Mei, die Sneak-Preview im Kino. Da kann Gutes bei rum kommen und auch wirklich abgrundtief Schlechtes: Das neue Low wurde von „We Are Your Friends“ erreicht. Das einzig gute ist der Titel, der Rest eine ungewollte Satire auf EDM. Schuld daran ist vor allem Zac Efron.

Okay, EDM, Electronic Dance Music, ist nur im Ausnahmefall meins und ich würde mir vermutlich nicht We Are Your Friends regulär im Kino anschauen. Trotz allem: Dieser Film ist eine absolute Frechheit. art1_wayfZac Efron und seine Gang von nichtssagenden, hipsterigen, eigentlich aber verdammt uncoolen, weil planlosen Freunden leben im kalifornischen Valley und tun – ja, nichts eigentlich. Sie machen Promo für einen Club, der anscheinend nur an Donnerstagen öffnet, und Zac Efron ist dort DJ im Nebenraum. Eines Tages taucht Wes Bentley, der Spielmacher aus den Hunger Games und der Junge aus American Beauty, als großer DJ à la David Guetta samt seiner Freundin mit der gebotoxtesten Oberlippe seit Chiara Ohoven auf und verändert Zac Efrons Leben. Mittendrin stirbt natürlich der einzige aus der Gang, der aus diesem sterbenslangweiligen Leben ausbrechen wollte, an einer  Überdosis Pillen, die ihm ein anderer der Gang, der ambitionierte Schauspielstudent, angedreht hat. Ein absolut nicht in Worte zu fassender schlechter Film.

Aber nur weil ein Film schlecht ist, taucht er ja bei uns nicht auf. „We Are Your Friends“ verarscht allerdings das Publikum. Ein DJ im eigentlichen Sinn ist in dem Film vielleicht nur Wes Bentley, der als Movie-David-Guetta eine Plattensammlung besitzt (aber keinen sichtbaren Plattenspieler). Er hat auch ein Studio, legt aber eher mit USB-Stick und so wie im Video auf.

Das mag auch an dieser Mischung von allerlei Drogen liegen, die zu den schlechtesten Special Effects seit Jurassic Park III geführt haben. Die Hauptperson des Films, Zac Efron (dessen Charakternamen ich nicht einmal wissen oder auch nachschauen will) lebt von den Tracks auf seinem Smartphone und seinem MacBook Pro von 2008, für das es in meinem Fall zumindest keine Aktualisierungen mehr gibt. Aber er meint ja auch:

„If you are a DJ, all you need is a laptop, some talent and one track.“

Er bastelt mit dieser mehr als fragwürdigen Definition seines Wunschberufs minutenlange Tracks aus Beats und Bässen, das einzige natürlich Element ist ein Handklatschen. Dieses Klatschen wiederum versetzt Wes Bentley als Mentor in Verzückung. Er rät Zac Efron, doch öfter „organic elements“ einzubauen – eine Bass Drum, ein Piano, Schnipsen, die Stimme seiner Botox-Assistentin/seinem Gspusi (das ihm Efron schließlich auch ausspannt). Dafür könne er immer gern das Studio des DJ-Millionärs nutzen. Na klar!

Aber all das läuft nicht so gut. Nach der Todestragödie um seinen freund Squirrel, dessen Ableben schon bei seinem ersten Auftritt vorhersehbar ist, geht Efron in der Mittagshitze des Valleys joggen, doch dann – oh nein – macht der Akku seines Smartphones schlapp und er kann nicht weiter seinen immer gleichen, immer faden, immer uninspirierten Track hören. Er nimmt die Kopfhörer ab und stellt völlig überraschend fest, dass die Welt da draußen auch Geräusche macht: Vögel! Ein Windspiel! Strommasten! Wind! Zuhause bastelt er mit diesen Komponenten dann an einem Track herum und ruft den Mentor Bentley an, der ihm offensichtlich weder Lügen oder Betrügen übelnehmen kann. Er hätte da was für das Summerfest Festival. Zoom auf eine Pioneer-DJing-Bühne, Efron zum gefühlt tausendsten Mal in großformatiger Zeitlupenaufnahme. Ich schwör es euch, das, was man dann hört, ist der Track des Jahrtausends. Alle Elemente von der Welt da draußen hat er da eingbaut und er sagt es mit dem Mirko an. Dazu schwitzt der rotäugige Pseudo-DJ soviel, wie ganz Deutschland im heißen August 2015.

Nun aber zur größten Verarsche: Immer, wenn Zac Efron als aufstrebender DJ an seinen Reglern am Mischpult rumschraubt oder rumschiebt, passiert – genau: nichts. art_wayfKeinerlei Veränderung zu hören. Der einzig wirklich gelungene Track ist der aus dem Titel: „We Are Your Friends“ von Justice vs. Simian Mobile Disco. Die Audioschnipsel, die Efron in einem nicht näher definierten Audioprogramm auf seinem Rechner zusammenfügt, sehen alle gleich aus, die Files auf seinem Smartphone, die er in den Jahrtausendtrack einbaut, heißen alle „Unknown 1“ bis „Unknown 38“. Es könnte auch Homer Simpsons Smartphone sein. Efron sitzt in einem voll ausgestatteten Studio und hat professionelle Unterstützung, legt dann aber lieber mit seinem Smartphone auf. Was für ein unfassbar schlechter, unglaubwürdiger Film.

Ganz zu schweigen vom Frauenbild:  Wahlweise das Gspusi, das zwar den IQ für Stanford hat, aber sich lieber von DJ zu DJ vögelt, oder der nicht näher mit Namen ausgestattete Hintern in Neon-Bikinihöschen, dem wir zu einer der vielen belanglosen Parties folgen. Drogen gibt es auch überall und dass der Mentor ein schwerer Alkoholiker/Drogenabhängiger ist, stört auch keinen. So ist das halt im Valley!

Fazit: „We Are Your Friends“ ist nicht mein Freund. Die Geschichte unglaubwürdig, schlecht und daneben. Die Schauspieler bis auf Wes Bentley unglaubwürdig, schlecht und daneben. Dass letzten Sommer in den USA bei großen EDM-Festivals Leute an Drogenmissbrauch verstorben sind, scheint dem Regisseur/Drehbuchautor Max Joseph entgangen oder einfach nicht wichtig genug gewesen zu sein, um die potenziellen Kinobesucher, die Kids, darauf hinzuweisen. Da stand wohl seine Story im Vordergrund. NICHT. „We Are Your Friends“ sieht aus wie ein Sonntagnachmittagsfilm auf ProSieben, nur dass statt der Olsen Zwillingen dieser schrecklich unglaubwürdige, farblose Zac Efron ständig das Bild stört. „We Are Your Friends“ scheitert kläglich an dem, was DOPE mit den eingebauten Videos, Bildern und populärkulturellen Refrenzen brilliant hinbekommen hat. Ich habe in 96 Minuten selten so viele Aufnahmen in Zeitlupe gesehen, „We Are Your Friends“ geht damit großzügig um: Zac Efrons Gesicht, ein Strauch, das Meer, die Party, eine andere Party, der Club, Zac Efrons Arme, Zac Efrons Kopfhörer. Der Grund? Eine in fünf Minuten erzählte Storyline und die Kosten (Zeitlupe kostet weniger, weiß ich als alter Baywatch-Fan. Aber bei Baywatch ist in der Zeitlupe auch mehr passiert…).

Eigentlich nutzen wir den Platz hier im Blog nicht für negative Kritiken, weil uns die Zeit dafür zu schade ist. Aber in einem Jahr, in dem Musikfilme über die N.W.A, Amy Winehouse und die Beach Boys laufen, könnte jemand von euch versehentlich in diesen Film gehen. Tut es nicht. Er ist eine absolute Frechheit, selbst für eine Sneak Preview. Was ich nach „We are Your Friends“ auch weiß: Reggae hat 70 BPM, Zac Efron ist kein Schauspieler und auch kein DJ.

We Are Your Friends von Max Joseph mit Zac Efron kommt am 27. August in die deutschen Kinos. Oder doch gleich irgendwann nur auf DVD. Am gleichen Tag kommt auch Straight Outta Compton in die Lichtpielhäuser eures Vertrauens – die bessere Wahl.

Fotos: Studiocanal