Der Oktober startet mit einem Konzert der Extraklasse: Tim Vantol aus den Niederlanden gastiert in der Milla. Mit seiner EP „If We Go Down, We’ll Go Together“ bewies er, was er im Studio draufhat. Die gute Nachricht: Live ist er noch besser! Im Vorprogramm sind die Müncher von Leo Jonas zu sehen.

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Tim Vantol ist eigentlich ein alter Hase, wenn es um Touren geht. Für Chuck Ragan war er mehrfach Opener, in Bars, Clubs und Hallen hat er sein Können unter Beweis gestellt. Letzten Mittwoch um 22 Uhr konnte man sich davon selber überzeugen: Vantol feierte Tourauftakt und war einer der ersten Acts beim diesjährigen Reeperbahn Festival. Spitzenshow in Ursis Augen. Übrigens auch die, die von einem stetigen Bierkonsum unsererseits geprägt war. Macht Spaß, klingt gut – wir haben am vergangenen Donnerstagmorgen mit Tim Vantol gesprochen, was die Besucher auf seiner Deutschland-Tour erwartet, für er noch gern Vorband wäre und was alles so kommt.

Am Mittwochabend, dem ersten Abend des Reeperbahn Festivals, spielte Tim Vantol das erste Mal mit seiner Tourband. War das komisch? „Ich kannte noch nicht alle und es war echt spannend und auch etwas angsteinflößend“, so der Holländer, der eigentlich mehr wie ein Amerikaner klingt. Aber bis zur München-Show am Donnerstag würde die Nervosität sicher Routine weichen, erzählt er weiter. Vantol mag Shows, die so einfach wie schön sind: Mitsingende Menschen, die sich ein bisschen bewegen und Spaß haben – recht viel mehr braucht er nicht, um einen Auftritt als „nice show“ zu verbuchen. Jedem im Publikum einen guten Abend zu bescheren, das ist Vantols Ziel. Und das kriegt er meistens mit links hin.

Tim Vantol kennt sich aus mit Konzerten: 150 Shows hat er einmal in einem Jahr gespielt (sowas kennt man ja auch von Frank Turner). Macht Touren denn süchtig? „Nein, es ist einfach das, was ich liebe, was ich zum Überleben brauche: Musik spielen. Zuhause hat man mit mir nicht wirklich viel Spaß. Das tut mir immer leid für meine Freundin, die ich auf Tour dann sehr vermisse. Man will immer genau das Gegenteil von dem, was man hat… Irgendwie macht es doch süchtig: Man will immer neue Sachen sehen, Orte entdecken, ein größeres Publikum anziehen. Aber es hält sich im Rahmen: 150 Konzerte in einem Jahr haben mir gezeigt, dass es eine Grenze gibt“, so Vantol.

Für Chuck Ragan war er schon Opener. Gibt es denn noch Künstler, für die er sogar jetzt, mit seiner eigenen Headline-Tour, noch gerne Vorband wäre? Vorband-Sein mag Tim Vantol. Das klänge vielleicht komisch, aber er macht das ganz besonders gern, verrät er. Vier Künstler fallen ihm sofort ein, für die er gerne als Opener auftreten würde. Bruce Springsteen. The Avett Brothers. Jason Isbell. Willie Nelson. Wieso?

Bruce Springsteen: „Okay, ich will nicht dringend Vorband für Springsteen sein. Das schon auch, aber einer meiner Lebensträume ist es, ein Barbecue mit dem Boss zu haben. Ich habe davon diese perfekte Vorstellung: Der Boss steht in seinem Garten irgendwo in New Jersey, hat eine Schürze um und grillt mit einem Bier in der Hand selbst! Da wäre ich gern dabei!“ (Wir auch.)
The Avett Brothers: „Ich  habe die Avett Brothers einmal live in Köln gesehen und das ist immer noch mein absolutes Lieblingskonzert. Es war nicht die perfekte Show, das Banjo ist verstimmt und sie verbrauchen mehr Saiten als ich in einem Jahr kaufe, aber ich will auf der Bühne so sein wie sie: menschlich. Sie  machen Fehler, sie gehen mit diesen Fehlern um, sie haben trotzdem eine gute Zeit auf der Bühne. So will ich auch während eines Konzerts sein und beim Publikum rüberkommen.“
Jason Isbell: „Ich habe mir gerade die älteren Platten von ihm vermehrt angehört. ‚South Eastern‘ ist ein tolles Album.“
Willie Nelson: „The Man himself. Sein letztes Album ist der Hammer: Es gibt diesen YouTube-Clip, bei dem zwei alte Menschen einfach die beste Zeit haben. Immer noch.“ (Willie Nelson zählt 82 Lenze.)

Diesmal ist Tim Vantol ja sein eigener Headliner, da kann er – trotz seiner großen Freude daran – nicht auch noch Opener sein. Dafür hat er sich für München den lokalen Leo Jonas ins Boot geholt. Leo Jonas, live unterstützt von seinem Bruder, macht Folk-Pop und lässt aber auch seine musikalische Früherziehung von Guns’n’Roses bis The Smiths durchscheinen. Dass er Ausdauer hat, hat er mit drei Sets an einem Abend (!!!) ebenfalls während des Reeperbahn Festivals, jedoch abseits des großen Trubels, bewiesen. Die beiden Brüder als Live-Version besäßen telepathische Fähigkeiten, deshalb müssten sie auch gar nicht absprechen, welchen Song sie in welcher Tonart singen oder wo wessen Einsatz wäre. Ob das in München auch so einfach klappt? So oder so – es lohnt sich, früh in der Milla aufzuschlagen, denn beide Bands haben genau ein Ziel: dem Publikum einen guten Abend zu bescheren. Also geht hin, trinkt eventuell ein oder zwei Bier, habt Spaß und lasst Tim Vantols Song euer Mantra sein: „If We Go Down, We’ll Go Together.“

Tim Vantol spielt am 1. Oktober in der Milla, los gehts um 20 Uhr mit Leo Jonas. Wer nicht in München ist, hat hier noch die Möglichkeit dazu.

Foto: the music minutes