Kelela, die vor zwei Jahren mit ihrem Gratis-Mixtape „Cut 4 Me“ für Furore sorgte, hat kürzlich über das Londoner Indie-Label Warp Records ihre EP „Hallucinogen“ veröffentlicht. Mit den sechs neuen Songs unterstreicht sie ihren Status als Erneuerin des modernen R’n’B.

Kelela_by_Tim_Saccenti

Von Janet Jackson über Tracy Chapman bis Aphex Twin – Kelela kombiniert ihre verschiedenen Einflüsse zu einem eigenwilligen, modernen R’n’B-Sound, von R’n’B über Grime bis Hip-Hop und Dubstep. Konkret: Eine Kreuzung aus dem geschmeidigen R’n’B von US-Sängerin Brandy, düsteren Drum’n’Bass-Fantasien und den relaxten Beats von Lorde.

Mit ihren futuristischen R’n’B-Elektro-Hybriden verdrehte die Sängerin mit äthiopischen Wurzeln, bürgerlich Kelela Mizanekristos, bereits Stars wie Solange und Beyoncé Knowles und Björk die Köpfe. Ihr Mixtape „Cut 4 Me“, das sie vor zwei Jahren gratis im Netz veröffentlichte, schaffte es bei vielen Musikkritikern auf die Jahres-Bestenliste. Außerdem landete Kelela auf der Longlist des BBC-Newcomer-Barometers „Sound of 2014“.

Vor kurzem hat die Künstlerin, die in Washington, D.C. aufgewachsen ist und seit 2010 in Los Angeles lebt, bei Warp Records unterschrieben. Das stilprägende Londoner Label veröffentlichte am 9. Oktober die neue Kelela-EP „Hallucinogen“ digital, die Vinyl-Version folgt im Dezember via Rough Trade Distribution. Es ist nach dem Mixtape erst der zweite Release von Kelela.

Sci-Fi-R’n’B

Auf „Hallucinogen“ finden sich sechs neue düstere, vertrackte Tracks, getragen von Kelelas kristallklarer Stimme. Ähnlich wie Sohn und Co. setzt Kelela als Kontrast zu ihrer Soul-Stimme auf kühle elektronische Arrangements. Die Stücke fallen immer wieder auseinander und fügen sich dann wieder neu zusammen. Unterstützung holte sich Kelela u.a. von den Produzenten Nugget, Kingdom, MA vom R’n’B-Duo Nguzunguzu aus L.A., Gifted & Blessed, DJ Dahi sowie Shootingstar Arca, der bereits Björks letztes Studioalbum „Vulnicura“ mit seinen minimalistischen Beats veredelte.

Auf „Hallucinogen“ geht es laut Kelela um die narkotische Wirkung von Liebe. „Man ist aufgekratzt, aufgelöst. Die Liebe manifestiert sich in deinem Körper und vereinnahmt dich komplett.“

Im Opener „A Message“, der gemeinsam mit Arca entstand, reflektiert Kelela eine frisch beendete Beziehung. „I won’t shed a tear, cause waterworks are easy / Left some things behind, don’t need your help / And all I know is all I’ve got, is it hard to face, all we lost?“ singt sie da. Im Refrain zitiert Kelela Prince und dessen „If I Was Your Girlfriend“. Im Slow-Jam „Gomenasai“ geht es zu relaxt-reduzierten Rhythmen ganz schön zur Sache.

Mein persönlicher Favorit ist der minimalistische Upbeat-Elektro-Track „Rewind“, produziert von Nugget Kingdom. Der Refrain mit den verschachtelten Gesangsspuren geht rasch ins Ohr. Kelela schwärmt euphorisch von einer frischen Liebe, einer ersten Verknalltheit. „Since that day you’re all I think about, thought you were impossible til now, you’re with me wherever I wake up“.

Die sechs Songs machen neugierig auf das erste Album von Kelela. Die Erwartungen sind hoch.

„Halucinogen“ von Kelela ist am 9. Oktober über Warp Records erschienen.

Foto: Tim Saccenti