Der Sommer ist zurück und mindestens bis Samstagabend soll es angeblich heiß sein. Grad gut, denn im August gehen noch ein paar Festivals an den Start! Wir schauen uns hier vier genauer an: Brass Wiesn, Taubertal-Festival, Chiemsee Summer und FM4 Fequency.

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Oft will man ja im Vorfeld kein Ticket für ein Drei-Tages-Festival kaufen. Zu oft ist man am zweiten Tag in einer Schlammwüste gestanden, zuviel Wasser wurde vom Regen ins Zelt gespült und zu alt sind die Knochen inzwischen. Man kann das so regeln wie Renzo und ich letztes Jahr und einfach einen Tag schwänzen, weil man die Bands da eh schon gesehen hat. Oder man pickt sich ein Stadtfestival raus wie etwa das NorthSide. Oder aber man bleibt jung und unentschlossen, wartet auf den Wetterbericht und hofft, dass es einfach noch Tickets gibt. Glück gehabt, denn für alle Festivals, die hier ganz kurz vorgestellt werden, gibt es noch Karten (Stand 6. Juli, 8 Uhr).

Brass Wiesn, Eching
art_brass-wiesnVon 7.  bis 9. August findet am Echinger Weiher bei Eching, im Münchner Umland an der S1, die Brass Wiesn statt. Anders als bei den meisten anderen Mehrtagesveranstaltungen steht hier nicht nur eine Musikrichtung, sondern vielmehr eine Instrumentensektion im Vordergrund: die Bläser. Dass das inzwischen mehr sein kann als die Umtata-Bierzeltmusik haben in den letzten paar Jahren ein paar Bands eindrucksvoll gezeigt. Große Vorreiter sind da sicher die Headliner des diesjährigen Festivals, La BrassBanda, die Tubatechno erfunden und Blasmusik aus ihrem leicht angestaubten Volksmusik-Eck gezerrt haben. Stefan Dettl kann so schnell singen und Trompete spielen, dass selbst ein landläufiger Rapper damit Probleme hätte. Moop Mama aus München sind auch am Start und die machen nicht nur auf Konzerten, sondern auch mit Guerilla-Shows an der Isar gern auf sich aufmerksam. Als ganz alter Hund in diesem traditionellen, aber nicht verstaubten Milieu gilt Haindling und auch der gibt sich auf der Brass Wiesn ein Stelldichein. Ebenso wie Django3000 mit ihrer Gypsie-Volksmusik und die Kapelle Josef Menzel, die unter anderem auch schon mal das Hofbräuhaus auf den Kopf stellt.

Klar, das Festival ist und bleibt spezieller als die meisten. Aber dennoch bietet es dem wachsenden Fankreis dieser Musik fernab von Musikantenstadl und Voxxclub eine Fläche, bei der man gut feiern, tanzen und durchdrehen kann. Oder hat irgendwer mal nicht bei der Polonaise von La BrassBanda mitgemacht? Karten kosten 65 € und alle weiteren Infos samt der teilnehmenden Bands und Kapellen findet ihr hier.


Taubertal-Festival, bei Rothenburg o.d. Tauber

art_taubertalEbenfalls schon kommendes Wochenende findet das Taubertal-Festival statt. Zum inzwischen 18. Mal (aber im 20. Jahr) geht es an der Eiswiese bei Rothenburg im schönen Frankenland rund: Das Taubertal ist ein Festival-Liebling bei Künstlern und Publikum. Weniger als 20.000 Besucher können sich dort Konzerte anschauen, die auf der Hauptbühne von einem steilen Hang auf der einen und der Tauber, dem Fluss, auf der anderen Seite natürlich begrenzt wird. In den letzten Jahren verregnete es diese Veranstaltung im Festival-Kalender gefühlt so oft wie Rock im Park (also immer), deshalb drücken wir gerade dieses Jahr die Daumen, dass der Wettergott den Franken wohlgesonnen ist.

Live zu sehen gibt es diesmal auf drei Bühnen eine recht bunte Mischung, die alles außer Mainstream ist. Die von uns sehr geschätzte The Smith Street Band spielt auf der Sounds-For-Nature-Bühne ihren feinen Punkrock auf, nachdenklicher wird’s auf der  gleichen Bühne mit dem Klavier-Sound von ANNENMAYKANTEREIT und den österreichischen Indie-Rockern von Ωlimpique. Everlast spielt auf der gleichen, keineren Bühne, während sich auf der Hauptbühne im beschriebenen, ganz zauberhaften Ambiente alte Haudegen und junge Neue einfinden: Ferris MC rappt da ohne das Deichkind, Against Me! geben sich die Ehre, die Dropkick Murphys, die Beatsteaks und Kraftklub lassen es sicher laut und dreckig angehen und Marteria liefert hoffentlich wieder ein Set wie beim diesjährigen Southside/Hurricane ab. Lustig wird es gleich am Freitagabend: Denn bevor Kraftklub ihren Yeah-Yeah-Zappel-Tanz-Pogo aufführen, spielen The Offspring. Ja, richtig – die Typen von „Self Esteem“ und „Pretty Fly For A White Guy“ rocken von 22 Uhr bis 23 Uhr – als Anheizer für Kraftklub irgendwie. So verschiebt sich wohl der Bekanntheitsgrad der Bands mit dem Alter des Publikums. Irgendwie fehlen dieses Jahr The Subways, die waren sonst immer gern im Taubertal zu Gast. Aber was soll’s – das Line-up kann sich sehr wohl auch ohne die Briten lesen lassen! Alle Infos und das komplette Line-up findet ihr hier.


Der Chiemsee Summer, Übersee am Chiemsee

art_chiemsee-summerIn unserer Konzertübersicht für August hatten wir ihn schon drin, den Chiemsee Summer. Früher war das mal das Chiemsee Reggae, dann das Chiemsee Rocks + Chiemsee Reggae und jetzt ein 5-Tage-Festival: Von 19. bis 23. August geht’s rund in Übersee! Letztes Jahr schwemmte es die Zelte weg und man konnte anhand des immer noch gefluteten Ackers im September noch sehen, wo der Campingplatz war. Dieses Jahr bietet das Chiemsee Summer ebenfalls ein sehr breit gefächertes Programm, mir persönlich zu breit – aber es gibt ja auch Tagestickets.

Über 100 Bands treten an den fünf Tagen auf. Schon immer noch im weitesten Sinne in der Rock/Alternative- oder eben Reaggae/Hip-Hop-Ecke einzuordnen, aber selbst bei dieser Kategorisierung gilt ja auch manchmal: Was nicht passt, wird passend gemacht. Das Line-up ist ein großes Mischmasch, noch dazu mit Außreißern in die Elektro-Schiene, aber durchaus ist es auch eine große Leistung, all diese Künstler an den Chiemsee zu karren.

Mal sehen, was die Hauptbühne, Wilder Kaiser genannt, so bietet: Am Mittwoch eröffnet kein Geringerer als Danko Jones das Festival, um für Gaslight Anthem (die waren auch vor drei Jahren mit Me First And The Gimme Gimmes und den Beatsteaks hier, damals noch Chiemsee Rocks, und machen nach der Europa-Tour erstmal Pause voneinander), die Dropkick Murphys und Kraftklub anzuheizen.

Am Donnerstag spielen als Headliner die Kraftklub-Anheizer vom Taubertal, The Offspring. Direkt davor spielt Cro. Ja, richtig gelesen. Cro, der deutsche Hip-Hopper mit Panda-Maske. Vor dem wiederum gastieren Gogol Bordello, Flogging Molly und Less Than Jake auf der Hauptbühne. Ich sag ja – Mischmach Deluxe. Ob das klappen kann?

Feitags wird es dann sehr deutsch mit der Antilopen Gang, Alligatoah, Farin Urlaub Racing Team und Jan Delay. Da übernehmen also Pop und Hip-Hop die Hauptbühne, während auf der kleineren nebenan, der Hochgern-Bühne, Against Me! und The Subways auftreten.

Am Samstag kenne ich zumindest alle Bands auf der kleineren Bühne, von AWOLNATION über Chuck Ragan bis zu den Augustines und den Donots – aber da geht eh jeder zu Deichkind, dem Tagesheadliner auf der Wilder Kaiser-Bühne. Die Parov Stelar Band, die direkt vor Porky und Co. spielt, wird sich über die Besucher im Mülltüten-Neon-Outfit freuen! Der Sonntag endet dann mit Sean Paul und Gentleman (und Bad Religion auf der kleinen Bühne). Ihr seht schon, da wird massig Programm aufgefahren – von den fünf Bühnen habe ich nur zwei ein wenig näher angeschaut. Ich bräuchte ein Schaubild, ich geb’s zu.

Tickets für den Chiemsee Summer kosten 169 € (Tagestickets 49 € und Deluxe-Version mit Hotel statt Campen 699 €). Das ganze unfassbar riesige Line-up mit 100 Bands findet ihr hier.


FM4 Frequency, St. Pölten

art_frequencyDie ersten paar Jahre fand das FM4 Frequency auf dem Salzburgring in Salzburg (logo!) statt, seit ein paar Jahren ist es fort vom Grenzgebiet gezogen, aber immer noch eine Reise wert: Zum 15. Geburtstag geben sich vom 20. bis 22. August überraschend viele alte Hasen das Festivalzepter in die Hand. Ganze sieben Bühnen werden aufgefahren! Sieben! Ich sag es nochmal: Sieben!!!

Linkin Park (ich wusste nicht, dass es die noch gibt), The Prodigy, The Chemical Brothers, The Offspring (Mir scheint, das sind die Festival-Dauergäste 2015!), Interpol, TV On The Radio, Bad Religion, The Wombats, Mad Caddies und Darwin Deez wären vor fünf Jahren oder gar noch mehr der ganz heiße Scheiß bei einem Festival gewesen. Aber andersherum gesagt: Die können ihre Sache halt auch, da muss man keine Amateur-Faxen erwarten. Jedoch nicht nur Altbekannte schauen im Green Park in St. Pölten vorbei, sondern auch durchaus jüngere Künstler, die es noch keine 15 Jahre gibt:

Kendrick Lamar traut sich ins sonst nicht so hip-hoppige Line-up, Alt-J, Casper, Ellie Goulding, Diplo, K.I.Z und Mighty Oaks waren vielleicht noch in der Grundschule als The Offspring verstärkt auf FM4-Charts liefen. Dann gibt es aber auch noch ganz zeitlose Herren im Line-up wie José González und Chuck Ragan & The Camaraderie. Es ist schon auch ein wilder Mix, der dieses Jahr das FM4 Frequency bestimmt. Vielleicht ist es deshalb auch noch nicht ausverkauft – in den letzten Jahren gab es oft Monate vor dem Festival keine Tickets mehr.

Das ganze Line-up gibt’s hier und Tickets zwischen 74,90 € (Tagesticket) und 149 € (3-Tages-Pass) in der Normalversion.

Und sonst?
In der näheren Umgebung gibt es von 7. bis 8. August noch das Stereowald Festival, seit Wochen, seit 16. Juni nämlich, ausverkauft. Klein und im Wald bei Aichach wartet das Stereowald mit so illustren Künstlern wie Notwist, Impala Ray, Kurt Schwarzbauer und Wanda auf.

Und bei Moosburg, kurz hinter München, findet nächstes Wochenende, 13. bis 15. August,  das Utopia Island statt. Coole Kulisse, direkt an einem Baggersee nämlich, aber statt hart elektrolastiger Acts wie letztes Jahr (Top-Headliner 2many DJs!!!), spielen dieses Jahr und an einem Tag mehr auch unterschiedlichere Bands. Bilderbuch zum Beispiel. Allerdings: Obacht, was man als Tagesticketbesitzer mit aufs Festivalgelände nimmt! Äpfel sind streng verboten! Und drin gabs letztes Jahr keine schnöden Schokoriegel – da ist man mit sich und der Suche nach einem Snickers um 2 Uhr morgens allein.

Jetzt bleibt uns nichts anderes übrig, als allen Besuchern feine sonnige Festivals mit schönen Konzerten zu wünschen! Und wirklich ohne Regen dieses Jahr.

Fotos: Unsplash und die Facebook-Seiten der Festivalveranstalter