Dan Auerbach kennt man vor allem als Mann an Gitarre und Mikrophon bei The Black Keys. Dem Herrn wird aber offenischtlich schnell mal fad: Mit The Arcs hat er ein schickes, neues Seitenprojekt geschaffen. Verspulter Blues-Rock deluxe!

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Allzu viele Informationen gibt es noch nicht zu Dan Auerbachs (ganz rechts im Bild) neuestem Streich, The Arcs. Außer: Klingt gut. Klingt nach Auerbach, nach erdigem Blues-Rock. The Black Keys, das inzwischen mehrfach Grammy-ausgezeichnete Duo aus Akron in Ohio, bescherten uns in den letzten paar Jahren Meisterwerke wie „Attack & Release“ und „Brothers“ und auch Ausflüge in den Mainstream wie „Turn Blue“ vergangenen Sommer. Dan Auerbach und sein Kollege Patrick Carney an den Drums machten den Blues-Rock wieder salonfähig, alle Welt ging plötzlich darauf ab. The Black Keys spielten große gefeierte Konzerte, bei denen zum Beispiel die ganze Great Lawn im Central Park beim Intro von „Tighten Up“ mitpfiff und sie spielten Shows, bei denen man sich wünschte, Dan Auerbach wäre weniger offensichtlich verletzt und würde deshalb weniger Ohrfeigen verbaler Art austeilen.

Auerbach agiert neben seiner Tätigkeit bei The Black Keys auch noch als überaus erfolgreicher Produzent mini_thearcsund ja, natürlich hat er auch schon Solo-Platten veröffentlicht und sein Nebenprojekt Blakroc gibt es ja auch noch. Umtriebig, der Wahl-Nashvillian. Nebenbei unterhält er auch noch eine mal mehr, mal weniger schwelende Fehde mit Jack White. Ich glaube, es geht prinzipiell darum, wer zuerst in Nashville war und wer Blues-Rock wieder zu einer lebendigen populären Musikform erhoben hat. Wie dem auch sei, all das reichte Auerbach ganz offensichtlich nicht und mit ein paar alten Freunden tat er sich zusammen und gründete The Arcs. Auf meinem Haus- und Hofsender Alternative Portland wird er selbst so zu seiner neuen Band zitiert: „This project was about making music with some of my longest relationships in music“.

Richard Swift, Leon Michels, Homer Steinweiss und Nick Movshon sind also Dan Auerbachs älteste Freunde im Musikbusiness. Richard Swift von The Shins, Leon Michels, der momentan angesagteste Arrangeur für Bläsersätze, Homer Steinweiss, Drummer bei ungefähr allen von St. Vincent über Sharon Jones & The Dap-Kings  bis zu Mark Ronson und  Nick Movshon, Bassist ebenfalls u.a.bei Mark Ronson und Lana Del Rey, sind also Best Friends mit Dan Auerbach und die Kombination schreit ja nach „SUPERGROUP“! Alle haben schon einmal irgendwie miteinander gearbeitet, entweder wirklich in einer Band oder mit Auerbach als Produzent. So lag es wohl auf der Hand, dass man gemeinsam das machen und an die Leute bringen will, was man liebt. Auerbach bechrieb das dem amerikanischen Rolling Stone so:

„With the Arcs, we were just trying to make music that lives up to the kinds of standards that we love: old soul records, Captain Beefheart, newer hip-hop records.“

Innerhalb von nur knapp zwei Wochen haben diese ganzen viel beschäftigten Künstler also Songs für „Yours, Dreamily“ eingespielt. Und das nicht nur in Auerbachs Easy Eye Sound Studio in Nashville, sondern wirklich über die kompletten USA verteilt: In der Sound Factory in Los Angeles, im Diamond Mine in Queens und in einem Lounge Room der Electric Lady Studios in Manhatten kam man spontan, kurz und schmerzlos zusammen und spielte Stücke oder auch nur Parts ein. Wenn man sich und den eigenen Stil solange kennt, bedarf es offensichtlich nicht vieler Worte.

Drei Auskopplungen gibt es bisher zu hören: „Outta My Mind“, „Tomato Can“ und „Stay in My Corner“. Und wie klingts jetzt? Anders als The Black Keys, denn bei The Arcs ist Dan Auerbach nicht allein für die Melodie und Lyrics zuständig. Alles wäre gemeinsam geschrieben, verriet der umtriebige Musiker dem amerikanischen Rolling Stone weiter. 75 Songs insgesamt! Und die gehen oft in einander über, „a lot like the Grateful Dead – my favorite records that they did“, zitiert Pitchfork Dan Auerbach. Und natürlich hört man Dan Auerbach als Sänger heraus – der Wiedererkennungswert der Stimme ist eben einfach groß. Aber doch, es gibt andere Hooks, es klingt vetrträumter, anders als The Black Keys. Grateful Dead mit bissl Hip-Hop – kann man machen!

Und obwohl er natürlich seinen Job bei The Black Keys immer noch liebt und als Haupteinnahmequelle sieht, gibt es für ihn auch keinen Grund, die Arbeit mit The Arcs ruhen zu lassen oder hintenan zu stellen. Es wäre ein natürliches, leicht crazy Projekt, bei dem er sich nicht viel Gedanken um Radio-Airplay oder sonstiges machen müsse. Nach dem Release von „Yours, Dreamily“ Anfang September soll es eine Tour geben, durch Nordamerika und auch Europa. Wir sind gespannt: auf das Album, die Tour und alles, was dem Musik-Genie Auerbach auf dem weiteren Weg noch einfällt.

„Yours, Deamily“ von The Arcs erscheint Anfang September 2015.

Foto: Richard Swift