Neben dem alljährlichen Humpta-Humpta-Täterää, das im letzten Drittel des Monats musikalisch die Landeshauptstadt dominieren wird, hält der September noch ausreichend Kontrastprogramm bereit. Teilt euch eure Kröten ein und haut nicht alles für überteuerte Massen und Auto-Scooter auf’n Kopf, sonst entgeht euch womöglich das ein oder andere feine Konzert des Spätsommers. Wie immer haben wir eine Auswahl für euch getroffen.

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05.09. – FRANK TURNER
Da isser wieder. Unser „skinny half arsed English country singer“ der Herzen ist einmal mehr auf Tour (bzw. immer noch, er hört ja genau genommen nie auf, auf Tour zu sein) und kommt diesmal auch wieder in München vorbei. Für die ersten Shows zum neuen Album hat er sich kleine Venues ausgesucht, denen er eigentlich schon entwachsen ist. Noch einmal knackig-enges Clubfeeling und kompakte Mitplärr-Party bevor er dann für die nächste Runde wieder in größere Hallen einzieht. Ehrlicherweise wäre eine Solo-Show (zu den meisten dieser aktuellen Termine tanzt er allein mit Gitarre an) auch mal wieder ziemlich cool gewesen, aber wir wollen nicht mosern, schließlich kann die volle Band-Sause schon auch was, wie zuletzt im Salzburger Rockhouse eindrucksvoll demonstriert wurde. Wer noch kein Ticket hat, wird leider auf den größeren Aufschlag warten müssen, denn die Show im Strom war innerhalb weniger Minuten ausverkauft.

06.09. – DJ PREMIER
Als eine Hälfte des Duos Gang Starr schrieb Christopher Edward Martin alias DJ Premier Hip-Hop-Geschichte und prägte vor allem die East-Coast-Rap-Szene der Neunziger. Im Verlauf seiner über zwei Jahrzehnte umspannenden Karriere arbeitete er mit Genre-Größen wie Common, Snoop Dogg, KRS-One, Kanye West und Nas zusammen. Heute zählt der 49-Jährige neben Dr. Dre zu den einflussreichsten Hip-Hop-Produzenten. Ziemlich überraschend gibt sich „Premo“ im September in der Muffathalle die Ehre. Unterstützt wird er dabei von einer Live-Band. Mit seinen souligen Samples und geschmeidigen Grooves wird DJ Premier die Münchner Posse garantiert zum Bouncen bringen. Ursi und Renzo halten ihre Caps schon griffbereit.

10.09. – KELVIN JONES
Er gehört zu den jüngsten Pop-Neuentdeckungen. Bekannt wurde der Singer/Songwriter via YouTube, die Labels rissen sich um ihn. Hinter dem Hype verbirgt sich ein sympathischer 20-Jähriger Singer/Songwriter aus London, der Musik von Tracy Chapman und B.B. King mag. Auf seinem Debütalbum „Stop The Moment“, das er in Berlin einspielte, verschmelzen seine Einflüsse zu zwölf souligen Nummern mit Pop-Appeal. Live stellt Kelvin Jones sein Material in der Münchner Kranhalle vor.

15.09. – TORRES
Menschen mit Herzschmerz sollten das Strom am 15. September vermutlich besser meiden. Dann gibt Mackenzie Scott aka Torres die reduzierten, berührenden Songs ihres zweiten Albums „Sprinter“ zum Besten. Die 23-jährige Singer/Songwriterin aus Nashville reflektiert in ihren klugen Texten Erfahrungen über Verlust und Liebeskummer. Stilistisch eine Mischung aus der rauen Leidenschaft von PJ Harvey – deren Bandmitglied Ian Oliver an den Album-Aufnahmen beteiligt war – und den sanften Arrangements von Cat Power, dürfte Torres das Münchner Publikum in ihren Bann ziehen.

15.09. – KAFKA TAMURA
Kafka what?! Der seltsame Bandname leitet sich vom Protagonisten aus Haruki Murakamis Roman „Kafka am Strand“ ab. 2012 wurden Patrick Bongers und Drummer Gabriel Häuser aus Leipzig sowie die 18-jährige Sängerin Emma Dawkins aus dem südenglischen Southampton via Soundcloud aufeinander aufmerksam. Anfang 2013 begegneten sich die drei Musiker dann zum ersten Mal in echt. Das Resultat: das Debütalbum „Nothing To Everyone“, das über das Milky-Chance-Label Lichtdicht Records erschien, und elf zarte, elektronisch angehauchte Folk-Songs enthält. Das Trio war in den vergangenen Monaten immer wieder in München zu Gast, dieses Mal entfalten Kafka Tamura ihren sanften Zauber im Orangehouse.

15.09.  – LEON BRIDGES
Endlich kommt der schüchterne Texaner nach München, nämlich ins Technikum. Mit seinem authentischen Soul, der wie frisch aus den fünfziger Jahren klingt, begeistert er alle von seiner Heimatstadt Fort Worth bis München und ganz ehrlich: Nehmt Schuhe mit, in denen ihr tanzen könnt! In Hamburg stand kein Zuschauer still. Das ist nicht nur der Musikrichtung, die „Mitschwofen!“ schreit, geschuldet, sondern vor allem Bridges‘ spektakulärer Live-Band. Er selbst bleibt auch auf der Bühne sehr zurückhaltend, legt allerdings auch die ein oder andere Tanzeinlage hin. Der Sommer kehrt an diesem Abend auf jeden Fall zurück!

22.09. – ADMIRAL FALLOW
Schottland! Als ob das noch nicht Gütesiegel genug wäre, macht mit Adimral Fallow eine hochkarätige Combo aus Glasgow Halt in der Kranhalle. Drei Alben haben sie veröffentlicht, die Kritiker und Fans weltweit gleichermaßen begeistern. 18 Monate haben sie zuletzt an „Tiny Rewards“ gewerkelt und sich ein wenig vom Folkstil ihrer alten Platten abgewendet. Es gibt weniger akustische Gitarre, hier und da ein paar elektronische Spielereien und immer noch rundum schöne Songs. Hingehen wird dringend empfohlen – nicht nur wegen des wunderschönen Akzents.

25.09. – ATTWENGER
Ihr 13. Album haben die Oberösterreicher von Attwenger dieses Jahr veröffentlicht, es trägt den Namen „Spot“. Und weil es sich so schön ergibt, verbinden sie Tradition mit Moderne und spielen auf der Oidn Wiesn im Herzkasperlzelt auf. Punk, Volksmusik, Hip-Hop – all diese Genres sind Markus Binder und Hans-Peter Falkner nicht fremd und man darf sich jetzt schon freuen, wenn sie mit ihrem ganz eigenen Sound das Oktoberfest aufmischen. Prost!

26.09. – ACTION BRONSON
Rappen über Essen, Bodybuilder, Eiskunstlauf oder Sportwetten? Kann man machen, wenn man Action Bronson ist. Der New Yorker Rapper veröffentlichte in diesem Jahr sein Major Label-Debüt „Mr. Wonderful“ und ist seitdem nur schwer wegzudenken, wenn es um zeitgenössischen Hip-Hop aus den USA geht. Nas und den Wu Tang Clan nennt er selbst ein Einflüsse, ihm wurde eine Ähnlichkeit im Rap-Stil zu Ghostface Killah attestiert – besser kann es wohl nicht laufen. Live könnt ihr euch von seinen Skillz in der Muffathalle überzeugen.

26.09.  – SÓLEY
Sóley Stefánsdóttir aus Reykjavík ist ein weiteres Talent, wie sie Island zu Hauf hervorzubringen scheint. Björk, Sigur Rós, Of Monsters And Men, Ásgeir, Ólafur Arnalds, FM Belfast, Samaris, Sólstafir, Múm, Amiina, und, und, und… Wenn das so weiter geht, gibts bald Ablösung in Sachen tonangebende Insel. Sóleys Musik ist düster und märchenhaft. Die gelernte Pianistin tunkt ihre Alternative-Pop-Tunes in Sepiatinte und entführt in magisch-surreale Klangwelten, die auch bei Leuten, die Island noch nicht bereist haben, faszinierend bildreiches Kopfkino lebendig werden lassen. Im Technikum darf an diesem Abend musikalisch abgetaucht werden.

28.09. – DJANGO DJANGO
Von London nach Edinburgh in die Muffathalle! Django Django, die Londoner mit dem stylischen Experimental-Pop-Rock, kommen nach München. Das Quartett lernte sich an der Kunsthochschule in Schottland kennen und ganz verborgen bleibt der künstlerische Ansatz auch bei ihren Songs nicht (ähnlich wie bei der zweiten Kunststudenten-Band, alt-J): Die aktuelle Platte lebt von ihren geradlinigen Synthie-Sounds mit Beats, die schon auch von langsameren Kasabian-Nummern ausgeliehen sein könnten, und dazu dem glockenklaren Gesang der Band. Ein rundes Ding! Ihr zweites Album „Born Under Saturn“ ist so eine 1a-Platte, dass wir die München Show von Django Django präsentieren. Da passiert im Vorfeld auch hier im Blog noch etwas, also watch this space!

28.09. – FAMILY OF THE YEAR
Die Zeiten vom Radiodauerbrenner „Hero“ der Family of the Year sind inzwischen schon ein wenig her, ihren Folk-Pop hat das Quartett auf ihrem selbstbetiteltem Album mit ein paar rockigeren Einflüssen und Piano-Hooks angereichert. Klingt schon noch alles immer nach Kalifornien, dem ewigen Sonnenschein und wenn manchmal die mehrfachen Gesangsstimmen ein Lied wie „Make You Mine“ ausmachen, kann man gar nicht anders, als an die Beach Boys zu denken. Der Song handelt – Überraschung! – vom ewigen Sommer und den kann man samt der Family of the Year hier, im dann herbstlichen München, im Orangehouse hören und sehen.

29.09.  – THE HANDSOME FAMILY
Diese Herrschaften kennt man vielleicht eher vom exzessiven Serienkonsum als aus dem Radio. Das Ehepaar Brett und Rennie Sparks lieferte den so düster wie packenden Titelsong zur ersten Staffel des HBO-Krachers „True Detective“. Wenn man zurückdenkt an Rust Cohle und Marty Hart, hat man (neben den vielen anderen stimmig ausgewählten Songs des Soundtracks) zu allererst ihr melancholisches „Far From Any Road“ im Ohr. Das Duo aus Breaking-Bad-City, Albuquerque, New Mexico gastiert an diesem Abend mit seinem Alternative-Country Repertoire im Ampere.

30.09.  – THE CROOKED BROTHERS
Familienmonat, oder wie? Nach zwei musikalischen Families jetzt auch noch eine Band of Brothers? Nicht ganz. Verwandt sind die Crooked Brothers aus Winnipeg nur im Geiste, machen aber ganz hervorragende Musik irgendwo zwischen Folk, Blues und Rock’n’Roll. Ursprünglich, authentisch, handgemacht und doch so abwechslungsreich, wie es nur wenige in diesem Genre hinkriegen. Da wird nicht eine Schiene gefahren, sondern auch gerne ein bisschen herumexperimentiert – frei nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht.“ Gut so! Das machen ohnehin viel zu wenige. Stoff vom hervorragenden neuen Album „Thank You I’m Sorry“ und mehr präsentieren sie in der Milla.

30.09. – ANDREAS MOE
Er lieh bereits Dance-Stars wie Avicii und Tiësto seine Stimme. Ach ja, und er schrieb einen Hit für Boyzone. Aber keine Sorge, weder mit böllernden Beats noch mit Boyband-Gedudel hat der Folk des schwedischen Singer/Songwriters zu tun, wie seine Debütsingle „Ocean“ und zahlreiche EPs beweisen. Bevor dieses Jahr sein Debütalbum erscheint, präsentiert Andreas Moe seine Songs live. In München sorgt er im Strom für Gänsehaut.

30.09.  – YOUNG REBEL SET
Den Lorbeerkranz für die Entdeckung dieser Brit-Folk-Rock-Kombo in unseren Landen darf sich Thees Uhlmann aufsetzen. Er holte sie 2009 für einige Shows nach Deutschland und veröffentlichte mit seinem Label Grand Hotel van Cleef im Jahr darauf dann auch gleich die selbstbetitelte Mini-LP. Die vorangegangene Single „If I Was“ war in der Tat ein sehr feines Stück Musik und wurde vom NME schwer angetan als „lebensbejahender Hemdsärmelrock“ bezeichnet. Ehrlicherweise hat man das alles nicht zum ersten Mal gehört, aber sie machen ihre Sache gut, und man kann schließlich auch nicht immer das Rad neu erfinden. Bei ihrem letzten Auftritt im Ampere muss man leider sagen, dass ihr Support, das Band-Kollektiv „East Cameron Folkcore“ sie dezent an die Wand gespielt hat, aber sei’s drum. Jeder hat mal einen suboptimalen Tag und genau deswegen eine neue Chance verdient. Neue Runde, neues Glück – auch dieses Mal wieder im Ampere.

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