In zwei Wochen spielen Manchester Orchestra im Strom. Wir freuen uns auf die erste Show, der wir unser präsentatorisches Gütesiegel aufdrücken (Ohne sie je live gesehen zu haben, aber was hilft’s denn, wenn sie sich hier so rar machen?).Was an ihrer Musik so großartig ist und warum der zu erwartende Hitzeschock am Ende alle Strapazen wert sein dürfte, das soll an dieser Stelle mal kurz erörtert werden.

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Mit dem englischen Manchester haben Andy Hull und Konsorten nichts am Hut und auf ein Orchester braucht man bei ihnen auch nicht hoffen. Manchester Orchestra sind im Rock zuhause, den stutzen sie sich aber auf ihre ganz eigene Art und Weise zurecht.
Es ist gar nicht so einfach die Musik des Quintetts aus Atlanta zu kategorisieren. In Zeiten, in denen es fast zur Manie geworden ist, im Schubladenkosmos zu denken und für jede noch so kleine Genre-Unterart ein eigenes Mini-Fach einzuziehen, ist aber gerade das ziemlich spannend.
Da sind Stücke dabei, in denen zuckt das vernachlässigte Tanzbein, da schwelgt das harmoniehungrige Herz und es gibt Nummern, da klatschen sie einen mit tonnenschweren, verzerrten Gitarren und einem brachialen Bass gnadenlos an die Wand. Hier stehen immer Leichtigkeit neben Theatralik, wunderbare Melodien neben wuchtiger Instrumentierung und dem tonangebenden Rock spannen sie immer wieder unverfroren das „Indie-“ vornedran.

Wenn Vergleiche herhalten sollen, dann sind Manchester Orchestra am ehesten ein Hybrid aus Band Of Horses, Weezer, Baroness und Biffy Clyro. Der Frontman letzterer ist selbst ein erklärter Fan der Band und bekannte einst in seiner Albumrezension von „COPE“ für das britische Indie-Musik-Portal The Line Of Best Fit:

There are very few things which get me excited: True Detective, my wife, Lego Architecture, my band, a stranger’s comedy trip-up on the street…and a new Manchester Orchestra album. – Simon Neil (Biffy Clyro)

Fünf Alben haben sie bisher aufgenommen. Nach „I’m Like A Virgin Losing A Child“ (2006), „Mean Everything To Nothing“ (2009) und „Simple Math“ (2011) haben sie mit der Nummer Vier namens „COPE“ letztes Jahr einen ordentlichen Paukenschlag hingelegt. Der Opener „Top Notch“ ist eine gewaltige Ouvertüre, die, da hat Mr. Neil den Nagel auf den Kopf getroffen, an Weezer zu Pinkerton-Zeiten denken lässt – mit einer Extra-Ladung Steroiden.
„The invention of the ship is the invention of the ship wreck“ heißt es dann recht fatalistisch in „Choose You“. Eine stets beliebte Metapher, die Schiffahrt (auch unsere geschätzte Florence startet ja ihr aktuelles Album mit „Ship To Wreck“), gerade wenn es um das zweischneidige Schwert Beziehung geht. Vom Lieben und Leiden wird gern und oft gesungen von Frontmann und Mastermind Andy Hull. Bei all der prägnanten Bildsprache aber immer sehr erwachsen, und dennoch nicht abgeklärt.

copehope2Bei „The Ocean“ will man zu den Strophen schunkeln und beim Refrain wie Leo und Kate am Bug der Titanic stehen. „Every Stone“ ist dann der unangefochtene Ohrwurm des Albums. Was für eine Melodie! Hinten raus wird dann ordentlich aufgefahren: Piano, Chorgesang, epische Gitarren. Nochmal und nochmal und nochmal muss man den hören.
Der Hammer aber kommt mit dem Schlusslicht. Das titelgebende „Cope“ ist der Rammbock in die Eingeweide. Die Effektgeräte auf Stoner-Rock-Modus (Anschlag!) reißt einen das Intro erstmal um. Gesanglich wird zunächst ein Gang zurückgeschalten, aber irgendwann brechen auch da alle Dämme.

Als unnachgiebig hat die Band dieses Album selbst bezeichnet und als kompromisslos. Deswegen haben sie die gleiche Platte einfach nochmal 1:1 als entschleunigte, streckenweise akustisch anmutende Version eingespielt. „Hope“ heißt die nur wenige Monate jüngere, feingliedrige, leise Schwester von „COPE“. Alle Songs funktionieren ebenso gut reduziert. Keine Gitarrenwände dafür das Piano/ Keyboard im Vordergrund, zarte Streicher, leise Bläsersätze und filigrane Backgroundgesänge statt satter Chöre. Bitte jeweils einmal die Kombi „Every Stone“ und „Cope“ erst im lauten, dann im leisen Modus anhören. Ein Paradebeispiel dafür, wie man aus Songs das beste beider Welten rausholen kann.

Warum sie bei all ihrer Klasse immer noch als Underdogs im Bandkosmos unterwegs sind, ich weiß es beim besten Willen nicht. Wird Zeit, dass sich das ändert. Mit ihrer kommenden Tour werden sich sicher wieder einige Kilometer auf der Ruhmestrasse gutmachen.

Hier nochmal alle Deutschlandtermine:

21.08.2015 München – Strom
23.08.2015 Köln – Gebäude 9
24.08.2015 Berlin – Magnet
25.08.2015 Hamburg – Molotow

Tickets gibt’s an allen bekannten CTS–VVK-Stellen bei eventim.de sowie bei München Ticket.

Ich freu mich unsäglich. Hoffentlich freuen sich noch ein paar von euch mit mir. Wir sehen uns in Kürze im Strom und vielleicht haben wir da nächste Woche noch was für euch. Watch this space! Bis dahin, gehabt euch wohl!

 

Foto: Andrew Thomas Lee (Bandfoto), themusicminutes (Albumcovercollage)