarten konnte ich den Release von „Hairless Toys“ , dem dritten Solo-Album von Roisin Murphy. Auch hier war ich anfangs wenig begeistert, die Produktion war mir zu verspult, zu verschwurbelt, da passierte zu viel auf einmal. Mittlerweile weiß ich die Verspieltheit, die Vielseitigkeit jedoch zu schätzen. Vor allem live ist die alte Drama-Queen noch immer eine Wucht (siehe unten). Und die neue Platte brachte letztendlich einen der besten Songs der ehemaligen Moloko-Sängerin hervor: „Unputdownable“ läuft bei mir seit Monaten auf Repeat.

Ein weiteres Album-Highlight ist das Solo-Debüt von The-xx-Beatbastler Jamie xx, der mit den Songs von „In Colour“ den zarten Puls des Sommers vorgibt. Zu „Loud Places“ kann ich bestens Löcher in die Luft starren. Wenn ich Skateboard fahren könnte, würde ich zu diesem Song den ganzen Abend durch die Stadt cruisen. Ziemlich gut ist auch das neue Album von Florence + The Machine. Die erhabenen Bläser-Sätze, etwa auf dem Titelsong „How Big, How Blue, How Beautiful“ oder „Queen Of Peace“, geben mir beim Löcher-in-die-Luft-starren (übrigens eine ganz tolle, meditative Freizeitbeschäftigung, besonders in Verbindung mit Wasser) immer den Rest.

Überraschend hörenswert finde ich außerdem das Debütalbum von Shamir. Der Tausendsassa aus Las Vegas, optisch eine Mischung aus Prince anno 1984 und dem „The Fresh Prince of Bel-Air“ wurde dem Hype gerecht und liefert auf „Ratchet“ eine Reihe mal hibbeliger, mal schillernder Pop-Hip-Hop-Elektro-Hybriden.

SONGS
Neben „Unputdownable“ von Roisin Murphy haben mich in den letzten Wochen viele Songs begleitet. Ob auf dem Balkon, in der U-Bahn, an der Isar, am Zürisee oder in der Arbeit – einige Leute aus meinem näheren Umfeld können den ein oder anderen Track vermutlich ebenfalls auswendig.

Bei drohenden Ausrastern oder fürs Schmollen danach sorgt der Song „OM“ von Bilderbuch aus dem großartigen Debüt „Schick Schock“ für einen ruhigeren Puls. Der DFA-Remix von M.I.A.’s „Paper Planes“ ist zwar nicht neu, machte sich aber mit seiner schnurrenden Bassline während der ersten heißen Sommerphase hervorragend – genau wie „65 Hunnid Degrees“ von Rap-Newcomer Vince Staples. Apropos Hip-Hop: Kendrick Lamar baute mich mit der Album-Version von „i“ immer wieder auf. Und nicht zu vergessen „My Type“ von Saint Motel, ein simpler Sommer-Song, den ich dank eines recht cleveren Ösis erst dieses Jahr entdeckt habe.

Außerdem hab ich Honne wohl mindestens einen Studio-Lunchbreak finanziert – meine gefühlt 5678 Streams von „Coastal Love“ dürften den beiden Briten ein paar Tantiemen in die Kasse gespült haben. Bin schon sehr gespannt auf das Album.

KONZERTE
In Sachen Gigs ging in den letzten sechs Monaten einiges. Los ging’s bei mir im Januar mit der artsyfartsy Freakshow von Die Antwoord. Ein neon-grelles Kinnlade-runter-Speed-Spektakel. Entspannung gab’s dann bei alt-J. Die Kunststudenten ließen es etwas ruhiger angehen und machten alle drei von The Music Minutes ziemlich zufrieden. Beim Wu-Tang Clan setzten Ursi und ich dann unsere Mützen auf und bouncten zwischen bärtigen Beaus zu den Beats von RZA und Co. Oder war der gar nicht dabei? Wir wissen es bis heute nicht so genau. Egal. Hat Spaß gemacht. Die Caps kommen spätestens bei Action Bronson im September wieder zum Einsatz.

Kein Cap, sondern ein Cape hätte ich bei den theatralischen Shows von Roisin Murphy gut gebrauchen können. Gleich zweimal innerhalb von drei Wochen schaute ich mir das geniale Disco-Drama in diversen Akten an– wobei das Konzert in Zürich die „Tollwood“-Show deutlich übertraf (in München war die Setlist kürzer und so musste u.a. „Unputdownable“ dran glauben). Ebenfalls bleibenden Eindruck hinterlassen hat Chilly Gonzales mit seinem Auftritt in der Münchner Philharmonie – Gonzo gibt immer Guzzi und führt die Begriffe E- und U-Musik ad absurdum.

FILME/TV
Im Kino war ich in den letzten Monaten eher selten. Ziemlich beeindruckt war ich genau wie Kerstin von Victoria. Bis auf den vielleicht etwas an den Haaren herbeigezogenen turning point ein brillanter deutscher Film, der dank seiner außergewöhnlichen One-Take-Optik völlig neue Perspektiven eröffnet.

In Sachen Serien fieberte ich seit einem Jahr der Fortsetzung von „Game Of Thrones“ entgegen – bis auf die letzten Folgen war ich allerdings etwas enttäuscht von der fünften Staffel. Wir sind aber alle schon sehr gespannt, was aus Jon Snow wird. Die Wetten laufen…

Immer noch witzig und unterhaltsam finde ich „Orange Is The New Black“. Die vielen queeren und popkulturellen Verweise sowie die gesellschaftspolitische Kritik lassen nicht nur das Amerikanisten-Herz höher schlagen. Sehr empfehlenswert ist außerdem die Netflix-Produktion „Bloodline“. In jeder Folge der modernen, bedrückenden Familien-Saga ist eine unterschwellige Bedrohung spürbar – da hatte sogar die Grippe einen positiven Nebeneffekt.

AUSBLICK
Ich freue mich wie bekloppt auf das achte Studioalbum der Chemical Brothers, „Born In The Echoes“, das dieser Tage erscheint. Die ersten Tracks, „Go“ und „Sometimes I Feel So Deserted“, sind fett, und Feature-Namen wie St. Vincent und Beck klingen vielversprechend. Apropos Beck: Seinem neuen Song „Dreams“ nach zu urteilen, wird sein neuster Streich eine Pop-Platte ganz nach meinem Gusto. Gespannt bin ich außerdem auf das neue Album von John Grant. Auch er hat sich für „Grey Tickles, Black Pressure“ spannende Gäste ins Studio geladen, darunter Amanda Palmer und Tracey Thorne. Außerdem freu ich mich auf die neuen Platten von Peaches und den Stereophonics. In Sachen Serien hoffe ich, dass die sechste Runde von „The Walking Dead“ wieder an Spannung zulegen kann. Und: Bunt markiert ist der 28. Juli in meinem Kalender: Dann übernehmen wir von The Music Minutes für eine Stunde das Zündfunk-Programm. „Heili Geili“!

Foto: unsplash.com/Jordan McQueen